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Alkohol

Kinder brauchen Hilfe

27.10.2014
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»Jedes Jahr müssen wir etwa 360 Kinder in ein Heim einweisen«, erzählte mir kürzlich ein Kollege über die Arbeit des Kindernotrufs in Köln. Fast alle diese Kinder wurden Opfer häuslicher Gewalt. Viele leben in einer Familie, in der ein Elternteil alkoholkrank ist, meist der Vater. Laut Statistik werden Alkoholiker in jeder dritten Familie gewalttätig gegenüber ihren Kindern. Diese Kinder brauchen dringend professionelle Hilfe. Zwar haben viele Einrichtungen Notruftelefone für Kinder eingerichtet, doch meldet sich dort sicher nur ein Teil der Betroffenen. Viele Familien von Alkoho­likern vertuschen und verheimlichen das Problem. Daher ist die Dunkelziffer sehr hoch. Oft fällt es Lehrern, Mitschülern und Nachbarn gar nicht auf, dass ein Kind zu Hause vernachlässigt oder misshandelt wird. Hier fordern Experten ein Frühwarn- und Präventionssystem in Kindertagesstätten und Grundschulen.

Dem Thema Alkoholkrankheit sind drei Beiträge dieser Ausgabe gewidmet. Apothekerin Dr. Christiane Berg beschreibt im Titelbeitrag Alkoholkrankheit: Tiefe Wunden unter anderem, ab welchem Alkoholkonsum die Abhängigkeit beginnt. Die beiden Autorinnen Inga Richter und Annette Mende berichten über zwei Arznei­stoffe, die das Verlangen nach Alkohol dämpfen (Baclofen: Ist Alkoholsucht doch heilbar? und Nalmefen: Weniger ist mehr). Denn in der Therapie der Alkoholkrankheit ist ein Paradigmenwechsel erfolgt: Suchtmediziner gehen bereits schon dann von einem Therapieerfolg aus, wenn es Alkoholabhängigen mithilfe von Medikamenten gelingt, langfristig ihren Alkoholkonsum zu reduzieren.

Ich wünsche Ihnen viel Freude und viele neue Erkenntnisse bei der Lektüre

Annette van Gessel

Apothekerin für theoretische und praktische Ausbildung