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Arzneipflanzenporträt

Engelwurz

Echte Engelwurz, Angelica archangelica
Familie der Doldengewächse (Apiaceae)
Weitere Namen: Zahnwurz, Brustwurz, Heiligenbitter, Heiliggeistwurzel, Giftwurz, Glückenwurzel
Annette Immel-Sehr
30.07.2018
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Merkmale

  • krautige, meist zweijährige Staude, bis zu 2 m hoch, etwa 5 cm dicker, rübenförmiger Wurzelstock mit gelblichem Milchsaft und zahlreichen, bis zu 30 cm langen, dünnen (Adventiv-)Wurzeln
  • dicker, hohler, fein gerillter und nach oben verzweigter Stängel; zwei- bis dreifach gefiederte, bis 90 cm große Blätter mit breiter, sackartig aufgeblasener Blattscheide
  • zahlreiche, schwach grünliche Blüten in sehr großen, halbkugelförmigen Doppeldolden
  • Blütezeit Juni bis August; 5 bis 8 mm lange, blassgelbliche Früchte, die in jeweils zwei Teilfrüchte zerfallen

Heimat

  • gemäßigte Zonen Europas und Asiens
  • Droge stammt vorwiegend aus Kulturen in Thüringen, Polen und Holland

Arzneilich verwendete Pflanzenteile

  • getrocknete unterirdische Teile, bestehend aus dem Wurzelstock und den Wurzeln (Angelici radix)

Inhaltsstoffe

  • ätherisches Öl mit Mono- und Sesquiterpenen
  • Furocumarine und prenylierte Cumarine
  • verschiedene Phenolcarbonsäuren und Fettsäuren
  • Saccharose

Anerkannte medizinische Anwendung

  • dyspeptische Beschwerden wie leichte Magen-Darm-Krämpfe, Völlegefühl, Blähungen, Appetitlosigkeit

Empfohlene Dosierung

  • Teeaufguss: 2 bis 3 mal täglich eine Tasse Angelikawurzeltee trinken
  • zur Appetitanregung jeweils eine halbe Stunde vor den Mahlzeiten, bei Verdauungsbeschwerden nach den Mahlzeiten trinken
  • Tages­dosis: 4,5 g Droge.

Nebenwirkungen

  • Die in Angelikawurzel enthaltenen Furocumarine können die Haut lichtempfindlicher machen und bei UV-Bestrahlung zu photo­toxischen Reaktionen führen.

Wechselwirkungen

  • keine bekannt

Zubereitung

  • 1,5 g fein geschnittene oder grob pulverisierte Angelika­wurzel mit circa 150 ml kochendem Wasser übergießen, nach 10 bis 15 Minuten abseihen
  • alternativ: mit kaltem Wasser ansetzen und kurz aufkochen

Abgabehinweise

  • wegen möglicher fototoxischer Reaktionen an der Haut auf längere Sonnenbäder und intensive UV-Bestrahlung verzichten.
  • sinnvoll mit anderen Drogen wie Tausendgüldenkraut, Wermutkraut und Schafgarbenkraut (Magentees) oder mit Kümmel und Fenchel (Magen-Darm-Tees) zu kombinieren
  • Für die Anwendung bei Schwangeren, Stillenden sowie Kindern und Jugendlichen liegen keine Untersuchungen zur Unbedenklichkeit vor.

Ein Gläschen zur Verdauung

  • Im Mittelalter bauten zahlreiche Klöster, vor allem die der Benediktiner und später auch die der Kartäuser, die Pflanze in großem Umfang an. Der Wurzelextrakt ist ein wichtiger Bestandteil von Magen- und Bitterlikören wie Bénédictine und Chartreuse.
  • Im Erzgebirge hat die Nutzung der Engelwurz eine lange Tradition, in dem kleinen Dorf Bockau schon seit über 500 Jahren. Hier wurde die Angelika-Pflanze bis 1989 feldmäßig angebaut und zu Tinkturen, Essenzen, Pillen und Likör verarbeitet. In Bockau hat auch die Erzgebirg­ische Destillerie und Liqueurmanufaktur GmbH ihren Sitz, der einzige Hersteller von reinem Angelika-Likör in Deutschland.

Beispiele für Kombipräparate

  • Bitterstern Kräuterbitter
  • Carvomin®
  • Gasteo®
  • Gastritol® Liquid
  • Iberogast®
  • Klosterfrau Melissengeist