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Hepatitis E

Unbekannte Virusinfektion

17.07.2018
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Von Verena Arzbach / Infektionen mit dem Hepatitis-E-Virus (HEV) treten häufiger auf als bisher gedacht. Das teilt die ­Deutsche Leberhilfe in einer Pressemeldung mit. Die Virus­infektion gilt in Deutschland mittlerweile als der häufigste ­Auslöser einer akuten Hepatitis.

Hepatitis E galt lange als Reisekrankheit. Vor allem in Afrika und Asien sind Hepatitis-E-Viren der Geno­typen 1 und 2 verbreitet, die fäkal-oral über verunreinigtes Trinkwasser oder Lebensmittel übertragen werden. Mittlerweile infizieren sich Menschen aber auch immer häufiger in Deutschland mit HEV. Hier dominieren die Virus-Genotypen 3 und 4, die von Tieren auf den Menschen übertragen werden. Die wichtigste Infektionsquelle ist rohes Schweinefleisch, sowohl vom Haus- als auch vom Wildschwein. Gefährlich ist diesbezüglich also vor allem der Verzehr von Mett, Leberwurst und luftgetrockneter ­Salami. Möglich ist eine Infektion auch über Feldfrüchte wie Erdbeeren, die mit Fäkalien gedüngt werden.

Die Meldungen von Hepatitis-E-­Infektionen an das Robert-Koch-Institut (RKI) haben sich von 2000 bis zum Jahr 2017 mehr als verzehnfacht. 3000 Fälle wurden dem RKI 2017 gemeldet. Ob sich aber tatsächlich immer mehr Menschen mit HEV infizieren, ist nicht klar. Es könnte auch sein, dass Ärzte aufgrund des gestiegenen Bekanntheitsgrads mehr auf HEV testen, so die Leberhilfe.

Oft symptomlos

Bei gesunden Menschen verläuft eine akute Infektion in der Regel symptomlos oder es treten unspezifische Beschwerden auf. Eine Infektion bleibt daher oft unbemerkt. In Deutschland ließen sich bei etwa 17 Prozent der ­Erwachsenen Antikörper gegen HEV nachweisen, was als Beleg für eine durchgemachte Infektion gilt, so die ­Leberstiftung. Meist heilt die akute ­Infektion wieder von selbst aus, bei ­Patienten mit einem geschwächten Immunsystem kann das Hepatitis-E-­Virus allerdings zu schwerwiegenden, teils tödlichen Komplikationen führen, ebenso bei Patienten mit vorbestehender Leberschädigung oder Schwangeren.

Das Hepatitis-E-Virus kann auch über Blut und Blutprodukte übertragen werden. Eine Studie aus dem Universitätskrankenhaus Eppendorf (UKE) in Hamburg und der Medizinischen Hochschule Hannover (MHH) zeigt, dass Hepatitis-E-Infektionen bei 0,1 Prozent der Blutspender auftreten – deutlich häufiger als gedacht. Daher hat das Paul-Ehrlich-Institut (PEI) ­angekündigt, dass künftig alle Blutspenden auf HEV getestet werden müssen. Ab September 2019 soll laut den Plänen des PEI bei allen therapeutischen Blutprodukten, die aus Spenderblut hergestellt werden, durch ­negativen Genomnachweis sicher­gestellt werden, dass sie nicht mit HEV infiziert sind. /

Welt-Hepatitis-Tag

Am 28. Juli 2018 ist Welt-Hepatitis-Tag. In diesem Jahr steht er unter dem Motto: »Hepatitis: Findet die fehlenden Millionen!« Im Fokus steht diesmal, noch unentdeckte Pa­tienten zu finden, um diese frühzeitig zu behandeln, vor Spätfolgen zu bewahren und Neuinfektionen einzudämmen.

Die chronische Hepatitis B und C betrifft in Deutschland schätzungsweise bis zu 600 000 Menschen. Die Infektionen bleiben lange symptomlos, unbehandelt können sie zu Leber­zirrhose, ­Leberkrebs und Tod führen. Eine rechtzeitige Diagnose kann dies verhindern: Chronische Hepatitis B ist gut kontrollierbar und Hepatitis C ist heute in der Regel heilbar.

Informationen zum Welt-Hepatitis-Tag auf www.welthepatitistag.info und www.worldhepatitisday.org.