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Selbstmedikation

Fragen über Fragen

11.10.2013  13:44 Uhr

Von Maria Pues / Von einer einfachen Gebrauchsanweisung bis zur Sorge, ihr Kind leide angesichts der vielen Erkältungen vielleicht doch an einem Immundefekt, reichen die Fragen besorgter Eltern. Hier kommen die Antworten dazu.

Husten, Schnupfen, Heiserkeit, Halsschmerzen – sie sind der häufigste Grund, weswegen Eltern mit ihren Kindern zum Kinderarzt gehen. Geht das Kind bereits zur Schule, kommt zur Sorge um die Gesundheit die Befürchtung hinzu, das Kind könnte zu viel vom Unterricht versäumen. In der Selbstmedikation tauchen typische, aber zuweilen auch irritierende Fragen auf, von denen wir einige gesammelt haben.

Meine Tochter (3) presst das Fieberzäpfchen immer schnell wieder heraus – sofern ich es überhaupt schaffe, es einzuführen.

Zäpfchen sind bei ganz kleinen Kindern häufig die sicherste Art, ein Arzneimittel anzuwenden. Doch oft geht es nicht ohne Protest. Hier hilft es meist, das Zäpfchen mit der stumpfen Seite voran einzuführen. Dies verhindert, dass das Kind es sofort wieder herauspressen kann. Leichter einzuführen sind Zäpfchen außerdem, wenn man sie mit etwas Vaseline gleitfähiger macht.

Ich hätte gerne einmal Ibuprofen-Saft, bitte. Nasenspray habe ich noch von der Großen. Das reicht auch für meinen Sohn. In den Flaschen ist immer viel mehr drin, als einer allein benötigt.

Manche abschwellenden Nasensprays sind konserviert, andere besitzen ein Dosiersystem, das – bei sachgemäßem Gebrauch – verhindern soll, dass Keime in das Arzneimittel gelangen. Ein Konservierungsmittel kann sich jedoch verbrauchen, und an den Aufsätzen von Nasensprays können sich Keime ansiedeln. Mit und ohne Konservierung sollten abschwellende Nasensprays maximal eine Woche angewendet werden. Außerdem sollten Eltern die Haltbarkeit nach Anbruch beachten. Und natürlich muss jedes Kind sein eigenes Nasenspray haben, damit sich Geschwister nicht fortwährend gegenseitig anstecken.

Darüber hinaus gibt es abschwellende Nasentropfen in unterschiedlichen Konzentrationen für verschiedene Altersgruppen. Zwar eignen sich geringere Konzentrationen als vorgesehen, wenn die Beschwerden nicht so stark sind, zum Beispiel Kindernasensprays für Erwachsene. Umgekehrt ist dies jedoch nicht der Fall.

In diesem Arzneimittel ist ja Alkohol. Wollen Sie mein Kind vergiften?

Viele pflanzliche Arzneimittel wurden früher werden unter Verwendung von Alkohol hergestellt, wenn die wirksamen Bestandteile aus der Pflanze nicht wasser- sondern alkohollöslich sind. Da das Arzneimittel nur in geringen Mengen angewendet wird, ist auch die damit aufgenommene Alkoholmenge gering.

Zum Beispiel in Efeu-Hustensaft für Kinder (beispielsweise Prospan Hustensaft®, Efeu-ratiopharm® Hustensaft) ist tatsächlich gar kein Alkohol enthalten. Ein Ethanol-Wasser-Gemisch diente hier zwar bei der Wirkstoffgewinnung als Extraktionsmittel, um die gewünschten Substanzen aus dem Efeu zu extrahieren – und schädliche, die ebenfalls enthalten sind, nicht mitzuextrahieren. Der Alkohol wurde aber aus dem Extrakt wieder entfernt und dieser zum alkoholfreien Hustensaft weiterverarbeitet. Es ist also wichtig, zwischen Alkohol als Extraktionsmittel und Alkohol als Hilfsstoff im Fertigarzneimittel zu unterscheiden.

Und wie kriege ich den Saft in mein Kind?

Ein großer Löffel voll Arzneisaft, der völlig fremd schmeckt, ist gerade kleinen Kindern zu viel. Mit etwas Glück schlucken sie einen Teil, der Rest findet sich im Gesicht und auf dem Jäckchen wieder. Das Dosieren gelingt mit einer Einmalspritze gut, die Gabe des Saftes ebenfalls. Eltern können dem Kind so gut zu schluckende Portionen anbieten, ohne dass etwas daneben geht. Darüber hinaus gibt es im Apothekenbedarfshandel »Spritzen« mit einer weiteren Öffnung als bei Einmalspritzen, durch die sich zähflüssige Säfte besser aufziehen lassen.

Meine Kleine (1) kann kaum atmen, weil das Näschen verstopft ist. Was kann ich tun?

Tagsüber können Kochsalz-Nasentropfen Erleichterung bringen. Sie verhindern unter anderem, dass das Sekret eintrocknet. Es lässt sich dann auch besser entfernen, zum Beispiel mit einem Nasensauger. Zudem sollten Eltern auf eine ausreichende Luftfeuchtigkeit im Zimmer achten, zum Beispiel durch ein feuchtes Tuch auf der Heizung. Bei stark verstopfter Nase und zur Nacht können abschwellende Nasentropfen die Nasenatmung zu verbessern. Besonders bei den ganz Kleinen ist dies wichtig, da sie kaum durch den Mund atmen können. Trinken und Schlafen sind dann sehr erschwert.

Erkältungssalben und andere Zubereitungen mit ätherischen Ölen, die Erwachsene als wohltuend empfinden, betrachten viele Kinderärzte wegen möglicher Hautreaktionen heute mit Skepsis. Unabhängig davon sind Zubereitungen mit Kampfer und/oder Menthol für Säuglinge und Kleinkinder nicht geeignet. Diese können den sogenannten Kratschmer-Reflex auslösen. Dabei kommt es zu einem von einem Gesichtsnerv (Trigeminus) ausgelösten Atemstillstand, dem ein Herzstillstand folgen kann. Spezielle Inhalate mit ätherischen Ölen für Säuglinge enthalten daher nie Menthol oder Kampfer. Sie sollten dennoch stets unerreichbar für die Kleinen, etwa auf einem am Bettchen befestigten Tuch, appliziert werden. /

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