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Die wichtigsten Sport-Regeln

10.08.2015
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Von Isabel Weinert / Bei Typ-1-Diabetikern steht die Gefahr einer Unterzuckerung während und nach dem Sport oder ausgiebiger Bewegung im Vordergrund.

Jede Insulininjektion führt zu einem relativen Insulinüberschuss. Das verhindert während einer Muskelbeanspruchung, dass Glucose aus der Leber freigesetzt wird, um den Blutzuckerabfall durch die starke muskuläre Glucoseaufnahme auszugleichen. Der Blutzucker sinkt.

 Bei hohem Blutzucker vor dem Sport kann das erwünscht sein. Beginnt der Typ-1-Diabetiker das Training jedoch mit normalen Ausgangswerten, muss er damit rechnen, zu unterzuckern. Ob das geschieht und in welchem Ausmaß, hängt vom Trainingszustand, von Dauer und Intensität des Sports, von der Menge noch im Blut wirksamen gespritzten Insulins und von der Menge und Art vorab verzehrter Kohlenhydrate ab. Wer Breitensport betreibt, dem bleibt wenig anderes übrig, als auszuprobieren, welche Startblutzuckerwerte, Insulindosen und Kohlenhydratmengen zu welcher Sportart und -intensität passen. Orientierend hilft ein Klassiker der Diabetesliteratur weiter, die »Diabetes- und Sportfibel« der Autoren Ulrike Thurm und Bernhard Gehr.

Der zweite Knackpunkt bei Typ-1-Dia­betikern: Ketoazidosen durch Sport als Folge eines absoluten beziehungsweise relativen Insulinmangels aufgrund unzureichender Insulinmengen im Blut. Dieser Mangel führt im Zusammenspiel mit Hormonen, die Insulin entgegenwirken, zu einer vermehrten Glucosefreisetzung aus der Leber. Die Aufnahme von Glucose in die Muskulatur nimmt dagegen nur geringfügig zu. Der Blutzucker steigt an, eine lebensbedrohliche Ketoazidose kann sich entwickeln. Als Faustregel gilt: Bei Blutzuckerwerten über 250 mg/dl vor dem Sport sollte zunächst auf Ketonkörper getestet und der hohe Wert gesenkt werden. In dieser Situation sollte auf die Sporteinheit verzichtet werden.

Typ-2-Diabetiker, die Insulin spritzen oder Sulfonylharnstoffe einnehmen, können ebenfalls unterzuckern – auch im Rahmen sportlicher Aktivität. Antidiabetika, die kein Unterzuckerungsrisiko beinhalten, wie Metformin, oder so gut wie keines, wie GLP-1- Agonisten und DPP-4-Hemmer, lassen sich mit Bewegung problemlos kombinieren. Bei einer Therapie mit SGLT-2-Hemmern sind – allerdings unabhängig von Bewegung – in jüngster Zeit vermehrt Ketoazidosen bekannt geworden. Relevanz und Ursachen werden derzeit geprüft.

Als »Diabetiker-Bewegungs-Kit« könnte man in der Apotheke folgendes zusammenstellen: Blutzuckermessgerät und Teststreifen, Traubenzucker in Tafel- und Gelform, Verbandmittel zur Erstversorgung von Wunden sowie Schrittzähler.

Von der Blutzuckermessung bei Bewegung profitieren letztendlich alle Diabetiker. Es kann stark motivieren, selbst nachprüfen zu können, wie gut sich zu hohe Blutzuckerwerte durch Bewegung beeinflussen lassen. /