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Inkontinenz

Mangelhafte Beratung

14.07.2017  12:09 Uhr

Von Cornelia Dölger / Die Erstberatung von Inkontinenz-Patienten zu Einlagen ist stark verbesserungswürdig. Das hat eine Stich­probe von Stiftung Warentest ergeben, die 20 Anbieter getestet hat. Das Ergebnis wurde in der Juli-Ausgabe der Zeitschrift »Test« veröffentlicht. Dort rät man Betroffenen, sich vor der Erstbestellung besser selbst zu informieren.

Sich in Eigenregie ausführlich zum Thema zu informieren: Etwas anderes bleibt Betroffenen oft nicht übrig. Denn zum Schamgefühl, das sie häufig wegen ihres Leidens empfinden, kommt laut Stiftung Warentest in vielen Fällen schlechte Beratung hinzu – auch von Profis. Alle zehn getesteten Apotheken und Sanitätshäuser schnitten im Praxistest nur ausreichend oder sogar mangelhaft ab. Als befriedigend werteten die Tester lediglich drei von zehn geprüften Homecare-Unternehmen, also Hersteller oder Händler von Inkontinenzprodukten. Die übrigen konnten sie ebenfalls nicht über­zeugen.

Lückenhaft und indiskret

Auf dem Prüfstand waren sowohl telefonische Beratungen von Homecare-Unternehmen als auch persön­liche Beratungen vor Ort bei exem­plarisch ausgewählten Apotheken und Sanitätshäusern im Ruhrgebiet. Sieben Testpersonen ließen sich in insgesamt 140 Gesprächen mit allen Anbietern erstberaten; sie waren selbst nicht von Inkontinenz betroffen, sondern mit fiktiven Krankheitsgeschichten aus­gestattet.

Der Tenor der Tester: Die Beratung war lückenhaft und in den meisten Fällen indiskret, zudem waren mitgegebene oder -geschickte Produkt­muster teilweise unpassend, unhygienisch oder unbeschriftet. »Man wollte mich schnell loswerden«, zitiert die Zeitschrift eine Testperson.

Beim Thema zuzahlungspflichtige Inkontinenzprodukte versus gängige Kassenprodukte behaupteten einige Berater der Stiftung zufolge, dass erstattete Produkte nur bis zu einer bestimmten Menge ohne Aufpreis zu bekommen seien. »Das stimmt nicht«, so Stiftung Warentest. Für Kassenprodukte falle in aller Regel nur die gesetzliche Zuzahlung von maximal 10 Euro pro Monat an, ansonsten sind sie für Patienten kostenlos.

»Da hilft nur, die Sache selbst in die Hand zu nehmen«, so die Empfehlung. Um unzureichende oder gar falsche Beratung zu verhindern, sollten Betroffene sich intensiv auf das Gespräch vorbereiten und zum Beispiel darauf achten, den eigenen Bedarf genau zu schildern und sich nicht abwimmeln zu lassen. Auch im Vorhinein kann etwas getan werden, etwa den Harnverlust protokollieren. »Wer mit der Beratung unzufrieden ist, kann sein Glück auch bei einem anderen Versorger versuchen, der mit der jeweiligen Krankenkasse kooperiert«, raten die Tester. /