PTA-Forum online
Liebe ist die beste Medizin

Zeit für Wärme

11.10.2013  11:54 Uhr

Von Annette Behr / Besonders in der kalten Jahreszeit machen Bakterien und Viren kleinen und großen Kindern zu schaffen. Neben Medikamenten helfen bewährte Hausmittel gegen Schlappheit, triefende Nasen und Husten. Aber besonders gemeinsame Zeit mit Eltern und Großeltern sowie liebevolle Zuwendung sind heilsam.

»Jetzt aber raus an die frische Luft!« Diesen Satz habe ich in meiner Kindheit sehr oft zu hören bekommen. Nicht nur wenn wir Kinder nervten, auch weil meine Oma und meine Eltern wussten, wie wichtig ausreichend Bewegung für ein gutes Immunsystem und die Gesundheit ist. Wenn die Sonne schien und wir die Zeit beim Spielen vergaßen, hatten wir selbst im Herbst oder Winter kaum Lust, wieder ins Haus zu kommen. Selbst bei Schmuddelwetter fuhren wir draußen mit dem Rad umher oder tobten auf dem Spielplatz. Computer und Internet gab es noch nicht. Fernsehen durften wir erst am Abend und dann immer nur für kurze Zeit. Da fanden wir unsere Umgebung viel spannender. Nicht nur einmal vergaßen wir, wie spät es geworden war. Und mit der Dämmerung wurde es schon mal recht kalt. Dann ereilte uns doch schließlich bibbernd die Sehnsucht nach zu Hause.

Möglicherweise lag es an meinen vielen Außenaktivitäten, dass ich selten krank war. »Jeder Erwachsene ist zwei- bis viermal pro Jahr erkältet. Bei Kindern gelten sogar bis zu zwölf grippale Infekte noch als normal«, las ich in einer Familienzeitschrift. Erkältungen beziehungsweise grippale Infekte sind in den meisten Fällen harmlos. Binnen einer Woche sollten sie überwunden sein. Bei mir dauert eine Erkältung zum Glück im Schnitt nur drei Tage. Sie kündigt sich an durch eine triefende Nase, Mattheit und Kopf- und Gliederschmerzen. An die Zeiten, in denen ich als Kind etwas kränklich war, erinnere ich mich heute allerdings recht gerne. Denn dann war Kuschelzeit und liebevolle Pflege angesagt.

Schlaf und eine gute Suppe

Angelehnt an ihren Lieblingssatz: »Wärme ist das Allerbeste«, bereitete meine Oma erst einmal ein Wannenbad vor. Ich habe noch heute den Geruch von Fichtennadeln in der Nase. Besonders in der nasskalten Jahreszeit wirkt ein Wannenbad manchmal schon Wunder. Durchgefroren von draußen wirkt das Bad wohlig entspannend und die Welt sieht gleich ganz anders aus. Erkältungsbäder und spezielle Wind- und Wetterbäder eignen sich besonders. Ätherisches Fichtennadelöl unterstützt die Durchblutung der Haut und durchwärmt in Verbindung mit dem angenehm temperierten Badewasser intensiv den gesamten Körper. Enthaltene Pflanzenöle, zum Beispiel Jojobaöl, pflegt die Haut gleichzeitig sanft. Außerdem beruhigen die Düfte die Atemwege. Ist der Infekt nicht so stark, freuen sich viele Kinder auch über ein gemeinsames Wannenbad. Wenn Mutter oder Vater dann noch zusätzlich eine Geschichte erzählt, ist das eine liebevolle Abwechslung und lenkt ab.

Nach dem wohligen Bad wurden wir Kinder mit unserem Lieblingsbadetuch abgetrocknet. Der Schlafanzug lag schon auf der Heizung, während meine Mutter uns mit einem Öl einrieb. Außer­dem durften wir, wenn wir krank waren, stundenlang Märchen- und Hörspielkassetten hören. Während meine Mutter oder meine Oma eine leckere Gemüsesuppe kochte, lag ich mit »Schniefnase« im Bett und lauschte den Geschichten von Hanni und Nanni.

Lavendelwickel gegen Stress und Husten

Zehnprozentiges Lavendelöl (etwa 5 bis 10 Tropfen) auf ein dünnes Tuch träufeln. Das Tuch erwärmen, straff um den Brustkorb legen und mit einem Außentuch, Flanelltuch oder Wollschal, befestigen. Über Nacht wirken lassen.

Zitronenhalswickel bei Halsschmerzen

Den Saft einer ungespritzten Zitrone mit circa 1/8 Liter lauwarmem Wasser verdünnen. Der Wickel soll kühl, aber nicht kalt sein. Ein Tuch in das Zitronenwasser tauchen, auswringen, dieses Tuch von vorne, unter Aussparung der Wirbelsäule, auf den Hals legen und mit einem Wollschal um den ganzen Hals befestigen. Den Wickel abnehmen, sobald er warm wird.

»Warm halten« ist auch ein Ratschlag der anthroposophischen Medizin, um den Wärmehaushalt des Körpers zu stabilisieren beziehungsweise die Durchblutung anzuregen. Der eindeutige Favorit meine Tochter ist Lavendelöl. Dieses wirkt zusätzlich beruhigend und schlaffördernd. Nach dem Bad schlüpft sie in den warmen Bademantel oder den Schlafanzug und zieht die gestrickten Socken von Tante Luise an. Dieses bewährte Ritual allein erzeugt ein derartig behagliches Gefühl, dass es ihr gleich schon wieder viel besser geht. Wartet noch das frische Bett, steht der Genesung nichts mehr im Wege.

Zu solchen Gelegenheiten ist noch heute die gute alte Wärmflasche meine liebste Bettgenossin. Unsere Familie besitzt mittlerweile eine sechsteilige Kollektion an warmen Überzügen. Schön gestrickt, in den jeweiligen Lieblingsfarben. Da ich nachts immer für eine gute Lüftung und kühle Schlafräume sorge, nehme ich gerne einmal eine kuschelige Wärmflasche mit ins Bett.

Trinken, trinken, trinken

Vorbeugend und erst recht, wenn die Erkältungsviren zugeschlagen haben, sollte jeder möglichst viel Flüssigkeit aufnehmen. Denn durch das starke Schwitzen verliert der Körper Flüssigkeit. Trinken unterstützt außerdem das Abfließen des Schnupfens. Besonders geeignet sind Kräutertees mit antibakteriellen ätherischen Öle, beispielsweise Pfefferminze und Thymian. Die Schleimhäute sollten stets gut befeuchtet werden, da sie dann ihre Schutzfunktion aufrecht halten können und nicht austrocknen. Elixiere aus Sanddorn oder Schlehe sind schmackhafte und empfehlenswerte Getränke. Ich erinnere mich noch an den Holundersirup, den meine Oma im Sommer zubereitete und im Winter bei Bedarf mit heißem Wasser aufgoss. Uns Kindern servierte sie ihn nach kalten Nachmittagen abends und natürlich bei Erkältungen.

Wickeln wirkt

Das Hausmittel aus Großmutters Zeiten, der Wickel, feiert nicht nur in der anthroposophischen Medizin sein Comeback. Viele Eltern schwören auf Bewährtes aus der eigenen Kindheit. Ein Wickel wirkt nicht nur aufgrund der jeweils verwendeten Substanz, sondern auch über die körperliche Zuwendung beim Wickeln selbst. Berührung beschleunigt ganz eindeutig den Heilungsprozess. Welches Kind freut sich nicht darüber, wenn die oftmals viel beschäftigten Eltern sich einmal intensiv Zeit nehmen? Je nach angewandter Technik und Dauer der Einwirkzeit haben Wickel recht unterschiedliche Effekte. So können sie Wärme entziehen, zuführen oder die Durchblutung steigern. Wickel wirken nicht nur äußerlich auf die Haut, sondern beeinflussen auch Stoffwechselprozesse, das Immunsystem und die Psyche.

Ingwer-Nierenwickel regen beispielsweise die innere Wärmebildung an, während Leberwickel entgiften. Und Zwiebelwickel helfen besonders gut bei Ohrenschmerzen. Auch meine Tochter hatte eine gewisse Disposition, bei einer Erkältung schnell Ohrenschmerzen zu bekommen. Dann fertigte ich kleine Zwiebelsäckchen an (Zubereitung siehe Mittelohrentzündung: Antibiotikum oder Zwiebelsäckchen). Der Zwiebelgeruch ist zwar meist nicht sonderlich beliebt, gewirkt haben die Zwiebelsäckchen aber trotzdem ganz wunderbar! Auch sind Zwiebeln ja generell in fast jedem Haushalt vorrätig, also schnell einsatzbereit, denn häufig erkranken Kinder ausgerechnet am Wochenende. Mit viel Schlaf und liebevoller Pflege geht eine Erkältung häufig so schnell vorbei, wie sie gekommen ist. Dann heißt es bald wieder: »Raus an die frische Luft!« /

E-Mail-Adresse der Verfasserin
blaubehr(at)gmx.net