PTA-Forum online
Hilfsmittel für diabetiker

Zuckermessung mit System

17.07.2018
Datenschutz

Von Caroline Wendt / Die regelmäßige Kontrolle des Zucker­spiegels ist für Diabetiker essenziell, denn so können sie Über- oder Unterzuckerungen schnell erkennen. Neben der Bestimmung über einen Blutstropfen mit den klassischen Blutzuckermess­geräten ermitteln einige Geräte die Glucose­konzentration in der Flüssigkeit der Zellzwischenräume.

Schnell reagieren – das müssen Diabetiker immer wieder. Bei zu hohen oder zu niedrigen Blutzuckerwerten ist rasches­ Handeln gefragt. Da ist es gut, dass die modernen Blutzuckermess­geräte innerhalb von Sekunden einen verlässlichen Wert des aktuellen Glucosespiegels liefern.

Dafür reicht ein einziger Tropfen Kapillar­blut aus. Mithilfe einer Stechhilfe oder einer automatischen Einmal­lanzette können Diabetiker das Blut aus der Fingerbeere entnehmen. Da die Haut jedes Menschen unterschiedlich dick ist, ist bei den meisten Stechhilfen die Einstichtiefe wählbar. Diabetikern, die zum ersten Mal ihren Blutzucker messen, können PTA und Apotheker empfehlen, mit der geringsten Einstichtiefe zu beginnen. Sollte die Blutmenge nicht ausreichen, können die Patienten dann die nächsthöhere Stufe wählen. Wichtig ist aber vor allem, dass die Patienten für jede Blutentnahme eine neue Lanzette einsetz­en. Das Wieder­verwerten von Lanzetten ist nicht nur unhygienisch, sondern ver­ursacht auch unnötige Schmerzen.

Automatisch eingezogen

Moderne Blutzuckermessgeräte benötigen nur noch geringe Mengen an Blut, im Durchschnitt reichen 0,3 bis 0,6 μl aus. Die Teststreifen ziehen den Blutstropfen in der Regel automatisch ein, wenn er den Rand des Teststreifens berührt (Sip-In-Technik). Die Messung der Glucosekonzentration erfolgt über eine enzymatische Reaktion – entweder oxidiert die Glucoseoxidase oder Gluco­dehydrognase den Zucker zu Gluconolacton. Je nach Messsystem erfolgt die Detektion elektrochemisch oder mit­hilfe der Reflektrometrie.

Blutzuckermessgeräte und die Teststreifen sind temperatur­empfindlich. Sie messen bei einer Außentemperatur zwischen 10 und 35 °C genau und dürfen weder großer Hitze noch Kälte ausgesetzt werde. Genauso von Bedeutung ist die Luftfeuchtigkeit. Deshalb ist es ratsam, die Teststreifen immer im Original­behälter – der im Deckel ein Trocknungsmittel enthält – aufzubewahren. Nach der Entnahme eines Teststreifens sollten Patienten außerdem darauf achten, das Röhrchen direkt wieder zu verschließen.

Die meisten Messgeräte speichern die Werte automatisch mit Datum und Uhrzeit. Einige verfügen zudem über eine Schnittstelle, worüber sich die ­Daten an einen Computer übertragen lassen. Damit erübrigt sich das per Hand geschriebene und deshalb fehleranfällige Blutzuckertagebuch. Einige Firmen stellen zudem Apps zur Ver­fügung, welche die Blutzuckerwerte auf dem Smartphone darstellen. Für Patienten mit eingeschränkter Motorik eignen sich Blutzuckergeräte mit in­tegrierter Messstreifen-Trommel (zum Beispiel Accu-Check® mobile). Aber egal welches Gerät verwendet wird, Blutzuckermessgeräte sollten regelmäßig kontrolliert werden. Dazu bieten die Hersteller spezielle Test­lösungen an, welche eine bekannte Menge Glucose enthalten.

Mit zweierlei Maß

Je nach Gerät wird die Blutzuckerkonzentration in mg/dl oder mmol/l angegeben, manche Geräte können auch beide Werte anzeigen. So wird umgerechnet:

18,016 x mmol/l = mg/dl

0,0555 x mg/dl = mmol/l

Neue Methoden

Neben den Systemen zur Zucker­bestimmung im Ka­pillarblut gibt es Messsysteme, welche die Glucose­konzentration im Zell­zwischenraum bestimmen, den sogenannten Gewebezucker. Auch wenn der Vertrieb ­dieser Geräte nicht über die Apotheke ­erfolgt, kann es sinnvoll sein, auf Fragen von Patienten vorbereitet zu sein.

Bei den CGM-Systemen (Continuous Glucose Monitoring) misst ein Nadelsensor alle fünf Minuten den Zucker­gehalt in der Gewebeflüssigkeit des Unterhautfettgewebes und zeigt dies unmittelbar an (zum Beispiel Dexcom G5®). Auf der Nadelspitze befindet sich das Enzym Glucoseoxidase, das Nadelende ist mit einem Sender auf der Hautoberfläche verbunden. Dieser übermittelt die Werte per Funk an einen­ Empfänger, der die Zuckerwerte anzeigt und speichert. Je nach Gerät kann es sich dabei um ein separates Empfangsgerät, ein Smartphone oder eine spezielle Insulinpumpe handeln.

Außerdem zeigen die Empfänger einen­ Trend des aktuellen Glucose­spiegels an. Der Patient kann so erkennen, ob sein Blutzucker eher steigt oder eher sinkt. Ein weiterer Vorteil der CGM-­Geräte: Sie erfassen nicht nur eine punktuelle Glucosekonzentration, sondern sammeln kontinuierlich Werte und stellen sie numerisch und grafisch dar. Insbesondere für Kinder, die eine Unterzuckerung noch nicht richtig erkennen können, kann ein CGM sinnvoll sein. Die CGM-Systeme haben zudem eine weitere Funktion: Verlässt der Blutzucker einen vorher definierten Normbereich, schlägt der Empfänger Alarm – auch nachts. So können beispielsweise nächtliche Hypoglykämien besser erkannt werden.

Aktive Abfrage

FGM-Geräte (Flash Glucose Moni­toring) wie FreeStyle® Libre haben diese­ Alarmfunktion nicht. Sie messen zwar auch permanent den Gewebe­zucker, doch muss der Patient die ­Werte aktiv abfragen, indem er den Em­pfänger vor den Sensor hält. Er ­erhält so bei jedem Scan den aktuellen Minutenwert. Alle 14 Tage wechselt der Diabetiker den Sensor, bei CGM-­Geräten findet der Wechsel in der Regel alle sieben Tage statt. In beiden Fällen em­pfiehlt es sich, den neuen Sensor zur Nacht zu setzen, da die Messfühler in der sogenannten Run-in-Phase noch keine verwertbaren Daten liefern. Den Wechsel der Sensoren können die Pa­tienten – nach einer entsprechenden Schulung – selbst zu Hause durch­führen. Das Platzieren eines­ Langzeit­sensors wie beim System Eversense® XL kann hingegen nur durch einen Arzt erfolgen. Dieser setzt in einem ambulanten Eingriff einen kleinen kapsel­förmigen Sensor in den Oberarm ein, der dort bis zu sechs Monate­ verweilen kann. Die Zucker­bestimmung des Langzeitsensors erfolgt über eine Fluoreszenzmessung.

Der von CGM- oder FGM-Geräten bestimmte Gewebezucker entspricht allerdings nicht exakt dem Blut­zucker, sondern gibt diesen nur zeitlich verzögert wieder (5 bis 25 Minuten). Der Gewebezucker kann also bei einer schnellen Blut­zuckeränderung noch im Normbereich sein, während bei einer­ Blutzuckermessung schon eine Unterzuckerung erkenn­bar ist. Deshalb müssen Diabetiker bei Symptomen einer Hypoglykämie, aber keinem entsprechendem Wert bei CGM- oder FGM-Messung, immer nach der herkömmlichen Methode – per Piks in die Fingerkuppe – messen. CGM-­Geräte müssen­ zudem zweimal täglich über eine Blutzuckermessung kali­briert werden, der Glucosewert aus dem Blut dient als Referenzwert. Bei dem FGM-Gerät kann diese Blutmessung entfallen: Der Hersteller hat die Geräte bereits kalibriert. Auch für den Fall, dass der CGM- oder FGM-Sensor ausfällt, sollten Patienten ­immer ein Blutzuckermessgerät zur Hand haben. Denn das Zubehör für CGM- und FGM-Geräte­ ist nur direkt über die Händler und nicht über die Apotheke zu beziehen – und somit im Notfall nicht sofort verfügbar.

Blutzucker richtig messen

  • Bei Temperaturen von 10 °C bis maximal 35 °C messen
  • Hände mit warmem Wasser und Seife waschen,gründlich ab­trocken
  • Den Teststreifenbehälter direkt nach der Entnahme wieder verschließen
  • Jede Lanzette nur einmal benutzen
  • Seitlich in die Fingerbeere einstechen, möglichst nicht an Daumen und Zeigefinger
  • Sip-in-Technik: Blutstropfen an den Rand des Teststreifens halten, Blut wird automatisch eingezogen; Fingerbeere nicht quetschen, sondern sanft bis zum zweiten Fingerglied ausstreichen
  • Ergebnis protokollieren

Seit 2016 gehören Echtzeit-CGM-­Systeme mit Alarm­funktion zum Leistungs­katalog der gesetzlichen Kranken­versicherungen. Die Krankenkassen übernehmen in be­gründeten Fällen, zum Beispiel bei häufigen und schweren Hypoglykämien, die Kosten für die Systeme. Auch FGM-Geräte­ werden von einigen Kassen erstattet. In jedem Fall muss jedoch vorab eine Genehmigung durch die Krankenkasse erfolgen, der behandelnde Diabetologe muss die Notwendig­keit der neuen Therapieform begründen.

Closed-Loop-System

In den USA ist seit Juni 2017 ein sogenanntes Closed-Loop-System auf dem Markt, bei dem ein CGM-Gerät und eine Insulin­pumpe selbstständig mit­einander kommunizieren (Minimed™ 670G). Dabei passt die Pumpe die ­Abgabe der Basalin­sulinabgabe auto­matisch dem gemessenen Gewebe­zucker an. Der Patient muss hier ­lediglich noch die Insulin­abgabe zu den Mahlzeiten einstellen und Blut­zuckermessungen durchführen, um das System zu kali­brieren. Am 25. Juni dieses­ Jahres erhielt das Gerät die CE-Kenn­zeichnung durch die EU-Kommission. Die Markteinführung in aus­gewählten europäischen Ländern ist laut Hersteller noch für dieses Jahr geplant. /

Blut- und Gewebezucker: Verschiedene Messsysteme

Messsystem Beispiele Geeignet für
Blutzuckergerät Contour® next, OneTouch Select Plus Flex®, Stada Gluco Result® Gut eingestellte Diabetiker ohne Hypo­glykämierisiko; zur Kontrollmessung bei kontinuierlichen Zuckermesssystemen
Blutzuckergerät mit integrierter Messstreifentrommel Accu-Chek® mobile Patienten mit eingeschränkter Motorik
CMR Dexcom G5®, Eversense® XL, Enlite™ Glucosesensor Kleinkinder; Patienten, die die Symptome einer Hypoglykämie nicht erkennen; bei unbefriedigender Stoffwechsellage trotz aller anderen zur Verfügung stehenden Therapieoptionen; wenn mehr als zehn Messungen täglich nötig sind; vor und während einer Schwangerschaft
FGM FreeStyle® Libre Siehe CMR-Geräte; Patienten müssen eine Hypoglykämie selbst erkennen können