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Techniker Krankenkasse

Medikationsgespräche für Diabetiker

08.10.2014
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Von Daniel Rücker / Der Deutsche Apothekerverband (DAV) hat im Frühjahr mit der Techniker Krankenkasse (TK) eine Vereinbarung über Medikationsgespräche für Diabetiker getroffen. Ziel ist es, die oftmals schlechte Compliance bei Typ-2-Diabetikern zu verbessern. DAV-Vorsitzender Fritz Becker und TK-Chef Thomas Ballast versprachen sich in einem PZ-Interview vor einigen Wochen viel von dem Projekt.

Den Ablauf eines Medikationsgesprächs erklärt der DAV-Vorsitzende Becker wie folgt: »Der Arzneimittelcoach der TK spricht die versicherten Diabetiker an und empfiehlt ihnen ein Medikationsgespräch in ihrer Stamm­apotheke. Der TK-Coach informiert dann die entsprechende Apotheke, dass der Patient demnächst zu diesem Gespräch in die Apotheke kommt.« Dort wird er individuell beraten. Ein Apotheker informiert ihn über die Notwendigkeit der korrekten Arzneimitteleinnahme und motiviert ihn so, die Therapie durchzuhalten, auch wenn er keine offensichtlichen Symptome hat. So soll das Fortschreiten der Krankheit aufgehalten oder zumindest verlangsamt werden. Neben einer besseren Therapietreue hilft die Beratung zudem, die Sicherheit der Patienten zu erhöhen. »Durch die Medikationsgespräche kommt es zu weniger unerwünschten Arzneimittelwirkungen« sagt TK-Chef Ballast.

Therapie verbessern

Für die TK ist diese Form der Complianceförderung nicht neu. »Seit Mitte 2013 bieten wir unseren Versicherten ein telefonisches Arzneimittelcoaching mit dem Ziel, die Arzneimitteltherapie bei chronisch Kranken zu verbessern«, sagt Ballast. Seit 2014 sind auch die Apotheker dabei. Für Ballast ist das ein großer Gewinn. Macht die Stammapotheke mit, steigt auch der langfristige Nutzen des Arzneimittelcoachings.

Zwei Termine

Für jeden Patienten sind zwei Gespräche vorgesehen. Das erste Gespräch dauert 30 Minuten, das zweite 15 Minuten. Basis für das Medikationsgespräch sind die Leitlinien der Bundesapothekerkammer. Eine spezielle Fortbildung für diese Aufgabe ist nicht notwendig. Nach der Beratung fasst der Apotheker die wichtigsten Punkte des Gesprächs für den Patienten zusammen. Der kann sie dann bei Bedarf mit seinem Arzt besprechen. Laut Ballast könnten rund 10 000 TK-Versicherte an dem Programm teilnehmen. Bei einer Ausdehnung auf weitere Indikationen könnten sogar noch deutlich mehr Menschen von dem Medikationsgespräch profitieren. »Wir rechnen mit rund 50 000 Patienten«, sagt Ballast.

Die Medikationsgespräche sind sinnvoll, verpflichtend sind sie für die TK-Versicherten aber nicht. Auch die Apotheker haben die Wahl. Becker: »Jedem Apotheker steht die Teilnahme an dem DAV-TK-Vertrag frei. Es gibt keinen Zwang. Ich kann mir aber nicht vorstellen, dass ein Apotheker seinem Stammpatienten diese Dienstleistung verweigert.« Und schließlich gibt es auch ein Honorar – 30 Euro für das erste Gespräch und 20 Euro für das zweite.

Weitere Kooperationen geplant

Becker sieht in dem Vertrag mit der TK eine gute Basis für neue Dienstleistungen in den Apotheken: »Die TK ist eine große, bundesweit agierende Kasse, die sehr innovationsfreudig ist. Wir glauben an eine langfristige Zusammenarbeit. Die Medikationsgespräche zu Diabetes sind nur der Anfang. Wir reden bereits darüber, für die Indikationen chronisch obstruktive Lungenerkrankung und Herz-Kreislauf-Erkrankungen ähnliche Programme aufzulegen.« Die Zusammenarbeit mit der TK sei eine gute Möglichkeit für Apotheken, an Versorgungsverträgen beteiligt zu werden. Eine weitere Indikation, die sich für ein solches Arzneimittelcoaching anbietet, ist Rheuma. Hierüber hatten Becker und Ballast bereits im Sommer gesprochen. Mit dem Berufsverband der Rheumatologen hat die Kasse bereits einen Vertrag geschlossen. Auch hier sind Medikationsgespräche geplant. Grundsätzlich kann sich auch DAV-Chef Becker die Zusammenarbeit mit den Medizinern vorstellen: »Es ist immer gut, wenn Ärzte und Apotheker miteinander reden.«

Der Vertrag zwischen der TK und dem DAV ist nicht befristet. Nach der Evaluation der Ergebnisse wird sich zeigen, welchen Nutzen die Medikationsgespräche für die Patienten haben. /