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Riskante Kombination

Antidepressiva plus NSAR

10.08.2015
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Von Elke Wolf / Patienten, die Antidepressiva und nicht steroidale Antirheumatika (NSAR) einnehmen, haben einer südkoreanischen Studie zufolge ein erhöhtes Blutungsrisiko – und zwar nicht nur im Magen-Darm-Trakt, sondern möglicherweise auch im Gehirn.

Die Kombination aus Antidepressivum plus Schmerzmittel erhöhte das Risiko für eine intrakranielle Blutung um 60 Prozent innerhalb von 30 Tagen nach Beginn der antidepressiven Therapie. Das belegt eine kürzlich im Fachjournal British Medical Journal veröffentlichte Auswertung der Krankendaten von mehr als 4 Millionen Koreanern. 

Die Steigerungsrate des Risikos ließ sich nicht auf eine bestimmte Subs­tanzklasse unter den Antidepressiva zurückführen. Antidepressiva, vor allem SSRI, also selektive Serotonin-Wiederaufnahmehemmer, blockieren die Wiederaufnahme von Serotonin auch in die Thrombozyten und können dadurch Blutungskomplikationen Vorschub leisten. Das gilt vor allem dann, wenn ein Patient weitere Medikamente einnimmt, die die Plättchenfunktion beeinträchtigen.

Die Autoren der koreanischen Arzneimittelbehörde analysierten im Rahmen der Studie Daten der nationalen Gesundheitsdatenbank der Jahre 2009 bis 2013. Berücksichtigt wurden Patienten, die in diesem Zeitraum erstmals ein Antidepressivum verschrieben bekommen hatten und in den 30 darauf folgenden Tagen mindestens eine Verordnung über ein NSAR erhalten hatten. Als Vergleich dienten Patienten, die zwar ein Antidepressivum, aber kein Schmerzmittel eingenommen hatten.

Die Wissenschaftler betonen allerdings, dass auch Faktoren, die in ihrer Studie nicht berücksichtigt worden sind, einen Einfluss auf die Ergebnisse gehabt haben könnten. Eine Interpretation sei deshalb nur mit Vorsicht möglich. Dennoch mahnen die Forscher zu erhöhter Wachsamkeit, wenn Arzneimittel aus diesen beiden Medikamentengruppen gleichzeitig eingenommen werden. Bei welchen Arzneistoffen die gemeinsame Gabe von NSAR auch problematisch sein kann, lesen Sie dazu auch: Orale Antikoagulanzien: Vorsicht bei der Selbstmedikation./

Quelle: British Medical Journal