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Entzündungsmarker

Aussagekraft sehr unterschiedlich

Ganz verschiedene Erkrankungen und Ereignisse können im Körper eine Entzündungsreaktion hervor­rufen, beispielsweise Infektionen, Verletzungen, Operationen, rheumatische Erkrankungen und Tumore. Dabei verändert sich eine Reihe von Parametern, die im Blut nachweisbar sind. Indem der Arzt verschiedene Entzündungsmarker bestimmt, kann er den Verlauf der Entzündung und somit den Erfolg einer Therapie gut beurteilen.
Peter Findeisen
23.10.2013  19:42 Uhr

Die wichtigsten Parameter bei der Blutdiagnostik von Entzündungsreaktionen sind die Blutkörperchen-Senkungsgeschwindigkeit (BSG), das C-reaktive Protein (CRP), Procalcitonin (PCT) und die Zahl der Leukozyten.

Wie der Name bereits sagt, gibt die Senkungsgeschwindigkeit der Blutkörperchen an, wie schnell Erythrozyten in einem Röhrchen mit geringem Durchmesser nach unten sinken. Diese Bestimmung ist der einfachste und am längsten bekannte Test. Die BSG wird nach einer Stunde abgelesen und in Millimetern angegeben. Die Geschwindigkeit, mit der die Blutzellen sedimentieren, hängt von der Viskosität des Blutplasmas ab. Die BSG ist bei Entzündungsreaktionen in der Regel erhöht. Aber auch die Form der Blutzellen hat Einfluss auf die Geschwindigkeit, mit der sie absinken. So steigt die BSG auch bei bestimmten Formen der Blutarmut (Anämie). Eine erhöhte Senkungsgeschwindigkeit der Blutkörperchen kann neben einer Entzündung noch andere Ursachen haben. Daher ist es in nicht möglich, allein aufgrund des BSG-Wertes auf das Vorliegen oder die Art einer Erkrankung zu schließen. Der Wert eignet sich auch nur begrenzt zur Verlaufskontrolle bei bekannten entzündlichen Erkrankungen. Denn dieser Parameter normalisiert sich erst langsam über mehrere Tage, wenn die Therapie schon längst angeschlagen hat. Wenn die BSG normal ist und keine anderen Infektionszeichen auftreten, ist eine Entzündung im Körper allerdings mit hoher Wahrscheinlichkeit ausgeschlossen.

Das C-reaktive Protein spielt bei der Erregerabwehr eine wichtige Rolle. Es wird in der Leber gebildet und bei Infektionen schon in einem sehr frühen Stadium in großen Mengen in das Blut abgegeben. CRP bindet an einige Bakterienarten, sodass diese dann leichter durch das Immunsystem eliminiert werden. Auch bei der Wundheilung spielt es eine wichtige Rolle, um abgestorbene Zellen »abzuräumen«. Die CRP-Bestimmung ermöglicht es, eine Entzündung schon sehr früh zu entdecken und sofort zu therapieren. Bei erfolgreicher Behandlung sinkt dieser Entzündungsmarker sehr schnell ab. Ärzte nutzen die CRP-Bestimmung daher zur Therapiekontrolle.

So belegen beispielsweise sinkende CRP-Konzentrationen den Erfolg einer Antibiotikumtherapie. Im Gegensatz dazu zeigt ein dauerhaft erhöhter CRP-Wert, dass ein gewähltes Antibiotikum dem Patienten nicht hilft. Der Arzt wird dann auf ein anderes Medikament ausweichen. Die CRP-Konzentration verändert sich typischerweise sehr stark: So kann der Wert über das 100-fache der Norm ansteigen. Die Höhe des Maximalwertes hängt dabei vom Schweregrad der Entzündungsreaktion ab. Bei bakteriellen Infektionen steigt das CRP in der Regel deutlich stärker an als bei viralen Infekten.

Herz-Kreislauf-Risiko erfassen

Chronische systemische Entzündungen wie rheumatoide Erkrankungen oder eine Arterienverkalkung (Atherosklerose) erhöhen das CRP im Blut oft nur in sehr geringem Ausmaß. Diese Veränderungen können mit einer normalen CRP-Messung kaum erfasst werden. Unter anderem für diese Fälle wurde die hochsensitive Analysemethode (hs-CRP-Assay) entwickelt, mit der sich auch kleine Schwankungen im niedrigen Konzentrationsbereich sicher messen lassen. Wenn der hs-CRP-Wert chronisch erhöht ist, deutet dies auf eine Gefäßerkrankung hin. Entsprechend steigt das Risiko für Schlaganfall, Angina pectoris, Herzinfarkt oder plötzlichen Herztod. Bei hs-CRP-Werten unter 1 mg/l ist dieses Risiko gering, im Bereich von 1 bis 3 mg/l mäßig, bei 3 bis 10 mg/l hoch. Liegt der hs-CRP-Wert über 10 mg/l, liegt eine akute Entzündung im Körper vor und der Wert ist nicht mehr aussagekräftig bezüglich des Herz-Kreislauf-Risikos. Der hs-CRP-Assay sollte deswegen nur dann durchgeführt werden, wenn zum Zeitpunkt der Blutentnahme keine akuten Entzündungen durch Infektionen oder Verletzungen, zum Beispiel durch einen Unfall oder eine Operation, vorliegen.

Marker der Intensiv­medizin

Procalcitonin ist die Vorstufe des körpereigenen Hormons Calcitonin, das in der Schilddrüse gebildet wird. Normalerweise ist PCT kaum oder gar nicht im Blut nachweisbar. Erst bei bakteriellen, nicht aber bei viralen Infektionen steigt es schnell und deutlich an. Somit gibt er dem Therapeuten einen Hinweis, ob er ein Antibiotikum oder ein Virusta­tikum einsetzen muss. Unter erfolgreicher Antibiose fällt der PCT-Wert schnell ab, sodass er auch für die Therapiesteuerung bei schweren bakteriellen Infektionen wie einer Blutvergiftung (Sepsis) eingesetzt wird.