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Honig

Sanfte Hustenmedizin

11.10.2013
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Von Ulrike Becker / Honig ist als Bestandteil der Hausapotheke etwas in Vergessenheit geraten. Dabei schätzen Naturheilkundler die wohltuende Wirkung der natürlichen Süße schon seit der Antike. Mittlerweile kann die Wissenschaft auch nachweisen, wie und warum Honig hilft. Bei hustenden Kindern wirkt er sogar besser als mancher Hustensaft.

Honig ist ein ganz besonderes Lebensmittel. Das zeigt sich daran, dass eine spezielle Honigverordnung genau regelt, welches Produkt sich Honig nennen darf und welche Qualitätskriterien das Bienenprodukt erfüllen muss. Anders als bei anderen Lebensmitteln dürfen dem Naturprodukt weder Farb- noch Aromastoffe oder Konservierungsmittel zugesetzt werden. Das eigene charakteristische Aroma jeder Honigsorte entsteht durch das jeweilige Umfeld der Bienen. Die Sortenvielfalt ist immens: Akazien-, Raps-, Tannen- oder Kleehonig sind nur eine kleine Auswahl der geschmacklichen Nuancen. Von bräunlich über goldgelb und flüssig bis cremig weiß und fest reichen die Varianten in Farbe und Konsistenz.

Um ein 500-Gramm-Glas Honig zu füllen, fliegen die Bienen angeblich eine Strecke, die dreimal um die Erde reicht. Dabei sammeln sie Nektar von geschätzten 1,5 Millionen Blüten. Auch von Blattläusen produzierter Honigtau oder Sekrete der Pflanze wandern in die Honigblase der Biene. Schon beim Aufnehmen mischt die Biene eigene Enzyme hinzu; weitere chemische Veränderungen finden in ihrer Honigblase statt, ehe sie die Beute in den Waben im Bienenstock einlagert. Dort mischt das Bienenvolk der süßen Mischung weitere Substanzen bei und reduziert den Wassergehalt. Schließlich reift die eigentlich für die Aufzucht der Bienen gedachte Mischung heran, bis der Imker den Honig aus den Waben schleudert.

Mehr als Zucker

Analytisch betrachtet besteht Honig zu 80 Prozent aus Fructose und Glucose. Die restlichen 20 Prozent sind Wasser. Zudem lassen sich rund 120 verschiedene Stoffe nachweisen, deren Wirkung die Wissenschaft erst allmählich vollständig aufklärt. Darunter befinden sich unterschiedliche organische Säuren wie Äpfel-, Glucon- oder Zitronensäure, Aminosäuren, einige Enzyme, Mineralstoffe wie Calcium, Eisen und Kalium sowie Spuren der Vitamine B1, B2 und C. Nicht zuletzt enthält Honig bioaktive Substanzen, zum Beispiel Flavonoide, denen die Medizin immer mehr Beachtung schenkt. Diese antioxidativen Substanzen fangen im Körper freie Radikale ab und beugen so Zellschäden vor. Einige Flavonoide wirken zudem entzündungshemmend gegen Bakterien und Viren. In einer kleinen Untersuchung über acht Wochen wiesen Forscher nach, dass der regelmäßige Verzehr von mindestens zwei Esslöffeln Honig den Immunstatus positiv beeinflussen kann.

Wirksam gegen Keime

Als weitere antibakteriell und entzündungshemmend wirkende Inhaltsstoffe enthält Honig Hydroxybenzoate sowie Wasserstoffperoxid. In der Summe bezeichnen Experten diese als Inhibine, das heißt so viel wie hemmende Stoffe. Wasserstoffperoxid entsteht ständig in kleinen Mengen aus dem enthaltenen Zucker und dem Enzym Glucose-Oxidase, das die Bienen ihrer Beute während des Sammelns zusetzen. Antibakteriell wirkt Honig auch durch seinen hohen Zuckergehalt. Der Zucker entzieht den Bakterien Wasser und unterbindet so ihre Vermehrung.

Warnung vor Clostridien

Vor ihrem ersten Geburtstag dürfen Säuglinge vorsichtshalber noch keinen Honig bekommen, denn es besteht die Gefahr, dass über die Biene Sporen des Botulismus-Erregers (Clostridium botulinum) in den Honig gelangen. In der unausgereiften Darmflora der Säuglinge können die Sporen zu Keimen heranwachsen und sich vermehren, Gifte produzieren und zu lebensbedrohlichen Muskel­lähmungen mit Atemstillstand führen. Erst mit zunehmendem Alter bildet sich eine abwehrstarke Darmflora aus und dem Honiggenuss oder einer Honig-Hustentherapie steht nichts im Wege.

Ganz besonders wirksam gegen Keime scheint Manuka-Honig zu sein. Er stammt überwiegend aus Blütenpollen der neuseeländischen Manuka-Pflanze, die zu den Teebaumgewächsen zählt. Forscher der Technischen Universität Dresden wiesen in Manuka-Honig eine besonders hohe Konzentration an Methylglyoxal nach, das bereits in relativ geringen Konzentrationen das Wachstum von Bakterien hemmt. Während handelsüblicher Honig nur rund 3 bis 5 Milligramm Methylglyoxal pro Kilogramm enthält, überraschte der Manuka-Honig mit Werten von 300 bis über 700 Milligramm pro Kilogramm. Woher das Methylglyoxal stammt, müssen die Forscher noch klären, ebenso, warum nur bestimmte Manuka-Honige teilweise extrem hohe Konzentrationen an Methylglyoxal enthalten.

Hilfe für hustende Kinder

Aufgrund seiner besonderen Inhaltsstoffe eignet sich Honig zur Linderung von Husten bei Kindern. Er schmeckt gut, beruhigt die Schleimhäute und lindert insbesondere den Hustenreiz, der für kleine Kinder besonders quälend ist. US-amerikanische Wissenschaftler fanden sogar heraus, dass Honig dem Wirkstoff Dextromethorphan deutlich überlegen ist. Für die Studie wurden 105 hustende Kinder und Jugendliche in der Nacht beobachtet. Sie bekamen entweder Honig, ein Hustenmittel oder keine Behandlung. Die Eltern berichteten, dass nach der Einnahme von Honig weniger Hustenattacken auftraten und ihr Nachwuchs besser schlafen konnte. Präparate mit Dextromethorphan erwiesen sich als weniger wirksam. Für Kinder unter sechs Jahren sind Hustenmittel aufgrund möglicher Nebenwirkungen ohnehin nicht empfehlenswert. Honig dagegen bessert bei Kindern die Beschwerden ohne schädliche Begleiterscheinungen.

Forscher aus Israel bestätigten, dass sich sowohl die Stärke des Hustens als auch die Hustenfrequenz bei einer Gabe von 10 Gramm Honig deutlich verringerten. 200 Kinder mit Husten und Schnupfen bekamen im Rahmen einer Studie vor dem Schlafengehen entweder einen Teelöffel Eukalyptushonig, Zitronenblütenhonig oder Honig der Lippenblütler Thymian, Melisse oder Salbei. Alle drei Sorten reduzierten die Erkältungssymptome. Neben den beschriebenen antioxidativen und antimikrobiellen Eigenschaften wirkt Honig vermutlich auch direkt hustenstillend. Und so verwundert es nicht, dass die Weltgesundheitsorganisation WHO Honig zur Linderung bei Husten offiziell empfiehlt. Wenn ein Kind dennoch länger als eine Woche ohne Besserung hustet oder wenn zusätzlich Fieber, Hals- oder Ohrenschmerzen auftreten, sollten die Eltern mit ihm einen Kinderarzt aufsuchen.

Tipps für den Einkauf

Entscheidend für die Qualität eines Honigs ist seine schonende Behandlung von der Schleuderung bis zur Abfüllung. Dabei sollte eine Temperatur von 40 °C nicht überschritten werden, um die wirksamen Inhaltsstoffe zu schonen. Der Deutsche Imkerbund und die deutschen Anbauverbände des ökologischen Landbaus schreiben dies in ihren Richtlinien vor. Verbraucher erkennen nicht wärmegeschädigten Honig an der grünen Banderole des Imkerbundes sowie den Siegeln der deutschen Bioverbände wie Bioland, Naturland, Demeter und andere. Ein weiterer Vorteil von Bio-Honig ist, dass die Bienenhäuser nur an unbedenklichen Standorten ohne nennenswerten Schadstoffeintrag aufgestellt werden dürfen.

Nicht zu heiß

Heiße Milch mit Honig ist der Klassiker unter den Hausmitteln und schmeckt den meisten Kindern gut. Der Honig sollte heißen Getränken aber erst nach dem Abkühlen auf etwa 40 Grad Celsius zugegeben werden. Bei höheren Temperaturen besteht die Gefahr, dass die hitzelabilen Stoffe ihre Wirksamkeit einbüßen. Dass Milch die Atemwege zusätzlich verschleimt, ist ein Mythos, der sich wissenschaftlich nicht belegen lässt. Vielmehr kann Milch bei trockenen oder gereizten Schleimhäuten den Hustenreiz gut lindern, da sie den Rachen etwas »schmiert«.

Sitzt der Husten richtig fest, erleichtern mit Honig gesüßte Kräutertees aus Spitzwegerich, Huflattich und Thymian das Abhusten. Eine kleine Menge Honig kann der kleine Patient auch direkt lutschen. Dabei sollen die Säuren des Honigs direkt im Mund schon antibiotisch wirken und Reizhusten beruhigen. Allerdings erhöht diese Art der Anwendung das Kariesrisiko, die Eltern sollten daher besonderen Wert auf die Zahnhygiene legen.

Eine Anwendung aus der Naturheilkunde ist mit Honig gesüßter Rettichsaft, der ebenfalls antibiotisch wirkende sekundäre Pflanzenstoffe enthält. Dazu wird in einen ausgehöhlten Rettich Honig gefüllt und einige Stunden stehen gelassen. Danach geben die Eltern dem kleinen Patienten den gebildeten Saft löffelweise. Zwiebelsud mit Honig hilft ebenfalls, den Husten zu lösen. /

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