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Nagelpflege

Natürlich schön und kräftig

14.07.2017
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Von Elke Wolf / Nicht zu lang und nicht zu kurz, schön gefeilt und eventuell mit Lack überzogen: Gepflegte Nägel machen Hand und Fuß zu herzeigbaren Visitenkarten, die Vitalität und Gesundheit signalisieren. Mit ein paar einfachen Pflege-Handgriffen werden die Nägel zum Blickfang.

Das Wachstum des Nagels beginnt unter der Haut. Er besteht aus 100 bis 150 Lagen Hornzellen, die sich langsam aus dem Nagelbett herausschieben. Während der »unterirdischen« Wachstumsphase ist der Nagel äußerst sensibel für äußere Einflüsse wie Manikürefehler, Stöße oder schädigende Substanzen. Auch system­ische Erkrankungen zeigen sich mit­unter auf dem Nagel (siehe Kasten). Bis zu sechs Monate müssen Betroffene warten, bis die Veränderung vom Nagelmond bis zur -spitze gewandert ist. Zehen­nägel wachsen langsamer.

Der Zustand der Nägel ist zwar genetisch vorgegeben. Dennoch ist so manches Malheur an den Nägeln und der sie umgebenden Haut haus­gemacht und entsteht durch inadäquate Behandlung. So sind die Nägel mit einer Schere oder einer Zange zu kürzen, wenn sie wie an den Füßen hart und fest sind. Die Instrumente müssen scharf sein, damit das Nagelende nicht ausfranst. Fußnägel werden am besten gerade geschnitten und die Ecken nicht abge­rundet, um ein Einwachsen des Nagels zu verhindern. Maniküre und Pediküre gehen leichter von der Hand, wenn Hände oder Füße zuvor gebadet wurden.

Baden, cremen, ölen

Überschüssige Nagelhaut darf nicht abgeschnitten werden. Das könnte Entzündungen und Nagelstörungen zur Folge haben. Über­stehende Nagelhaut wird nach dem Auftragen eines Nagelhautentferners (wie Nagelhaut-Entferner-Stift von Weleda) weich, ohne dass das Nagel­keratin angegriffen wird. Nach kurzer Einwirkzeit wird die Nagelhaut mit einem Holz- oder Gummistäbchen zurückgeschoben und der überstehende Rest mit einer Zange abgezwickt.

Nägel sprechen Bände

Weiße Flecken, quer gerillt oder vorne brüchig: Zwar sind die meisten Veränderungen der gewölbten, durchscheinenden Hornplatten an den Enden von Fingern und Füßen harmlos. Doch es gibt auch solche, die einen Hinweis auf Stoffwechselerkrankungen, Mangelzustände oder Kreislaufstörungen liefern. Deshalb ist Nagelpflege nicht nur Kosmetik, sondern auch Gesundheitsvorsorge.

Internistisch abzuklären sind etwa

  • Tüpfelnägel (typisches Anzeichen für Psoriasis)
  • nicht herauswachsende Ver­färbungen (Kontakt mit Chemikalien, Rauchernägel, Nagelpilz, Herz- und Lungenerkrankungen)
  • eine sich ablösende Nagelplatte (Diabetes, Schilddrüsen­erkrankungen, Psoriasis)
  • Krümelnägel (Nagel-Psoriasis)
  • Uhrglasnägel (Lungen- und Herzerkrankungen, neurologische Störungen, Leberleiden)
  • Löffel- und Hohlnägel (Eisen- und Vitaminmangel, Kontakt mit Chemikalien, Mechanikernägel)

Um die Nägel geschmeidig zu halten und die umgebende Haut vor Austrocknung zu schützen, kann eine Nagel­creme oder ein -öl auf die Nagelplatte und den umgebenden Nagelfalz aufgetragen werden. Nagelcremes sind O/W- oder W/O-Emulsionen mit Inhaltsstoffen wie Chitosan, Panthenol und Phy­tantriol mit Liposomen und Vita­min H (wie Bio-H-tin® regenerierende Nagelcreme). Sie unterstützen die Regeneration rissiger Nagelhaut, beugen erneutem Einreißen vor und erhöh­en den Feuchtigkeitsgehalt des Nagels. Nagelpflege kann aber auch mit geschmeidig machenden Substanzen aus Granatapfelsamenöl oder dem Neembaum in Stiftform erfolgen (wie Nagelpflegestift von Weleda, Dr. Hauschka Neem-Nagelölstift, Nailner®). Nagelöle (wie Nagelpflegeöl Velvet Smooth von Scholl) enthalten meist pflanzliche Öle.

Nagel härten

Als Nagelhärter bezeichnete Produkte werden wie ein Lack auf den Nagel aufgepinselt. Sie enthalten bis zu 5 Prozent Formaldehyd, der mit den freien Aminogruppen des Nagelkeratins reagiert und dadurch eine Härtung des Nagels erzielt. Alternative Substanzen sind Alaun und Proteinhydrolysate. Ein Lack auf Basis von Hydroxypolychitosan (Sililevo®)­ mineralisiert den Nagel durch enthaltenes Silicium aus Schachtelhalmextrakt und wirkt Brüchigkeit entgegen. Er bildet einen unsichtbaren Schutzfilm auf dem Nagel und lässt sich mit Wasser wieder entfernen. Weil dieser Lack keinen auffälligen Glanz auf den Nägeln hinterlässt, kann er auch für Männer interessant sein.

Möchten Frauen ihre Nägel da­gegen mit einem glänzenden (Farb-)Lack versehen, können Apotheker Kiesel­säure-haltige Nagellacke empfehlen (wie Nagellack Silicium von La Roche-Posay). Längsrillen egalisieren so­genannte Rillenfüller-Lacke (wie von Artdeco). Kieselsäure kann auch eingenommen werden (zum Beispiel Sikapur®). Das soll die Quervernetzungen der Keratin-Eiweiß-Bausteine des Nagels stärken.

 

Häufigen Kontakt mit Wasser, mit Spül- und Putzmitteln, aber auch mit Lösungsmitteln im Labor mögen Finger­nägel gar nicht. Mit der Zeit weicht Wasser die Nagelsubstanz auf und die Inhaltsstoffe der verschiedenen Mittel richten zusätzlichen Schaden an. Dünne Gummihandschuhe schützen bei feuchten Tätigkeiten. Um den Handschweiß aufzusaugen, können darunter Baumwollhandschuhe getragen werden. Wen das Tragen von Handschuhen stört, der kann sich mit einer Hautschutzcreme (wie Excipial® protect, Lindesa® Klassik) behelfen.

Spange statt Zange

Bei manchen Menschen wachsen regelmäßig die vorderen Ecken der Fußnägel rechts und links in das weiche Nagelfalzgewebe ein. Meist spielt sich diese schmerzhafte Angelegenheit am großen Zeh ab. Mit der Bildung von »wildem Fleisch«, auch Granulationsgewebe genannt, versucht das Gewebe, dem eindringenden Nagel ein Polster entgegenzusetzen.

 

Hinter diesem schmerzhaften Problem stecken meist unpassendes Schuhwerk, das zu viel Druck auf die Zehen ausübt, und das falsche Kürzen der Nägel. Sie sollten gerade abgeschnitten werden, sodass die Ecken keine Chance haben, ins seitliche Gewebe einzudringen. Auch starkes Schwitzen an den Füßen begünstigt das Einwachsen, da es die Nagelhaut aufweicht.

 

Für gewöhnlich versieht ein Fußpfleger das entzündete Nagelgewebe mit einer Tamponade, die er in den Nagelfalz einsetzt, nachdem er das Granulationsgewebe entfernt hat. Dadurch entsteht ein Abstand zwischen Gewebe und Nagel, sodass das Einwachsen unterbunden wird. Effektiver, besonders in hartnäckigen Fällen, scheinen Nagelkorrekturspangen aus Stahldraht oder Kunststoff zu sein. Einmal auf dem betroffenen Zehennagel angebracht, üben sie dauerhaft Zug aus, welcher den Druck des Nagels auf das Gewebe reduziert. Die Wuchsrichtung wird so korrigiert, Entzündungen heilen ab oder entstehen mitunter gar nicht erst.

 

Die Stahldrahtspange verhindert ein erneutes Einwachsen des Nagels, indem sie ihn von zwei Seiten über dem Nagelfalz hält. Der Fußpfleger stellt das richtige Maß an Zug ein und versiegelt die Spange. Wie lange diese am Nagel verbleibt, variiert nach Schweregrad des Problems. In vielen Fällen braucht der Nagel mindestens sechs Monate, um wieder gerade zu wachsen. In dieser Zeit stellt der Fußpfleger bei weiteren Sitzungen die Zugkraft der Spange nach und versetzt sie, je nach Wachstum des Nagels, nach hinten. Die Spangen sind auch für Kinder, Diabetiker und Nickelallergiker geeignet.