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Schwangerschaftsdiabetes

Zuckerstoffwechsel in Not

08.10.2014
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Von Verena Arzbach / Frauen mit einem Gestationsdiabetes erkranken nach der Schwangerschaft häufiger an Typ-2-Diabetes. Wichtig ist eine rechtzeitige Diagnose der Stoffwechselstörung, denn mit ausreichend Bewegung und gesunder Ernährung sinken die Blutzuckerwerte ohne Behandlung bei einem Großteil der Betroffenen wieder.

In Deutschland betrifft ein Schwangerschaftsdiabetes, auch Gestationsdiabetes genannt, rund 4 bis 5 Prozent aller werdenden Mütter. Meist entwickelt sich die Erkrankung unbemerkt in der zweiten Hälfte der Schwangerschaft. Die Ursache der Stoffwechselstörung ist eine hormonelle Veränderung, die durch die Schwangerschaft hervorgerufen wird. Das Hormon Insulin wirkt nun nicht mehr so effektiv wie zuvor. Die meisten Schwangeren können dies kompensieren, indem ihre Bauchspeicheldrüse mehr Insulin bildet. Bei einigen Frauen funktioniert dieser Mechanismus jedoch nicht: Sie können die Hormonproduktion nicht steigern, sodass die Körperzellen nicht ausreichend Zucker aus dem Blut aufnehmen können. Die Folge ist eine Insulinresistenz und ein Anstieg des Blutzuckerspiegels.

Ein Gestationsdiabetes erhöht das Risiko, dass die Mutter nach der Geburt dauerhaft an Typ-2-Diabetes erkrankt. Beim Baby kann die Störung des Zuckerstoffwechsels zu übermäßigem Wachstum, einem hohen Geburtsgewicht und damit zu Komplikationen bei der Geburt führen. All diese Probleme lassen sich aber meist verhindern, wenn ein Arzt die Stoffwechselstörung rechtzeitig diagnostiziert.

Screening für Schwangere

Daher wird allen Frauen, unabhängig von ihrem individuellen Risiko, empfohlen, sich zwischen der 24. und 28. Schwangerschaftswoche auf einen Schwangerschaftsdiabetes testen zu lassen. Den Test führt in der Regel der Frauenarzt durch, er wird von der Krankenkasse bezahlt. Bei dem sogenannten Screeningtest trinkt die Schwangere nüchtern 200 ml Wasser mit 50 g Glucose. Nach einer Stunde wird ihr Blutzuckerspiegel bestimmt. Ist das Testergebnis auffällig, folgt ein oraler Glucosetoleranztest (oGTT), ein Zuckerbelastungstest. Dabei bestimmt der Arzt mit einer Blutprobe den Nüchternblutzucker, anschließend trinkt die Schwangere ein Glas Wasser mit 75 g Glucose. Nach jeweils einer und nach zwei Stunden bestimmt der Arzt den Blutzuckerspiegel erneut.

Experten der Weltgesundheitsorganisation (WHO), der Deutschen Diabetes Gesellschaft (DDG) und der Deutschen Gesellschaft für Gynäkologie und Geburtshilfe (DGGG) unterstützen jedoch ein anderes Vorgehen: Alle Frauen sollten nach Meinung der Fachgesellschaften zwischen der 24. und 28. Schwangerschaftswoche mittels oGGT getestet werden. Der seit 2012 laut Mutterschaftsrichtlinie vorgeschaltete Suchtest solle entfallen. Es sei fraglich, ob dieser Suchtest zuverlässig ist und Frauen mit isoliert erhöhtem Nüchtern-Blutzucker erfasst, heißt es in einer Pressemitteilung der DGGG. Mit dem Suchtest werde womöglich ein zweistelliger Prozentsatz an erkrankten Frauen übersehen.

Ernährung und Bewegung

Risikofaktoren für das Entstehen der Stoffwechselstörung sind das Alter der Mutter (über 45), eine genetische Vorbelastung sowie Übergewicht und Bewegungsmangel. Die letzten beiden Faktoren kann die Schwangere dabei durchaus beeinflussen: Mit der richtigen Ernährung und ausreichend Bewegung kann sie der Entstehung eines Gestationsdiabetes vorbeugen. So sollte die werdende Mutter nicht übermäßig viel, sondern nur dann essen, wenn sie wirklich Hunger hat. Das Motto »für zwei essen« gilt längst als überholt.

Hat der Arzt bereits erhöhte Blutzuckerwerte festgestellt, raten Diabetologen, möglichst viele Vollkornprodukte, Gemüse und hin und wieder etwas Obst zu essen. Mehrere kleine Mahlzeiten am Tag sind besser als drei große, um starke Schwankungen des Blutzuckerspiegels zu vermeiden. Auf stark zuckerhaltige Getränke wie Cola oder Saft sollten Schwangere möglichst verzichten. Kaffee und Tee hingegen wirken in Maßen positiv auf den Blutzucker. Ein moderater Kaffeekonsum von zwei bis drei Tassen täglich schadet dem Baby Experten zufolge nicht.

Frauenärzte raten Schwangeren weiter, sich nicht übermäßig zu schonen. Sie können ihre normale Aktivität durchaus beibehalten oder – falls sie übergewichtig sind – nach Rücksprache mit dem Arzt gegebenenfalls auch steigern. In der Schwangerschaft eignen sich besonders Sportarten, die Bänder und Gelenke schonen, beispielsweise Spazieren gehen oder Schwimmen.

Schwangerschaftsdiabetes vorbeugen

  • Nur essen, wenn man wirklich Hunger hat; nicht für Zwei essen
  • Viele Vollkornprodukte und Gemüse essen, Obst in Maßen (zu viel kann aufgrund des Zucker­gehalts die Insulinresistenz fördern)
  • Möglichst auf zuckerhaltige Getränke verzichten
  • Kaffee – nicht mehr als zwei bis drei Tassen täglich – wirkt positiv auf den Blutzuckerspiegel
  • Ausreichend bewegen; geeignet sind gelenkschonende Sportarten, zum Beispiel Schwimmen

In rund 80 Prozent der Fälle sinken die Blutzuckerwerte wieder in den Normbereich, wenn sich die werdende Mutter gesund ernährt und genug bewegt. Ist das aber nicht der Fall, muss die Schwangere Insulin spritzen, denn orale Antidiabetika sind in der Schwangerschaft nicht zugelassen.

Stillen verbessert Glucose-Toleranz

Etwa ein Drittel der betroffenen Frauen leidet auch nach der Schwangerschaft weiter unter einer Stoffwechselstörung. Stillen hat dabei offenbar einen positiven Einfluss, da es die Glucose-Toleranz der Mutter verbessern kann. Einer Studie zufolge hatten Frauen, die mehr als drei Monate gestillt hatten, anschließend das niedrigste Risiko, nach einem Gestationsdiabetes auch an Typ-2-Diabetes zu erkranken. /