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Welt-COPD-Tag

Es ist nicht zu spät

23.10.2013  19:48 Uhr

Von Brigitte M. Gensthaler / Der diesjährige Welt-COPD-Tag, der in mehr als 50 Ländern stattfindet, steht unter dem Motto: »Es ist nicht zu spät«. Der Aktionstag soll die Menschen auf die schwere Lungenerkrankung aufmerksam machen, die weltweit auf dem Vormarsch ist und jedes Jahr viele Todesopfer fordert.

Seit 2002 initiiert die internationale Organisation »Global Initiative for Chronic Obstructive Lung Disease« (GOLD) in Zusammenarbeit mit Fach- und Patienten­organisationen verschiedener Länder den Welt-COPD-Tag. Er findet immer am dritten Mittwoch im November statt, in diesem Jahr also am 20. November. Die 1997 gegründete GOLD-Initiative will mit dem Aktionstag mehr Bewusstsein für chronisch-obstruktive Lungenerkrankungen (COPD) und ihre Folgen schaffen und deren Behandlung weltweit verbessern.

In diesem Jahr lautet das GOLD-Motto: »It’s Not Too Late« – es ist nicht zu spät. Mit dieser positiven Botschaft weisen die Veranstalter auf die Möglichkeiten hin, wie Menschen – mit oder ohne COPD-Erkrankung – die Gesundheit der Atemwege erhalten oder verbessern können. Auch die Patienten­organisation »Lungenemphysem-COPD Deutschland« nimmt den Welt-COPD-Tag jedes Jahr zum Anlass, über die Krankheit zu informieren.

»Bei der COPD ist es für viele Dinge nicht zu spät«, sagt Inge Kokot, Leiterin der Geschäftsstelle des Kompetenz­netzes Asthma und COPD (AsCoNet), im Gespräch mit PTA-Forum. »An erster Stelle steht natürlich der Rauchstopp. Das ist in jedem Krankheitsstadium der wichtigste Schritt. Ein weiterer Punkt ist beispielsweise der Lungensport, der ebenfalls bis in hohe Stadien hinein sinnvoll ist.« Zielgruppe des Aktions­tages sind laut Kokot Betroffene, Angehörige und Raucher.

Denn Zigarettenrauchen ist der Risikofaktor Nummer 1. Neun von zehn COPD-Patienten rauchen oder haben geraucht. »Daher wird die COPD häufig immer noch als Raucherkrankheit abgestempelt«, beklagt Kokot. Aber es erkranken auch Menschen, die nie eine Zigarette angerührt haben. Beispielsweise können angeborene Defekte wie ein Alpha-1-Antitrypsin-Mangel, Luftverschmutzung oder eingeatmete Giftstoffe das Leiden auslösen.

Falsch eingeschätzt

Die COPD ist viel mehr als eine hart­näckige Erkältung – auch wenn viele Betroffene dies zunächst glauben. Denn eine COPD beginnt vermeintlich harmlos mit Husten und Auswurf, die allmählich chronisch werden. Aufgrund ständiger Entzündungs­reaktionen verengen sich die Atem­wege zunehmend und nur teilweise reversibel (Obstruk­tion), und in der Folge leiden die Erkrankten an Atemnot. Langfristig gesehen wird Lungenge­webe irreversibel um- und abgebaut. Die Lungenbläschen (Alveolen) gehen zugrunde und verschmelzen miteinander, Lungenwege kollabieren. So entsteht eine Überblähung der kleinsten Lungenstruk­turen, ein Lungenemphysem, das nicht mehr rückgängig zu machen ist.

Während die Patienten die sogenannten AHA-Beschwerden – Auswurf, Husten und Atemnot – im Anfangsstadium nur bei Belastung spüren, leiden sie im fortgeschrittenen Stadium auch in Ruhe daran. Sie spüren, dass ihre Leistungsfähigkeit abnimmt. Das Treppensteigen fällt ihnen immer schwerer, bei jeder Anstrengung werden sie öfter und schneller atemlos. Doch da der Prozess schleichend verläuft, denken viele nicht an eine folgenschwere Erkrankung und gehen nicht oder erst spät zum Arzt. Unbehandelt kann die COPD binnen weniger Jahre zur Invalidität und sogar zum Tod führen.

Weltweit steigt die Zahl der Patienten mit COPD und Emphysem. In Deutschland leben schätzungsweise 6,8 Millionen Betroffene. Die Patientenorganisation Lungenemphysem-COPD Deutschland spricht sogar von einer der »am meisten unterschätzten Volkskrankheiten«. Aktuell steht sie an vierter Stelle der krankheitsbedingten Todesursachen weltweit. Laut AsCoNet soll sie schon im Jahr 2020 die dritthäufigste Todesursache sein.

Frühzeitig zum Arzt

COPD betrifft nicht nur die Lungen. Die chronische Entzündung wirkt sich außerdem negativ auf das Herz, die Muskulatur und den Stoffwechsel aus. Zu den Folgen zählen beispielsweise Herzinsuffizienz, koronare Herzkrankheit und Auszehrung (Kachexie), aber auch psychische Leiden wie Depression, Angst- und Paniksymptome.

Daher sind eine frühzeitige Diagnose und die entsprechende Therapie äußerst wichtig. PTA und Apotheker könnten dazu beitragen, dass Patienten früher zum Arzt gehen, betont Kokot gegenüber PTA-Forum. »COPD ist eine Erkrankung, die der Patient irgendwann nicht mehr verstecken kann. Ein geschulter Beobachter kann die Symptome bemerken.« Wenn ein langjähriger Raucher anfängt zu husten oder ein Kunde über andauernden Husten, Auswurf und Atemnot klagt, sollte das Apothekenteam ihn motivieren, den Arzt aufzusuchen. »Gerade das GOLD-Stadium Null, wenn der Patient noch keine Obstruktion hat, aber an Auswurf und Husten leidet, ist der beste Diagnosezeitpunkt.«

Aktiv werden statt Rückzug

Das Motto des Welt-COPD-Tages »Es ist nicht zu spät« setzt unter anderem hier an, schreiben die GOLD-Experten auf ihrer Homepage. Menschen, die an Beschwerden leiden, aber bei denen bisher keine COPD diagnostiziert wurde, sollten ihren Arzt bitten, den Beschwerden gezielt auf den Grund zu gehen. Für COPD-Patienten kann es bedeuten: Es ist nicht zu spät, ein aktives Leben zu beginnen. Kokot unterstreicht dies: Grundsätzlich solle das Jahresmotto ein aktiveres Umgehen mit der Krankheit nahelegen. »Denn leider ziehen sich viele Betroffene allmählich zurück.«

Dabei ist heute bekannt, dass in der Therapie der COPD – neben Raucherentwöhnung und der Inhalation von Arzneimitteln – regelmäßige körperliche Aktivität von großer Bedeutung ist. Wenn die Patienten sich körperlich schonen, nimmt ihre Leistungsfähigkeit weiter ab; unter Belastung tritt immer früher Atemnot auf und das Risiko für plötzliche Verschlechterungen (Exazerbationen) steigt. Zudem leidet die Lebensqualität, wenn Patienten ihre Alltagsaktivitäten mehr und mehr einschränken. Dies wiederum kann soziale Isolation und Depression fördern.

Aktionen in Deutschland

Gesundheits- und Selbsthilfeorganisationen aller Länder können die GOLD-Materialien nutzen, müssen sie aber an ihre Bedürfnisse und Sprache anpassen. In Deutschland bieten vor allem Kliniken, die sich auf die Behandlung der COPD spezialisiert haben, und Selbsthilfegruppen Vorträge oder Aktionen an. Bundesweite Aktionen gibt es an diesem Tag nicht. Das AsCoNet werde am Welt-COPD-Tag – wie an allen Tagen – Journalisten, Fachleuten und Laien für Fragen zur Verfügung stehen, betont die Geschäftsführerin. Zudem könnten Apotheken beim Kompetenznetz Info-Material und Flyer anfordern.

Informationen im Netz

Kompetenznetz Asthma und COPD: www.asconet.net

Global Initiative for Chronic Obstructive Lung Disease (GOLD): www.goldcopd.org

Patientenorganisation »Lungen­emphysem-COPD Deutschland«:
www.lungenemphysem-copd.de

Deutsche Atemwegsliga: www.atemwegsliga.de

Kokot wünscht sich, dass die Erkrankung in der Öffentlichkeit bekannter wird. Apotheken könnten sich hervorragend am Gesundheitstag beteiligen. »Rauchstopp ist das A und O für Menschen mit COPD. PTA und Apotheker können sie beraten und begleiten.« Ebenso wichtig seien die Förderung der Compliance und das Training der Handhabung der verschiedenen Inhalatoren, die diese Patienten benötigen. »Eigentlich ist das ein ideales Apotheken­thema.« /

E-Mail-Adresse der Verfasserin
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