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Arzneipflanzenporträt

Wacholder

Gemeiner Wacholder (Juniperus communis)
Familie der Zypressengewächse (Cupressaceae)
Weitere Namen: Heidewacholder, Machandelbeeren, Kranewitterbeeren, Reckholderbeeren
Annette Immel-Sehr
17.07.2018  09:54 Uhr
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Merkmale

  • meist säulenförmiger, immergrüner Strauch oder Baum, bis 11 m hoch
  • zweihäusig (diözisch)
  • bis 20 mm lange nadelförmige, stechende Blätter in 3-blättrigen Quirlen mit blauweißen Wachsstreifen auf der Oberseite
  • Blütezeit April bis Juni
  • unscheinbare gelbliche männliche und weibliche Blüten
  • nach der Bestäubung wachsen die drei obersten Schuppenblätter der weiblichen Blüte fleischig zu einem kugelförmigen Beerenzapfen (Scheinbeeren) zusammen
  • im ersten Jahr nach der Befruchtung grün, im zweiten Jahr schwarz, bläulich bereift, kugelig bis eiförmig
  • meist drei längliche kantige Samen

Heimat

  • Mitteleuropa
  • Droge stammt vorwiegend aus Kroatien, Italien und Albanien

Arzneilich verwendete Pflanzenteile

  • reife Beerenzapfen (Juniperi pseudofructus)

Inhaltsstoffe

  • ätherisches Öl
  • Invertzucker
  • Catechingerbstoffe
  • Leucoanthocyane
  • Diterpene

Medizinische Anwendung

  • zur Verbesserung der renalen Wasserausscheidung und bei dyspeptischen Beschwerden inklusive Appetitlosigkeit (ESCOP)
  • bei dyspeptischen Beschwerden (Kommission E)

Empfohlene Dosierung

  • Teeaufguss: 2 bis 3 mal täglich eine Tasse Wacholderbeertee trinken, mittlere Tagesdosis 4 bis 6 g Droge
  • Zur Verbesserung der renalen Wasserausscheidung: Beginnend mit 5 Beeren pro Tag kann die Dosis pro Tag um eine Beere bis auf 15 Beeren täglich gesteigert werden; danach Dosisreduktion wieder absteigend bis auf 5 Beeren pro Tag

Nebenwirkungen

  • Bei Überdosierung riecht der Harn veilchenartig und es treten Schmerzen im Nieren-Blasenbereich auf.

Wechselwirkungen

  • Nicht mit synthetischen Diuretika kombinieren.

Kontraindikationen

  • Nierenerkrankungen

Zubereitung

2 g frisch gequetschte Wacholderbeeren mit 150 ml kochendem Wasser übergießen und nach 10 Minuten abseihen.

Abgabehinweise

  • Bei einer Durchspülungstherapie reichlich trinken.
  • Ärztlichen Rat einholen, wenn während der Behandlung Fieber, Harnverhalten, Krämpfe beim Wasserlassen oder Blut im Urin auftreten.
  • Nicht bei Schwangeren, Stillenden sowie Kindern und Jugendlichen anwenden, da keine Untersuchungen zur Unbedenklichkeit vor­liegen.

Präparate

  • Die Mehrzahl der Fertigarzneimittel mit Wacholder sind homöo­pathische Kombinationspräparate.
  • Das durch Dampfdestillation aus Beeren und Nadeln des Wacholders gewonnene Wacholderöl wird traditionell bei Muskel- und Gelenkbeschwerden angewendet. Es ist in einer Reihe von Bädern und Einreibungen enthalten. Zudem wird es in der Aromatherapie oder als Saunaaufguss eingesetzt.

Vielseitig geschätzt

  • Wacholderbeeren sind bei (Hobby-) Köchen sehr beliebt, denn sie geben vielen Gerichten eine besondere Note, zum Beispiel Wild, Fleischmarinaden und Fischsud. Winter­gemüse wie Sauerkraut und Rotkohl werden durch Wacholderbeeren besser verträglich. Wichtig: Die Beeren vor der Zugabe anstoßen, um das ätherische Öl freizusetzen.
  • Auch bei der Herstellung von Spirituosen sind Wacholder­beeren geschätzt. Ihr hoher Zuckergehalt ermöglicht das Vergären der Beeren mit anschließender Destillation. Je nach Land, Region, Zubereitungsart oder Hersteller heißen Wacholderschnäpse Gin, Genever, Borowiezka, Machandel, Doornkaat oder Steinhäger.