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Perspektivpapier

Klares Votum für das Medikationsmanagement

08.10.2014
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Von Daniel Rücker / Die Arbeit in den Apotheken wird sich in den kommenden Jahren deutlich ­verändern. Mit der Annahme des Perspektivpapiers 2030 haben die Apotheker die Weichen für eine stärker am Patienten orientierte Pharmazie gestellt. Chronisch Kranke wie Diabetiker oder ­Rheumatiker werden davon besonders deutlich profitieren.

Zwölf Monate sind vergangen, seitdem ABDA-Vizepräsident Mathias Arnold beim Deutschen Apothekertag in Düsseldorf einen ersten Entwurf des Leitbildes für die öffentliche Apotheke vorgestellt hatte. In der Folgezeit beschäftigten sich die Standesvertreter der Apothekerschaft und rund 4000 Apotheker, Pharmazeuten im Praktikum und Studenten mit dem Entwurf.

Neben guten Ideen gab es vor allem zu Beginn des Prozesses einige Kritik und viele gute Ideen. Beim Deutschen Apothekertag im September in München fand dann der Showdown statt. Mit deutlicher Mehrheit nahmen die Delegierten des Apothekertags das in Perspektivpapier 2030 umbenannte Werk an. Lediglich fünf Delegierte hatten dagegen gestimmt, zwölf hatten sich enthalten. Damit ist der Weg, den die Apotheker in den nächsten Jahren gehen werden, vorgezeichnet. Das wird auch Konsequenzen für PTA haben. Zwar ist die wichtigste Neuerung, das Medikationsmanagement, in erster Linie eine apothekerliche Aufgabe, rund um dieses Angebot herum wird sich aber auch die Arbeit der PTA verändern.

Schritt in die Zukunft

Für ABDA-Präsident Friedemann Schmidt ist das klare Votum für das Perspektivpapier eine Art Befreiungsschlag der Apotheker. Mit der Leitbilddebatte des vergangenen Jahres habe die Apothekerschaft einen wichtigen Schritt in die richtige Richtung gemacht, sagte der ABDA-Präsident in München. Schmidt sieht in der Annahme des Perspektivpapiers ein klares Bekenntnis der Apotheker zur Arbeit im heilberuflichen Netzwerk und zur Weiterentwicklung der Aus-, Fort- und Weiterbildung. Hierbei müsse vor allem die klinische Pharmazie einen deutlich höheren Stellenwert bekommen. Diese Disziplin der Pharmazie sei unverzichtbar für die Begleitung der Therapie und für das Medikationsmanagement, sagte der ABDA-Präsident. Seiner Überzeugung nach sind diese neuen Dienstleistungen die Zukunftssicherung der öffentlichen Apotheken.

Bis sich die Inhalte des Leitbildes in der Arbeit in den öffentlichen Apotheken niederschlagen werden, dürfte noch einige Zeit vergehen. Zwar konnten einige Apotheken in dem Modellprojekt ARMIN (Arzneimittelinitiative Sachsen- Thüringen), dem ehemaligen ABDA-KBV-Modell, und weiteren regionalen Projekten bereits nützliche Erfahrungen für die Einführung des gemeinsamen Medikationsmanagements von Apothekern und Ärzten sammeln. Ein flächendeckendes Angebot liegt aber noch in weiter Ferne. Nicht umsonst trägt das Perspektivpapier als Namenszusatz das Jahr 2030.

Für ihr zukunftsweisendes Konzept bekamen die Apotheker in München viel Lob. So brach Bundesgesundheitsminister Hermann Gröhe in einem Grußwort beim Apothekertag eine Lanze für die öffentliche Apotheke. Außerdem kündigte er an, mit einem auf der elektronischen Gesundheitskarte abgespeicherten Medikationsplan die Apotheker beim Medikationsmanagement zu unterstützen. Auch die SPD-Bundestagsabgeordnete Sabine Dittmar, die bayerische Landesgesundheitsministerin Melanie Huml und Linken-Gesundheitsexpertin Kathrin Vogler lobten das Engagement der Apotheker.

Interaktionen vermeiden

Auch Professor Gerd Glaeske sieht einen großen Bedarf für patientenorientierte Dienstleistungen der Apotheker. Mindestens 5 Prozent der Krankenhauseinweisungen gingen auf Wechselwirkungen verschiedener Medikamente zurück, sagte Glaeske. Diese Zahl ließe sich über ein flächendeckendes Medikationsmanagement senken. Selbst der ehemalige Vorsitzende der Kassenärztlichen Bundesvereinigung, Andreas Köhler, fand in München nach anfänglicher Skepsis positive Worte für das Medikationsmanagement in öffentlichen Apotheken. Das Perspektivpapier könne der Aufbruch in ein partnerschaftliches Verhältnis zwischen Apothekern und Ärzten werden. Er habe in der Diskussion erstmals verstanden, was die Apotheker genau wollten, sagte er.

Initiiert wurde das Projekt vornehmlich von den Apothekenleitern. Auf positive Resonanz stößt es aber auch bei den Apothekenmitarbeitern. »Mit der Verabschiedung des Perspektivpapiers für die Apotheke 2030 ist der Apothekerschaft ein großer Schritt in Richtung Zukunft gelungen«, schreibt Ellen Oetterer, Landesvorsitzende Westfalen-Lippe der Apothekengewerkschaft Adexa in der Pharmazeutischen Zeitung. Das Ja zu neuen Aufgaben und Kompetenzen bedeute auch, das ganze Apothekenteam in diese Aufgabe einzubinden und entsprechend zu qualifizieren. Diese Erkenntnis müsse sich aber noch stärker in den Köpfen durchsetzen.

Kenntnisse notwendig

Die Qualifizierung der Apothekenleiter und -mitarbeiter ist auch für ABDA-Präsident Schmidt und Glaeske eine wichtige Aufgabe. Glaeske setzt dabei auf abgestufte Kompetenz. Bestimmte Dienstleistungen dürften nur dann angeboten und auch vergütet werden, wenn in der Apotheke die entsprechenden Kenntnisse vorhanden sind, sagte der Apotheker und Gesundheitsökonom. Schmidt machte sich Sorgen darüber, inwieweit ältere Apotheker sich die für das Medikationsmanagement notwendigen Kenntnisse aneignen könnten. Klar sei, dass Medikationsmanagement Kenntnisse voraussetze, die nicht alle Apotheker erfüllen könnten. Bei diesem Thema müsse der Berufsstand sehr sensibel agieren. Am Ende überwog bei allen Diskutanten allerdings deutlich die Freude über das bislang Erreichte. Gleichzeitig gab sich aber niemand der Hoffnung hin, auf dem Weg zum Medikationsmanagement sei die größte Strecke zurückgelegt. Tatsächlich, so die einhellige Meinung, stehe den Apothekern der schwierigste Teil noch bevor. Das sah auch ABDA-Vizepräsident Mathias Arnold so: »Vor uns liegt nun eine Menge Arbeit.« Sie wird noch schwieriger werden als bislang. /