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Adenosin als Allergie-Verstärker

24.07.2015  11:19 Uhr

Von Elke Wolf / Das Beifußblättrige Traubenkraut, besser bekannt unter der Bezeichnung Ambrosia, ist eine der stärksten allergieauslösenden Pflanzen. Nur fünf bis zehn Ambrosia-Pollen pro Kubikmeter Luft reichen, um allergische Beschwerden wie Asthma auszulösen.

Wissenschaftler aus München haben jetzt herausgefunden, was die Pflanze so allergen macht: Es ist nicht allein das bisher bekannte Hauptallergen Amb a 1, sondern seine Kombination mit dem ebenfalls im Pollen vorliegenden Adenosin.

Ein Wissenschaftlerteam der Technischen Universität München und des Helmholtz Zentrums München untersuchte diese allergischen Effekte jetzt erstmals in einem von ihnen etablierten experimentellen Krankheitsmodell. Dabei verabreichten sie den Teilnehmern elf Tage lang intranasal unterschiedliche Bestandteile des Pollens: entweder den gesamten Pollenextrakt, das isolierte Protein Amb a 1 oder eine proteinfreie Frak­tion des Pollenextrakts. Anschließend untersuchten die Forscher die Lungen auf entzündliche Merkmale, unter anderem auf das Vorhandensein spezieller Immunzellen im Gewebe.

Aus der Tatsache, dass lediglich der Gesamtextrakt allergisch wirkte, leiteten die Forscher die Vermutung ab, dass eine andere Substanz neben Amb a 1 für die Wirkung des Pollens verantwortlich ist. Dabei hatten die Forscher Adenosin im Blick, eine Substanz, die sowohl in hoher Konzentration in Birken- als auch in Ambrosia-Pollen nachgewiesen werden konnte. Um diese Hypothese zu testen, entfernten sie Adenosin aus dem gesamten Pollenextrakt und verabreichten das Gemisch nochmals. Das Ergebnis: Die Entzündungszeichen waren nur noch sehr gering. Gaben die Wissenschaftler Adenosin isoliert, beobachteten sie ebenfalls keine deutliche allergische Reaktion in der Lunge.

Wie genau Adenosin Allergien verstärkt, ist derzeit noch nicht bekannt. Aber offensichtlich bindet das Pollen­adenosin an die körpereigenen Rezeptoren und kann in Kombination mit anderen Stoffen Allergien auslösen. Experimentelle Studien zeigen bereits, dass sogenannte Adenosin-Rezeptor-Antagonisten als Medikamente gegen Asthma helfen können. /

Quelle: TU München und Helmholtz Zentrum München