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Diät

Low-Carb schlägt Low Fat

08.10.2014
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Von Diana Haß / Wer abnehmen möchte, kann zwischen einer Vielzahl von Diäten wählen. Die Frage ist nur: Welches Prinzip wirkt am besten? Während Experten lange auf Fettreduktion ­geschworen ­haben, scheint eine neue Studie zu ­belegen: Wer Kohlenhydrate reduziert, kann langfristig leichter über­flüssige Kilos loswerden.

Wer ist heimtückischer – und lässt Hüftgold und Bauchspeck schneller wachsen? Über die Frage, ob eher ein Zuviel an Fett verantwortlich ist, wenn Menschen übergewichtig sind, oder ob doch eher eine große Menge Kohlenhydrate den Body-Mass-Index (BMI) in die Höhe treibt, streiten sich Forscher seit langem. Dabei wird die Frage nach einer wirksamen Diät immer drängender, denn in den Industrienationen steigt die Zahl der Übergewichtigen ständig. Eine aktuelle Studie belegt: Jeder zweite Erwachsene in Deutschland ist inzwischen zu dick. Schaut man in die USA, sind die Zahlen noch dramatischer. Der Welternährungsbericht der Vereinten Nationen stuft rund 30 Prozent der US-Amerikaner als adipös ein. Das heißt, ihr BMI liegt über 30.

Dick trotz wenig Fett

Tatsache ist aber auch, dass gerade in den USA seit Jahrzehnten fettreduzierte Light-Lebensmittel die Supermarktregale erobert haben. Der Verzicht auf Fett gilt dort vielen als der sicherste Weg zur Wunschfigur. Mit der paradoxen Konsequenz: Die Amerikaner werden trotz immer mehr Light-Lebensmitteln immer dicker. Der Verdacht liegt also nahe, dass sie ihren Fettverzicht mit Zucker oder anderen simplen Kohlenhydraten kompensieren.

Mediziner und Ernährungswissenschaftler um Dr. Lydia Bazzano von der Tulane University in New Orleans haben nun mit einer Studie Diäten, die auf weniger Fett setzen, mit solchen verglichen, bei denen der tägliche Konsum von Kohlenhydraten reduziert wird, also Low-Fat im wissenschaftlichen Vergleich mit Low-Carb. Das Ergebnis vorneweg: Low-Carb hat eindeutig die Nase vorn. Sowohl beim tatsächlichen Gewichtsverlust als auch beim positiven Effekt auf das Herz.

Die Studie

Studienteilnehmer waren 148 stark übergewichtige Frauen und Männer, alle mit einem BMI über 35. Auswahlkriterium war zudem, dass die Probanden bisher noch keine akuten Herz-Kreis­lauf­erkrankungen, Nierenerkrankungen oder Diabetes Typ 2 hatten. Die Wissenschaftler teilten die Teilnehmer nach dem Zufallsprinzip in eine Low-Carb-Gruppe und eine Low-Fat-Gruppe. In der Low-Fat-Gruppe galt die Regel, dass sich die Teilnehmer fettarm ernähren sollten. Sie sollten den Fettanteil ihrer täglichen Nahrung auf 30 Prozent beschränken. Weitere Regel: Höchstens 7 Prozent der täglichen Energiezufuhr durften aus gesättigten Fettsäuren – wie sie beispielsweise in Butter oder Fast-Food enthalten sind – stammen.

Die Teilnehmer der Low-Carb-Gruppe hingegen durften Fett nach Herzenslust verspeisen. Ihre einzige Auflage war eine extrem kohlenhydratarme Kost. Die sehr strikte Vorgabe – von der die meisten Probanden allerdings im Laufe der Zeit nach oben abwichen – hieß: Sie dürfen nicht mehr als 40 Gramm Kohlenhydrate täglich verzehren. Ballaststoffe, wie sie in Obst, Gemüse und Getreide vorkommen, waren ausgenommen. Die Folge: Nudeln, Brot, Gebäck, Kartoffeln oder Reis waren für die Low-Carb-Gruppe weitgehend tabu. Auch Bananen, Trockenfrüchte, Fertiggerichte, Fastfood oder Süßigkeiten waren wegen ihres hohen Anteils an Kohlenhydraten gestrichen. Stattdessen standen auf ihrem Einkaufszettel in der Regel reichlich Fleisch, Fisch, Milchprodukte, Salat, Gemüse oder Eier. Weil gewohnte Beilagen wie Kartoffeln oder Nudeln zu den Mahlzeiten oft wegfielen, lag es für die Studienteilnehmer nahe, eine Reihe neuer Rezepte auszuprobieren. Ein leichtes, schließlich finden sich Low-Carb-Rezepte zuhauf im Internet und in Ernährungsratgebern. Wieviel Kalorien die Teilnehmer beider Gruppen täglich insgesamt zu sich nehmen durften, hatten die Wissenschaftler nicht festgelegt, sondern jedem selbst überlassen.

Durchhalten fällt leicht

Ein erstaunlich großer Teil der Probanden beider Gruppen blieb während der einjährigen Studie bei der Stange. Die Durchhaltequote lag bei 80 Prozent. Während der Studie wurden die Teilnehmer intensiv begleitet. Sie erhielten Schulungen zum Thema Ernährung und trafen sich regelmäßig mit Beratern zu Gruppen- oder Einzelsitzungen. Ihr Bewegungsverhalten änderten die Studienteilnehmer nicht. Neben ihrem Gewicht wurde auch ihr körperliches und seelisches Befinden kontrolliert. Dabei gab es keine signifikanten Unterschiede zwischen den Gruppen. Störungen wie Kopfschmerzen, Durchfälle, Verstopfung oder Müdigkeit kamen in beiden Gruppen gleichermaßen selten vor. Bemerkenswert ist das auch deshalb, weil australische Wissenschaftler 2009 nach einer vergleichenden Studie von extrem kohlenhydratreduzierter Diät und einer Low-Fat-Diät zu dem Schluss kamen, dass eine Low-Carb-Ernährung tendenziell eher »schlechte Laune« verursache.

Am Ende der Studie war das Ergebnis auf der Waage eindeutig: Wer sich nach der Low-Carb-Diät ernährt hatte, hatte durchschnittlich fast dreimal so viel abgenommen wie die Low-Fat-Probanden. Durchschnittlich 1,8 Kilogramm Körpergewicht weniger brachten die Fettabstinenzler auf die Waage. Bei denjenigen, die sich bei Kohlenhydraten zurückgehalten hatten, betrug der Gewichtsverlust durchschnittlich 5,3 Kilo.

Mehr Magermasse

Und: Die Low-Carbler hatten noch weitere Pluspunkte gesammelt. Nicht nur die Fettmasse war bei ihnen infolge von weniger Kohlenhydraten in der Nahrung geschrumpft: Auch die so genannte Magermasse – Muskeln, Bindegewebe und Knochen – hatte sich bei ihnen erhöht. Bei der Low-Fat-Gruppe hingegen gab es diesen Effekt nicht. Hinzu kam ein weiterer positiver Effekt bei den Cholesterinwerten. Bei der Low-Carb-Gruppe war – im Gegensatz zur Low-Fat-Gruppe – der Anteil von gefäßschützendem HDL-Cholesterin deutlich gestiegen. Auch der Wert für C-reaktives Protein sowie der Triglyceridwert gingen bei denjenigen, die sich nach dem Low-Carb-Prinzip ernährt hatten, deutlich zurück. Das heißt: Die Risikowerte für eine Herz-Kreislauf- Erkrankung waren bei der Low-Carb-Gruppe deutlich geringer. Das ist insbesondere deshalb bemerkenswert, weil eine kohlenhydratreduzierte Diät lange im Verdacht stand, Herz-Kreislauf-Erkrankungen zu begünstigen.

Das Low-Carb-Prinzip

steckt unter anderem hinter ­folgenden populären Diäten:

Dr. Atkins, South Beach, Logi

Auf dem Low-Fat Prinzip basieren bekannte Diäten wie: Low Fat 30, Gute Laune Diät, Pfundskur

Gespaltene Lager

Während die Verfechter von Low-Carb-Diäten die Ergebnisse der Studie feiern, sollte sie jene, die auf Low-Fat setzen, nicht vollständig demotivieren. Denn unbestritten ist, dass längst nicht jede Diät-Form bei jedem gleich wirkt. Persönliche Vorlieben und Essgewohnheiten spielen eine wichtige Rolle, wenn es darum geht, eine Diät langfristig durchzuhalten. Eine Diät muss zur Person, die sie macht, passen. So werden die verschiedenen Diät-Prinzipien erhalten bleiben – und sicher noch einige klangvolle Namen von Diäten, die sich am Prinzip Low-Carb oder Low-Fat orientieren, dazukommen. Bazzano, die Leiterin der aktuellen Studie, warnte übrigens in einer Mitteilung der Tulane Universität: »Das Studienergebnis ist kein Freibrief, sich jetzt auf Butter zu stürzen. Es zeigt aber, dass Diäten mit einem hohen Fettanteil, die sich auf gesunde Fette stützen, gesund sein können und beim Abnehmen helfen können.« /