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Folgeschäden

Experten fordern nationalen Plan

08.10.2014
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Von Stephanie Schersch, Berlin / In Deutschland gibt es bislang keine nationale Strategie gegen Diabetes. Dabei fordern Experten seit Jahren einen solchen Aktionsplan. Er soll auch dabei helfen, die mitunter dramatischen Folgeschäden zu umgehen.

Politiker erhalten in der Regel recht viel Post. Bei Bundesgesundheitsminister Hermann Gröhe (CDU) dürften in diesen Tagen reichlich bunte E-Cards darunter sein. Mit ein paar Klicks im Internet kann jeder ganz einfach eine elektronische Karte an den Minister schicken, die auf die Probleme mit Diabetes in Deutschland aufmerksam machen soll. Hinter der Aktion steht die Organisation DiabetesDE, die mit der Arbeit des Ministers bislang nicht wirklich zufrieden ist. Mehr als sieben Millionen Menschen leben hierzulande mit Diabetes. In der Politik spiele das Thema dennoch eine untergeordnete Rolle, sagte der Bündnisvorsitzende Professor Dr. Thomas Danne Mitte September in Berlin.

In 17 EU-Ländern gibt es bereits na­tionale Diabetespläne, um die Strategien gegen die Krankheit zu bündeln. Auch die Weltgesundheitsorganisation WHO, die europäische Union und die Vereinten Nationen empfehlen, den Kampf gegen Diabetes gezielt zu koordinieren. In Deutschland tun sich Politiker dennoch seit Jahren schwer damit. 2013 hatten Ärzte und Betroffene daher die Kampagne »Diabetes stoppen – jetzt« ins Leben gerufen. »Diabetes muss endlich aus dem Schattendasein herauskommen«, so Danne.

Diabetesplan gefordert

Erste Erfolge gab es bereits im Sommer. Der Bundesrat hatte die Regierung über eine sogenannte Entschließung dazu aufgefordert, einen nationalen Diabetesplan zu erstellen. Zwar ist die Forderung für die Koalition nicht bindend. Der Vorstoß sei dennoch »ein Meilenstein«, sagte Danne. Zugleich kritisierte er allerdings, die Länder befassten sich in ihrem Antrag lediglich mit Diabetes Typ 2. Die Herausforderungen seien jedoch auch beim Typ-1-Diabetes nicht minder groß.

Welche dramatischen Auswirkungen beide Formen der Erkrankung nehmen können, verdeutlichte Professor Dr. Thomas Haak vom Diabetes Zentrum Mergentheim. So kommt es häufig zu Folgeschäden an der Niere. Bereits heute seien mehr als die Hälfte der Menschen, die auf maschinelle oder Bauchfelldialyse angewiesen seien, Dia­betiker. Rund 300 000 Patienten hätten zudem mit Fußproblemen zu kämpfen. Ursache sind in der Regel Durchblutungsstörungen oder Nervenschäden. »Aus einer kleinen Wunde kann dann schnell eine Katastrophe werden«, so Haak. 40 000 Amputationen im Jahr sind die Folge. Weitere 2000 Menschen erblinden aufgrund einer diabetischen Retinopathie.

Zu solch schwerwiegenden Problemen kommt es meist, wenn Diabetiker schlecht eingestellt sind und ihren Blutzuckerspiegel nicht in den Griff bekommen. Viele Komplikationen ließen sich verhindern, würden die Patienten besser betreut, sagte Danne. Ein Diabetesplan soll daher auch die Versorgungsstrukturen verbessern. Noch immer gebe es in Deutschland Regionen, in denen Diabetiker schlechter versorgt seien als in anderen Gebieten, sagte auch Dr. Erhard Siegel, Präsident der Deutschen Diabetes Gesellschaft. »Das darf nicht sein.«

Zudem müssten besonders bei Diabetes viele Berufsgruppen interdisziplinär zusammenarbeiten. Häufig komme es jedoch zu Schnittstellenproblemen etwa bei der Kommunikation zwischen Haus- und Facharzt. Kurzfristige und regionale Lösungen könnten da nur bedingt weiterhelfen. »Wir brauchen verpflichtende bundesweite Regelungen«, forderte Siegel. /

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