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Stuhlinkontinenz ist behandelbar

27.10.2014
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Von Annette Immel-Sehr / Etwa fünf Millionen Menschen in Deutschland bemerken den Stuhldrang entweder gar nicht oder können die Toilette nicht schnell genug erreichen. Viele versuchen, ihr Leiden geheim zu halten.

Dabei gibt es wirksame Therapien, teilt die Deutsche Gesellschaft für Gastroenterologie, Verdauungs- und Stoffwechselkrankheiten (DGVS) mit. »Eine häufige Ursache ist eine Schwächung der Beckenbodenmuskulatur, also jener Muskelgruppe, die die Ausgänge von Blase und Darm dicht hält«, erklärt Professor Dr. Peter Layer, Hamburg, vom DGVS-Beirat. Auch Verletzungen durch Geburten und Operationen können die Funktion des Schließmuskels beeinträchtigen. »Bei Menschen mit Diabetes mel­litus oder bei Schlaganfallpatienten kann die Nervenwahrnehmung am Darm­ausgang derart abgeschwächt sein, dass der Patient den Stuhldrang nicht mehr bemerkt«, fügt Layer hinzu.

Vielen Betroffenen hilft bereits eine ballaststoffreiche Ernährung, da sie Volumen und Konsistenz des Stuhls erhöht, sodass dieser nicht mehr so leicht austreten kann. Medikamente, die den Stuhl fester machen oder die Darmaktivität verringern, wirken unterstützend. Beckenboden und Schließmuskel lassen sich mit gezielten gymnastischen Übungen trainieren – ein Effekt, den sogenanntes Biofeedback verstärken kann. Dabei führt der Arzt eine Sonde durch den After ein, die die Spannung in der Beckenbodenmuskulatur misst. Das Ergebnis kann der Patient auf einer Skala ablesen. »Fast 80 Prozent der Behandelten lernen so, den Schließmuskel wieder zu kontrollieren«, berichtet Layer. Reicht die konservative Therapie nicht aus, hilft den Betroffenen meist eine Operation. /

Quelle: Deutsche Gesellschaft für Gastroenterologie, Verdauungs- und Stoff­wechselkrankheiten (DGVS)