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Organ des Verdauungstrakts

Die Gallenblase

Die Gallenflüssigkeit spielt bei der Fettverdauung eine wichtige Rolle. Ihr Aufbewahrungsbehältnis, die Gallenblase, ist hingegen nicht unbedingt erforderlich. Deswegen wird sie bei Beschwerden meist entfernt. Zu den häufigsten Erkrankungen zählt das Gallensteinleiden, das sich mit sehr schmerzhaften Koliken bemerkbar machen kann.
Marion Hofmann-Aßmus
23.10.2013  19:22 Uhr

Das Organ, das umgangssprachlich meist kurz und knapp als »Galle« bezeichnet wird, heißt korrekt Gallenblase (Vesica fellea). Es ist ein Hohlorgan, das im rechten Oberbauch, an der Unterseite der Leber, in der Gallenblasengrube liegt. Die Gallenblase kann zwischen 30 und 60 Milliliter der von der Leber gebildeten Gallenflüssigkeit aufnehmen. Diese wird in der Gallenblase eingedickt, konzentriert und bis zur nächsten Mahlzeit gespeichert.

Das birnenförmige Säckchen ist etwa 8 Zentimeter lang und rund 4 Zentimeter breit und an seiner Ober- und Hinterseite mit der Leber verwachsen. Grundsätzlich werden drei Bereiche der Gallenblase unterschieden: der Gallenblasengrund, der Gallenblasenkörper und der Gallenblasenhals. Letzterer verjüngt sich immer mehr und geht in den Gallenblasengang über.

Innen kleidet Schleimhaut die gesamte Gallenblase aus. Ihre kleinen Ausstülpungen erleichtern das Eindicken der Gallenflüssigkeit. Zudem sondert die Schleimhaut geringe Mengen Schleim ab, um die Gallenblase vor den aggressiven Inhaltsstoffen der Gallenflüssigkeit zu schützen. Wichtig für die Funktion der Gallenblase ist die unter der Schleimhaut liegende Muskelschicht. Sie zieht sich nach einer Mahlzeit zusammen und drückt den Inhalt der Gallenblase in den Darm.

Von der Leber zum Darm

Täglich produzieren die Leberzellen bis zu 1 Liter Gallenflüssigkeit. Diese fließt von den vielen kleinen Lebergängen, welche die Zellen umgeben, in zwei größere Gänge: den rechten und den linken Gallengang. Beide vereinigen sich zu einem gemeinsamen Lebergallengang (Ductus hepaticus communis), der die Leber verlässt. Nach nur wenigen Zentimetern zweigt der Gallenblasengang (Ductus cysticus) ab, der zugleich die Ein- und Austrittspforte der Gallenblase und somit für die Gallenflüssigkeit bildet. Nach dieser Abzweigung zieht der Lebergallengang als großer Gallengang (Ductus choledochus) weiter, vereint sich mit dem aus der Bauchspeicheldrüse kommenden Gang (Ductus pancreaticus) und mündet schließlich in den Zwölffingerdarm.

Vielfältige Aufgaben

Die primäre Aufgabe der Gallenflüssigkeit besteht darin, die im Speisebrei enthaltenen, größeren Fetttröpfchen im Zwölffingerdarm zu emulgieren, ­damit sie für die abbauenden Enzyme leichter zugänglich werden. Dies ist auch für die spätere Aufnahme der ­Fette und anderer wasserunlöslicher Nahrungs­bestandteile wichtig.

Zudem neutralisiert die alkalische Gallenflüssigkeit den nach der Magenpassage sauren Speisebrei und schützt so die empfindliche Darmschleimhaut vor der Säure. Die Gallenflüssigkeit befördert auch unverwertbare Stoffwechselprodukte aus der Leber in den Darm, wo sie schließlich ausgeschieden werden.

Ihre gelbgrüne Färbung erhält die Gallenflüssigkeit durch Biliverdin und Bilirubin, das grüne beziehungsweise rote Abbauprodukt des Blutfarbstoffs Hämoglobin. Ansonsten enthält die Flüssigkeit Wasser, Gallensäuren, Gallensalze, Mineralsalze, Cholesterol und Schleim. Die für die Fettverdauung wichtigen Gallensalze werden im Darm nicht ausgeschieden, sondern zurückresorbiert und wieder in die Leber befördert. Dieser Recycling-Kreislauf erfolgt mehrmals täglich, sodass die Leber nur einen geringen Prozentsatz der Gallensalze neu synthetisieren muss.

Gallensteine sind weit verbreitet: In Deutschland sind 15 bis 20 Prozent der Bevölkerung betroffen, Frauen etwa doppelt so häufig wie Männer. Insgesamt steigt die Wahrscheinlichkeit mit dem Alter. Allerdings verursachen Gallensteine nicht zwangsläufig Probleme. Bei fast zwei Dritteln der Betroffenen treten überhaupt keine Beschwerden auf. Diese sogenannten »stummen Gallensteine« bleiben meist unbemerkt, beziehungsweise werden nur zufällig bei einer Untersuchung entdeckt. Bei einem Drittel der Gallensteinträger verursachen die Steine Koliken. Dann verspüren die Betroffenen heftigste Schmerzen im rechten Oberbauch, oft begleitet von Übelkeit und Erbrechen, Aufstoßen, Blähungen und Völlegefühl. Meist dauert eine Kolik 15 bis 30 Minuten. Dabei zieht sich die Gallenblase krampfartig zusammen, um die Gallenflüssigkeit gegen den Widerstand der verstopften Gänge auszupressen. Mediziner bezeichnen Gallensteine in der Gallenblase oder in den Gallenwegen als Gallen­stein­leiden oder Cholelithiasis.

Als Risikofaktoren für Gallensteine gelten im angelsächsischen Sprachraum die »fünf f«: fat – female – fertile – family – forty. Frei übersetzt: übergewichtig, weiblich, mehrfache Schwangerschaften, erbliche Belastung und über 40 Jahre alt. Inzwischen sind weit mehr Risikofaktoren bekannt, zum Beispiel Diabetes mellitus, Morbus Crohn, sowohl fettreiche als auch fettarme Ernährung, Bewegungsmangel, Verstopfung sowie ein hoher Cholesterolspiegel.

Mediziner unterscheiden zwischen Cholesterolsteinen, die mindestens zur Hälfte aus Cholesterol bestehen, und braunen und schwarzen Pigmentsteinen, die überwiegend Calciumsalze enthalten. Steine entstehen immer dann, wenn die Zusammensetzung der Gallenflüssigkeit in ein Ungleichgewicht geraten ist. Das kann vielfältige Ursachen haben.

Entfernen oder auflösen

Gallensteine sind bei einer Ultraschalluntersuchung meist gut zu sehen. Weitere gängige diagnostische Möglichkeiten sind Röntgen oder Endoskopie. Verursachen Gallensteine Beschwerden, wird die Gallenblase in der Regel laparoskopisch, das heißt durch eine kleine Öffnung in der Bauchdecke, entfernt (Cholezystektomie). Dies ist mittlerweile ein Routineeingriff, den Chirurgen in Deutschland jährlich über 190 000-Mal durchführen. Bereiten Gallensteine keine Probleme, werden die Betroffenen normalerweise nicht behandelt.

Für einen Teil der Patienten ist die extra­korporale Stoßwellenlithotrypsie (ESWL) eine Alternative zur Operation. Bei der ESWL treffen energiereiche, auf den Stein gebündelte Stoßwellen auf den Körper und zertrümmern den Gallenstein. Diese Methode funktioniert allerdings nur dann, wenn der Stein nicht größer als 3 Zentimeter ist und maximal drei Steine dieser Größe vorliegen. Die zerkleinerten Steine gehen häufig auf natürlichem Wege ab. Reste lassen sich meist medikamentös auflösen.

In Einzelfällen wird die medikamentöse Steinauflösung (Litholyse) mit Ursodeoxycholsäure (UDCA) auch als alleinige Therapiemaßnahme durchgeführt, beispielsweise wenn der Patient nicht operiert werden kann. Allerdings dürfen die Steine bei der Litholyse nicht größer als fünf Millimeter sein und die Gallenblase muss funktionstüchtig sein.

Ein Problem bei der ESWL und bei der medikamentösen Auflösung ist die hohe Rezidivrate, da sich die Steine rasch wieder neu bilden. Langfristig ist daher die Entfernung der Gallenblase die erfolgreichste Methode. Sitzen die Steine in einem Gallengang, lassen sie sich teilweise mittels ESWL oder mit einem über den Mund eingeführten Endoskop entfernen.

Faktor Ernährung

Die Ernährung spielt eine wichtige Rolle bei der Vorbeugung und der Behandlung von Gallensteinen. Sie sollte möglichst ausgewogen und ballaststoffreich sein. Insbesondere die Ballaststoffe aus Getreide wie Weizenkleie oder Kleieprodukte senken den Cholesterolspiegel und verringern damit Risiko für Cholesterolsteine. Empfohlen werden zudem wenig Zucker, Weißmehl und cholesterinhaltige Nahrungsmittel wie Fleisch, Wurst und Eier.

Sowohl zu fettes als auch sehr fettarmes Essen wirken sich ungünstig aus. Bei fettreicher Ernährung wird sehr viel Gallenflüssigkeit produziert, die eindicken und ausfällen kann; bei fettarmer Nahrung hingegen verbleibt die Gallenflüssigkeit lange Zeit in der Gallenblase, was den gleichen Effekt hat. Fettreiches Essen kann außerdem bei vorhandenen Steinen eine Kolik auslösen.

Bei adipösen Stein-Patienten trägt eine Gewichtsabnahme zwar dazu bei, eine weitere Steinbildung zu verhindern. Sie sollte allerdings unbedingt sehr langsam und behutsam erfolgen. Durch plötzliches Fasten oder abrupte Nahrungsumstellung verbleibt die zuvor reichlich gebildete Galle lange in der Blase und es reichert sich viel Cholesterol an.

Stärkende Arzneimittel

Eine ganze Reihe von Heilpflanzen lindert bei Gallenproblemen die Beschwerden. Dazu zählen Enzian, Wermut und Tausendgüldenkraut. Die enthaltenen Bitterstoffe regen die Magen- und Gallensaftsekretion an und fördern so die Verdauung. Individuell bevorzugen Menschen Magenbitter, Tee oder Aperitif. Den Gallenfluss verstärken beispielsweise Extrakte aus der Javanischen Gelbwurz oder aus Artischockenblättern. Die Wirkung von Artischockenextrakten konnte in einer placebokontrollierten Doppelblindstudie nachgewiesen werden. Durch den Anstieg der Gallenbildung und -entleerung besserten sich bei den Patienten mit Verdauungsstörungen Sodbrennen, Übelkeit, Erbrechen, Völlegefühl und Oberbauchschmerzen. Außerdem gibt es Hinweise darauf, dass Artischockenblätter-Extrakt die Cholesterolsythese hemmen und bei längerer Anwendung auch zur Senkung des Cholesterolblutspiegels beitragen kann.

Leichte Gallenkoliken lassen sich durch pflanzliche, krampflösende Mittel lindern, zum Beispiel warme Tees aus Fenchel, Kümmel oder Gänsefingerkraut. PTA und Apotheker sollten in jedem Fall empfehlen, einen Arzt aufzusuchen, damit dieser den Grund der Beschwerden abklärt.

Entzündung und Tumore

Von Gallengries sprechen Ärzte zu Beginn der Gallensteinbildung, solange die entstandenen Partikel erst so groß wie Körnchen sind. Doch auch sie können bereits die Gallenblase reizen oder zu Koliken führen, wenn sie einen Gallengang verlegen.

Gift und Galle spucken

Viele Redensarten rund um die Galle drücken Wut und schlechte Laune aus, zum Beispiel »Gift und Galle spucken«. Man könnte auf die Idee kommen, das hänge mit der bitteren Gallenflüssigkeit zusammen. Doch der Zusammenhang ist ein anderer. Er geht auf die ›Viersäftelehre‹ der Hippokratiker zurück, welche etwa 400 v. Chr. entwickelt wurde und die Medizin für lange Zeit bestimmte. Einer dieser Säfte, die ›gelbe Galle‹ – neben schwarzer Galle, Blut und Schleim – wurde später vom griechischen Arzt Galen (ca. 130 bis 200 n. Chr.) mit dem Temperament der Choleriker assoziiert. Daher haben die »galligen« Sprüche oft mit Wut zu tun.

Entzündungen der Gallenblase werden fast immer durch Steine hervorgerufen und machen sich häufig als Kolik, seltener durch allmählich einsetzende Schmerzen bemerkbar. Bei einer starken Entzündung leiden die Betroffenen zudem unter Fieber, Schüttelfrost, Blähungen, Übelkeit, Erbrechen und Verstopfung. Lebensbedrohlich wird ein Riss der Gallenblase, ähnlich wie ein Blinddarmdurchbruch. Problematisch ist dabei, dass der Schmerz nach dem Durchbruch nachlässt und die Gefahr so unerkannt bleibt. Wiederholte Entzündungen können in eine chronische Gallenblasenentzündung übergehen, die mit etwas schwächeren, aber anhaltenden Schmerzen und meist ohne Fieber verläuft.

Die Reizgallenblase – auch Gallenwegsdyskinesie oder Cholecystopathie genannt – ist eine funktionelle Störung, die häufig auf Stress beruht. Die Patienten reagieren auf fette Speisen oder Kaffee mit Beschwerden, die Untersuchung ergibt allerdings meist weder eine Entzündung noch Steine.

Bei einer Porzellangallenblase ist die Wand der Gallenblase aufgrund einer chronischen Gallenblasenentzündung verhärtet. Durch die Einlagerung von fibrösen Bindegewebsfasern (Narbengewebe) und Kalk kann die Gallenblase sich nicht mehr ausreichend zusammenziehen. Die Porzellangallenblase gilt als Präkanzerose, also als Krebsvorstufe.

Das Gallenblasenkarzinom ist selten, aber nicht ungefährlich, weil es häufig erst spät entdeckt wird. Haben sich bereits Metastasen gebildet, sind die Überlebenschancen schlecht. Meist entsteht der Tumor in der Gallenblase, seltener in den Gallengängen. Er führt zu einer Gelbsucht (Ikterus), da die Gallen­flüssig­keit nicht mehr abfließen kann. Als äußere Zeichen färben sich zunächst die Augen und später auch die Haut der Betroffenen gelblich. Die Therapie der Wahl ist die operative Entfernung der Gallenblase beziehungsweise des Tumors.

Von der Zeit überholt

Die Galle ist eigentlich ein Überbleibsel aus Zeiten, in denen die Menschen lange Zeit hungern mussten und dann auf einmal sehr viele und fettreiche Nahrung hatten, zum Beispiel nach einer erfolgreichen Jagd. Dann brauchten sie dringend die gespeicherte Gallenflüssigkeit, damit der Darm die vielen anfallenden Fette verdauen konnte. Heute hingegen sind in den Industrieländern drei Mahlzeiten pro Tag meist die Regel. Dann reicht der ständige, schwache Gallenfluss in den Darm für die Fettverdauung aus. Die Gallenblase lässt sich daher meist ohne größere Folgeerscheinungen entfernen.

Nach Entfernung der Gallenblase entwickelt sich bei manchen Patienten das Postcholezystektomiesyndrom. Sie vertragen fettes oder reichliches Essen nicht mehr und leiden unter Blähungen, Bauchkrämpfen, Schmerzen oder Durchfall. Grund ist meist die zu geringe Bildung von Gallenflüssigkeit. Hilfreich sind dann Gallenfluss-anregende Heilpflanzen wie Artischocken-Blätter, Löwenzahn-Wurzel, Kurkuma oder Javanische Gelbwurz. /