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IVOM

Kurzer Eingriff, große Wirkung

30.07.2018  15:48 Uhr

Von Brigitte M. Gensthaler / Im Gespräch mit PTA-Forum erklärt Dr. Tina Herold, Expertin für diabetische Netzhauterkrankungen an der Universitätsaugenklinik München, das Procedere einer ­intravitrealen operativen Medikamentengabe (IVOM) und warum der Patient keine Angst vor der Spritze ins Auge haben muss.

PTA-Forum: Wie läuft eine IVOM genau ab?

Herold: Prinzipiell wird jeder Patient vor jeder IVOM nochmal kurz untersucht und von einem Arzt aufgeklärt. Hierbei beantworten wir natürlich auch alle offenen Fragen seitens des Patienten. Dann wird er im Vorbereich des Operationssaals auf den Eingriff vorbereitet, und das Auge wird mit ­Augentropfen örtlich betäubt. Die IVOM selbst erfolgt im OP-Saal unter sterilen Bedingungen; dabei liegt der Patient auf einer Liege. Zunächst wird das Auge äußerlich desinfiziert und in den Lidumschlagfalten gespült. Dann legen wir dem Patienten ein steriles leichtes Tuch locker über den Kopf, das nur den Bereich um das Auge offenlässt. Das zu behandelnde Auge wird mit einer kleinen Lidsperre offen gehalten und das Medikament im seitlichen Augenbereich injiziert. An der Universitätsaugenklinik München verwenden wir alle drei VEGF-Inhibitoren und ­beide Corticosteroide.

PTA-Forum: Ist das Verfahren schmerzhaft?

Herold: Nein. Insgesamt ist die Prozedur aufgrund der lokalen Betäubung des Auges sehr gut tolerabel. Es kann allerdings sein, dass bei der Injektion des Medikaments ein kurzer Druck spürbar ist. In der Regel braucht der ­Patient keine sedierenden Medikamente, er ist also wach während des ­Eingriffs. Der gesamte Ablauf im OP-Saal dauert nur fünf bis zehn Minuten.

PTA-Forum: Wie oft muss der ­Patient für die Behandlung in die Augen­klinik kommen?

Herold: Dies hängt in erster Linie vom gespritzten Arzneimittel ab. Bei VEGF-Antikörpern erfolgt die Kontrolle und gegebenenfalls auch Wiederbehandlung im Rhythmus von vier bis sechs Wochen. Das gilt vor allem für das erste Jahr. Ab dem zweiten Jahr ändern sich möglicherweise die Spritzenintervalle, aber die Kontrolltermine bleiben bestehen. Wenn Corticosteroide verwendet werden, sind die Kontroll-, aber vor ­allem die Therapieintervalle etwas ­länger.

PTA-Forum: Wie bereitet sich der Patient auf die Injektion vor?

Herold: Dafür ist keine besondere Vorbereitung nötig.

PTA-Forum: Was muss er danach ­beachten – sind Lesen, Autofahren, Sonnenlicht oder Wassersport erlaubt?

Herold: Am Tag der Injektion sollte der Patient nicht Auto fahren und keine sehr anstrengenden Aktivitäten oder Sport machen. Unproblematisch sind Lesen oder Spazierengehen, auch bei Sonnenlicht. In der Klinik decken wir das Auge mit einem leichten Augenschutz ab, den der Patient später einfach wegnimmt. Augentropfen als Infektionsschutz sind nach dem Eingriff standardmäßig nicht notwendig.

PTA-Forum: Welche Komplikationen sind möglich?

Herold: Häufig sieht der Patient vorüber­gehend verschwommen oder bemerkt herumschwebende Trübungen. Es kommt auch vor, dass er das Medikament oder das Implantat selbst wahrnimmt. Extrem selten ist eine Infektion des Augeninneren, da die IVOM unter standardisierten Bedingungen in einem sterilen OP-Saal vorgenommen wird. Generell sollte der Patient bei ungewöhnlich starken Schmerzen oder Sehminderung nach einer IVOM aber umgehend einen Augenarzt aufsuchen.

PTA-Forum: Wie lange hält der ­Erfolg an?

Herold: Das hängt maßgeblich von der Art des Medikaments ab: bei VEGF-­Antikörpern vier bis sechs Wochen, bei Steroiden länger. Beim diabetischen ­Makulaödem streben wir eine Stabilisierung der Erkrankung in den Folgejahren an. Daher ist die intensive Behandlung zu Krankheitsbeginn sehr wichtig. Leider kommen immer noch Menschen so spät zur Therapie, dass die Sehschärfe kaum noch verbessert werden kann. Unser Ziel ist es, die Krankheit auf einem hohen Niveau, also bei guter Seh­schärfe, zu stabilisieren. /