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Uzara

Wurzelkraft gegen Durchfall

24.07.2015
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Von Gerhard Gensthaler / Die Stammpflanze der Uzara-Wurzel wurde durch Zufall in Südafrika entdeckt und hat anschließend weltweit ihren Siegeszug angetreten. Sie ist bewährt als mildes Mittel zur Behandlung von Durchfallerkrankungen und erfreut sich in Deutschland bis heute großer Beliebtheit.

Auf einer Forschungsreise nach Süd­afrika Anfang des 20. Jahrhunderts erkrankte der ehemalige deutsche Soldat Wilhelm Heinrich Adolf Hopf (1887–1929) massiv an Durchfall. Gegen seine heftigen Beschwerden ließ sich Hopf von einem Medizinmann mit einer Wurzel namens Uzara behandeln.

Von dem Erfolg begeistert nahm er Xysmalobium undulatum (L.) R. Braun 1909 mit nach Deutschland. Dort veranlasste Hopf intensive Überprüfungen der mitgebrachten Pflanze an der Universität Marburg. Nach langen Untersuchungen durch August Gürber (1864–1937), Professor für Pharmako­logie, wurde im Jahr 1911 ein Trocken­extrakt aus der Wurzel in die Therapie von Durchfallerkrankungen eingeführt. Noch im selben Jahr veröffentlichte Gürber hierzu in der Münchner Medi­zinischen Wochenschrift den Artikel »Über Uzara, ein neues organotrop wirkendes Antidiarrhoicum«. Ebenfalls im Jahr 1911 wurde in Melsungen die Uzara-Gesellschaft gegründet, die die Vermarktung im großen Stil übernahm.

Ein Schatz aus Südafrika

Xysmalobium undulatum ist eine mehrjährige Staudenpflanze aus der Familie der Apocynaceae. Sie wächst mit aufrechtem Stengel bis zu einem Meter hoch. Ihre lanzettförmigen, ledrigen Blätter sind 7 bis 15 cm lang und kreuzgegenständig angeordnet. Beim Anschneiden der Pflanze fließt aus der Schnitt­stelle reichlich weißlicher Milchsaft. Uzara bildet doldenförmige Blütenstände mit bis zu zwölf beige-grüngelben Blüten. Die fleischigen Kronblätter sind am Rand dicht behaart. Daraus reifen bis zu 7 cm lange borstige Balgkapseln heran, die bis zu 300 dunkelbraune Samen enthalten. Der Wind verbreitet diese Samen weit, da die Behaarung wie ein Fallschirm wirkt.

Uzara stammt aus Südafrika, genauer gesagt aus Transvaal nördlich von Pretoria. Die Zulu nennen die Pflanze ishongwe, die Franzosen und Italiener einfach nur Uzara, im Englischen heißt sie neben Uzara auch Milk bush und Wild Cotton.

Alle Versuche, die Arzneipflanze in Deutschland zu kultivieren, schlugen fehl. Daher wird Uzara bis heute vor Ort in Plantagen angebaut. So werden auch die natürlichen Vorkommen geschützt. Nach der Aussaat im Oktober bis November lässt man die Pflanze im ersten Jahr bis zur Blüte wachsen und sammelt die Fruchtkapseln ein, um Samen für die nächste Aussaat zu gewinnen. Danach werden die Felder abgemäht. Im nächsten Jahr treibt die Pflanze wieder aus. Die als Arzneidroge genutzte Wurzel wird meist im zweiten oft sogar erst im dritten Jahr im Mai geerntet. Sie wird zerkleinert und an der Luft getrocknet (Uzarae radix). Die Droge besteht daher aus den getrockneten, unterirdischen Teilen zwei- bis dreijähriger Pflanzen.

Hemmend, nicht lähmend

In Südafrika wird Uzara als wichtige Droge seit jeher gegen Durchfall und Koliken sowie als harntreibendes Mittel bei Ödemen eingesetzt. Zu den weiteren traditionellen Anwendungen zählen Magenkrämpfe, Kopf- und Menstruationsschmerzen. In der Traditionellen Medizin wird die pulverisierte Wurzel bei Kopfschmerzen geschnupft oder direkt auf Wunden und Abszesse aufgetragen.

Mit Digitalis verwandt

Xysmalobium undulatum enthält herzwirksame Steroidglykoside, sogenannte Cardenolid-Glykoside, mit den Hauptwirkstoffen Uzarin und Xysmalorin und noch zusätzlich Gerbstoffe und Flavonoide. Die Cardenolide sind hauptsächlich an D-Glucose gebunden und chemisch mit den Digitalis-Glykosiden verwandt. Ähnlich einem indirekten Sympathomimetikum hemmt der Hauptwirkstoff Uzarin die Bewegungen der glatten Muskulatur des Dünndarms und reduziert damit die Häufigkeit des Stuhlgangs. Dennoch bleibt dessen notwendige entgiftende Ausscheidungsfunktion erhalten. Auch wird die Darmflora nachweislich geschont und der Wasserverlust vermindert, sodass der Stuhl fester wird. Zudem ergänzen krampflösende und brechreizlindernde Effekte optimal das Wirkspektrum der Droge. Zusätzlich wird die Dauer der Erkrankung verkürzt.

Die Angaben zur Wirksamkeit beruhen auf traditionellen Erfahrungen und pharmakologischen Untersuchungen, wobei Placebo-kontrollierte klinische Studien noch fehlen.

Dosierung einhalten

Zur therapeutischen Verwendung der Droge beziehungsweise des Wurzel­extrakts bei unspezifischen akuten Durchfallerkrankungen hat die ehemalige Kommission E beim Bundes­gesundheitsamt eine positive Monographie formuliert. Die angebotenen Präparate enthalten entweder Wasser-Alkohol-Extrakte der Wurzeldroge oder einen Trockenextrakt wie in Dragees. Alle Präparate sind auf einen bestimmten Glykosidgehalt eingestellt.

Dabei müssen die Anwender die angegebenen Maximaldosen unbedingt einhalten. Erwachsene nehmen als einmalige Eingangsdosis am ersten Tag 1 g Wurzelpulver (entsprechend 75 mg Gesamtglykosid) in etwa drei bis sechs Portionen über den Tag verteilt. Danach sollte die Tagesdosis 45 bis 80 mg Gesamtglykosid betragen und ebenfalls in drei bis sechs Portionen über den Tag verteilt eingenommen werden. Bei Kindern reicht eine Tagesdosis mit 15 bis 30 mg Gesamtglykosid aus.

Wegen seiner Herzglykoside beeinflusst Uzara auch das Herz. Denn als herzwirksames Glykosid hemmt Uzarin die Na+/K+-ATPase der Herzmuskel­zellen und ist wichtig für die Muskelkontraktion des Herzens. Eine gefähr­liche Wirkung ist jedoch erst bei höheren Dosen von über 90 mg Gesamtglykoside pro Tag zu erwarten. Außerdem werden die Glykoside im Magen-Darmtrakt schwer resorbiert, sodass bei oraler Anwendung die Herzwirkung nur sehr gering ist.

Wechselwirkung beachten

Wegen der Ähnlichkeit mit den Herzglykosiden Digoxin oder Digitoxin können höhere Dosen an Uzara die Wirkung von Digitalis-Präparaten unkontrolliert verstärken. Daher empfiehlt sich, solche Präparate nicht miteinander zu kombinieren. Da die Unbedenklichkeit von Uzara in der Schwangerschaft nicht geprüft ist, sollten Schwangere und Stillende kein Uzara einnehmen.

Ans Trinken denken

Von einer Selbstmedikation ist abzuraten, wenn der Durchfall bereits länger als drei bis vier Tage anhält, sich Blut im Stuhl zeigt und die Temperatur deutlich ansteigt. Dann sollte unbedingt ein Arzt die weitere Behandlung übernehmen. Durchfälle bei Säuglingen und Kleinkindern sollte grundsätzlich ein Arzt behandeln.

Nicht zu vergessen: Da bei Durchfällen größere Flüssigkeitsmengen verloren gehen, ist der Ersatz von Flüssigkeit und Salzen sehr wichtig. Hier bieten sich gebrauchsfertige Lösungen an oder, wenn diese nicht verfügbar sind, Mischungen aus Salzen, Vitaminen und Zucker, die leicht in Wasser aufgelöst werden können. /

Uzara muss nach wie vor in Südafrika angebaut und die Wurzeln von dort importiert werden, in Europa ist jede Kultivierung gescheitert.