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Selbstmedikation bei Bronchitis

Sekretolyse fördern

27.10.2014
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Von Elke Wolf / Bei Bronchitis hat sich das körpereigene Klärsystem der Bronchien mehr oder weniger festgefahren. Zähflüssiges Sekret behindert die Atemwege an ihrer Arbeit. Pflanzliche und chemisch-synthetische Sekretolytika helfen, dieses nach draußen zu befördern und leichter abzuhusten.

Unsere Atemwege verfügen über ein geniales Selbstreinigungssystem, mit dem sie eingeatmete Partikel und Schadstoffe wieder nach draußen befördern können. Ist das System in seiner Arbeit behindert oder überlastet, tritt der Ersatzmechanismus in Kraft: Husten.

Mithilfe des körpereigenen Reinigungssystems in den Bronchien werden Partikel, die dort nicht hingehören, Richtung Rachen abtransportiert und können dort verschluckt werden. Dazu ist die Schleimhaut in den Bronchien mit einem dichten Teppich aus Flimmerhärchen ausgestattet. Mit ihrem koordinierten wellenförmigen Schlag transportieren diese Flimmerhärchen (Zilien) Fremdpartikel Schritt für Schritt mundwärts. Dieser Mechanismus wird auch als bronchialer Selbstreinigungsmechanismus oder als mukoziliäre Clearance bezeichnet.

Bei einer akuten Entzündung der Atemwege, beispielsweise durch einen grippalen Infekt, wird dieses System empfindlich gestört, weil vermehrt zäher Schleim entsteht. Diese Last an zähem Sekret schränkt die Arbeit der Flimmerhärchen stark ein, sie verkleben regelrecht. Eine wirksame, koordinierte Zilienarbeit ist dann nicht mehr möglich, das Förderband von den Bronchien Richtung Rachen versagt, der Schleim kann nur in ungenügendem Maß weiterbewegt werden. Ausgelöst durch die Reizung von Nervenendigungen tritt dann der Ersatzmechanismus zur Reinigung der Atemwege auf: der produktive Husten. So bahnt sich eine Bronchitis ihren Weg.

Kombinationen bewährt

Jetzt helfen Arzneimittel, den Selbstreinigungsmechanismus der Bronchien wieder zum Laufen zu bringen und das Abhusten von Sekret zu unterstützen. Die aktuelle Husten-Leitlinie der Deutsche Gesellschaft für Pneumologie (DGP) zur Diagnostik und Therapie bei erwachsenen Patienten spricht bei akutem Husten vor allem kombinierten Phytotherapeutika aus Thymian mit Efeu (wie Bronchipret® Saft) beziehungsweise aus Thymian mit Primelwurzel (wie Bronchipret® Filmtabletten) eine starke Empfehlung bei mittelgradiger Evidenz aus. Dieser Einschätzung liegen zwei kontrollierte, randomisierte Studien zugrunde, die zeigen, dass die Extraktkombinationen Hustenanfälle signifikant schneller abklingen lassen als Placebo.

Die Hauptwirkung der beiden Pflanzenkombinationen beruht darauf, dass sie in der Lage sind, die Viskosität des Sekrets wieder zu normalisieren, sodass es leichter abgehustet werden kann. Nach neueren Untersuchungen reduziert die Thymian-Efeu-Kombina­tion die entzündungsbedingte Zunahme der Anzahl der Becherzellen, also jener Zellen, die vor allem für die Produktion zähen Sekrets verantwortlich sind. In der Folge wird diese nach unten gefahren. In Kombination mit der Entzündungshemmung normalisiert sich hierdurch schneller die Sekretkonsistenz, die mukoziliäre Clearance kommt wieder in Gang.

Efeublätterextrakte (wie Prospan®, Hysan®, Esberitox® Hustensaft) haben sich auch als Monotherapeutikum zur Behandlung von akuten und chronischen Bronchitiden sowohl bei Kindern als auch bei Erwachsenen bewährt. In Untersuchungen war ein wässrig-ethanolischer Efeublätterextrakt ebenso wirksam wie Ambroxol. Deren Hauptbestandteil, die Triterpensaponine, wirken expektorierend und entkrampfen die Bronchien. Die Datenlage zu Thy­mian als Mono-Expektorans ist dagegen lückenhaft. Trotz breiter Anwendung liegen keine klinischen Studien und nur wenige Anwendungsbeobachtungen vor.

Die Indikation akute Bronchitis ist auch die Domäne der südafrikanischen Kapland-Pelargonie (Pelargonium sidoides). In den festen und flüssigen Fertigarzneimitteln wird der ethanolische Auszug EPs® 7630 aus Pelargonium-­sidoides-Wurzeln (Umckaloabo®) eingesetzt. Zahlreiche randomisierte Doppelblindstudien bestätigen, dass sowohl Erwachsene als auch Kinder mit akuter Bronchitis von der Behandlung profitieren. Der Spezialextrakt reduziert die Bronchitis-spezifischen Symptome wie Husten und Sputum und verkürzt die Krankheitsdauer signifikant. Die Dosierung sollte dabei jedoch nicht zu gering sein (60 bis 90 mg pro Tag). Die Anwendungsdauer sollte maximal drei Wochen betragen.

Bislang ist nicht klar, wie die Wirksamkeit des Wurzelextrakts auf molekularer Ebene vermittelt wird. Experten nehmen an, dass neben Cumarinen auch noch Flavonoide sowie Proanthocyanidine an der Gesamtwirkung des Extrakts beteiligt sind. Das Wirkprinzip lässt sich nicht auf einen Mechanismus reduzieren, sondern scheint ein synergistisches Zusammenspiel verschiedener antiviraler, immunmodulatorischer und antibakterieller Effekte zu sein. Überdies zeigen In-vitro-Prüfmodelle Ähnlichkeit mit der Wirkung anderer Sekretolytika: Die Zilienschlagfrequenz wird gesteigert, was den Abtransport von Schleim und Erregern aus dem Respirationstrakt beschleunigt.

Wichtig für das Beratungsgespräch: PTA oder Apotheker sollten den Patienten auf Überempfindlichkeitsreaktionen wie Hautausschlag und Juckreiz sowie vor allem auf die Leberreaktionen wie Erhöhung der Transaminasewerte hinweisen. Nach der Einnahme sollten die Patienten auf unspezifische Schmerzen im oberen Bauch achten. Für Patienten mit erhöhter Blutungsneigung, mit schweren Leber- und Nierenerkrankungen und solche, die gerinnungshemmende Medikamente einnehmen, ist der Spezialextrakt kontraindiziert.

Erkrankungen der oberen und unteren Atemwege treten häufig zusammen auf. So entsteht eine akute Tracheobronchitis, eine Entzündung der Luftröhre und der Bronchien, defini­tionsgemäß nicht primär, sondern als Folge einer Rhinopharyngitis.

Sinusitis kommt hinzu

Laut Untersuchungen sind bei 30 Prozent der Patienten mit einer chronischen Rhinosinusitis und bei 24 Prozent mit einer akuten Form auch die unteren Atemwege in Mitleidenschaft gezogen. Grund für diese Vergesellschaftung: Als anatomische und funktionelle Einheit sind die oberen und unteren Atemwege barrierefrei miteinander verbunden. So hat sowohl die Schleimhaut in den oberen als auch in den unteren Atemwegen die gleiche Struktur, mit der mukoziliären Clearance verfügen beide über den gleichen Selbstreinigungsmechanismus, und für beide gilt der gleiche Pathomechanismus. Insofern liegt es nahe, im Beratungsgespräch ein Medikament zu empfehlen, dass für die oberen und die unteren Atemwege zugelassen ist.

Soledum® und Gelomyrtol® sind die einzigen Phytopharmaka, die eine Zulassung sowohl zur Behandlung der akuten und chronischen Bronchitis als auch zur Therapie von Nasennebenhöhlen-Entzündungen erhielten. Die Primel-Extrakt-Kombinationen aus der Sinupret®-Familie sind nur für die Rhinosinusitis zugelassen, der Extrakt der Kapland-Pelargonie nur für die Bronchitis.

Interessanterweise spielt in beiden Präparaten Cineol die Hauptrolle. Das aus Eukalyptusöl isolierte reine 1,8-Cineol ist die Wirksubstanz in Soledum. Gelomyrtol enthält das Destillat einer Mischung aus Eukalyptus-, Süßorangen-, Myrten- und Zitronenöl im Verhältnis 66:32:1:1. Eine Reihe klinischer Untersuchungen belegen ihre signifikante Überlegenheit gegenüber Placebo. Neuere In-vitro-Studiendaten beider Präparate erklären mittlerweile den guten klinischen Effekt. So verflüssigen sie nachweislich den Schleim und aktivieren dadurch die mukoziliäre Clearance. Daneben sind sekretomotorische, entzündungshemmende, antimikrobielle und antioxidative Effekte dokumentiert.

Schleim verflüssigen

Wenn es um Expektoranzien geht, dürfen die beiden Klassiker im Apothekenregal, Ambroxol und ACC, nicht fehlen. Gut untersucht ist vor allem der komplexe Wirkmechanismus von Ambroxol (wie Mucosolvan®, bereits für die jüngsten Patienten zugelassen). So bringt es die bronchiale Reinigung vermutlich auf dreierlei Weise wieder ins Lot: Ambroxol setzt die Viskosität der Schleimschicht herab. Zusätzlich treibt es die Zilien zu mehr Bewegung an, sodass der körpereigene Reinigungsprozess unterstützt und Sekret leichter abtransportiert werden kann. Als dritte Wirkkomponente vermag Ambroxol die Produktion von Surfactant zu stimulieren. Surfactant fördert als Gleitschicht den Weitertransport der zähen Schleimplaques. Außerdem reinigt es die Lungenbläschen und verhindert, dass sie beim Ausatmen kollabieren. /