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Offizin und Schaufenster ansprechend gestalten

10.08.2015  10:52 Uhr

Von Andreas Nagel / Apotheken haben viele Möglichkeiten, sich auf dem Markt zu behaupten und Kunden zu binden: Die Präsenz vor Ort, fachliche Kompetenz und gute Serviceleistungen spielen eine wichtige Rolle. Auch die Gestaltung der Apotheke, etwa ansprechende Schaufenster und eine geschmackvoll eingerichtete Offizin, bietet die Möglichkeit, sich von Mitbewerbern zu unterscheiden.

Schaufenster vermitteln Kunden den ersten Eindruck von der Apotheke – sie sind sozusagen ihre Visitenkarte. Bei Apotheken in guter Lage mit hoher Passantenfrequenz können über die Dekoration häufig mehr Informationen vermittelt werden als zum Beispiel durch Anzeigen in der lokalen Tageszeitung.

Schaufenster sollten ansprechend gestaltet sein, interessante Informationen enthalten und Kunden zum Betreten der Apotheke anregen. Die Dekoration der Schaufenster muss daher gut überlegt sein. Pro Fenster sollte maximal ein Thema beworben werden. Bei mehreren nebeneinander liegenden Schaufenstern kann ein Hauptthema auch auf mehrere Schaufenster verteilt werden. Bei einer Dekoration für den Sommer können im ersten Fenster zum Beispiel Sonnenschutzmittel, im zweiten Fenster eine Reiseapotheke und im dritten Fenster Mittel gegen Insektenstiche vorgestellt werden. Häufig bietet es sich an, mit Produkten zu dekorieren, die gerade aktuell in den Medien beworben werden. Hier hat der Kunde einen Wiedererkennungseffekt und damit einen höheren Kaufanreiz.

Aufmerksamkeit erregen

Wichtig ist, dass Schaufenster einen auffälligen Eyecatcher beeinhalten, der die Aufmerksamkeit der Passanten sofort auf sich zieht, sie veranlasst stehen zu bleiben und sich genauer mit dem Inhalt des Schaufensters zu beschäftigen. Idealerweise weckt die Produktpräsentation so viel Interesse, dass der Passant anschließend die Apotheke betritt.

Die Schaufenster zu überladen, sollten PTA oder Apotheker aber vermeiden. Hier gilt das Prinzip »Weniger ist mehr«: Der Kunde soll mit einem Blick erkennen, was beworben wird. Es versteht sich von selbst, dass die Schaufenster immer sauber sein müssen und dass tote Fliegen oder verstaubte Dekoartikel im Schaufenster nichts verloren haben.

Wenn der Kunde die Apotheke betritt, sollte er einen möglichst positiven Ersteindruck bekommen. Kunden schätzen es, wenn sie sich schnell orientieren können und ihnen die Produktauswahl erleichtert wird. Zu viele zusätzliche Bodenaufsteller und Schütten lassen Apotheken oft »zugestellt« aussehen und versperren zudem die Laufwege. Auch Mütter mit Kinderwagen oder Menschen mit Gehhilfen müssen problemlos durch die Offizin kommen. Der Kunde sollte sich in Ruhe umsehen können und nicht immer darauf achten müssen, ob er versehentlich ein Regal umstößt. Die Regale in der Freiwahl sollten stets gut gefüllt sein. Die Produkte müssen ordentlich, sauber und mit System ins Regal geräumt werden.

Ordnung in der Freiwahl

Viele Apotheken ordnen Produkte in der Freiwahl nach Herstellern. So werden etwa im Kosmetikbereich alle Produkte eines Herstellers in einem Regal platziert. In diesem Fall muss zum Beispiel ein Kunde, der eine Augencreme sucht, mehrere verschiedene Regale durchschauen, um sich einen Überblick über alle Augencremes zu verschaffen. Für den Kunden ist es oftmals einfacher, wenn die Artikel nicht nach Herstellern, sondern nach Produktgruppen beziehungsweise nach Anwendungsgebieten geordnet werden. Das würde bedeuten, dass die Augencremes aller Hersteller in einem Regal nebeneinander stehen und der Kunde sofort einen Überblick über alle angebotenen Cremes hat. Dadurch entfallen für den Kunden und auch für PTA oder Apotheker zusätzliche Laufwege zwischen den einzelnen Regalen.

Produkte, die in der Freiwahl stehen, müssen eine Preisauszeichnung haben. Es empfiehlt sich, das Preisschild bei allen Packungen möglichst an der gleichen Stelle anzubringen. So entfällt bei der Frage nach dem Preis ein mehrfaches Drehen der Packung vor dem Kunden. Das lässt die PTA professioneller erscheinen. In einer Teamsitzung kann besprochen werden, wie eine möglichst einheitliche Preisauszeichnung erreicht werden kann und wo bei den einzelnen Produkten das Preisetikett angebracht werden soll.

Aufgeräumte Sichtwahl

Die Sichtwahl sollte genauso ordentlich und übersichtlich gestaltet werden wie die Freiwahl. Bei der Platzierung der Ware bietet es sich an, Produktblöcke zu bilden. Der Trend geht hierbei zu hoher Stückzahl und eher niedriger Vielfalt. Das bedeutet, nicht 20 verschiedene Hustenmittel mit je fünf Packungen zu präsentieren, sondern eher fünf verschiedene Hustenmittel mit je 20 Packungen. Eine zu hohe Produktvielfalt sieht nicht nur unaufgeräumt aus, sie verwirrt den Kunden auch. Eine überschaubare Auswahl erleichtert dem Kunden dagegen die Kaufentscheidung.

Jeder Mitarbeiter der Apotheke muss wissen, welche Produkte in der Sichtwahl angeboten werden und wo die Produkte genau stehen. In der Regel befindet sich die Ware im Rücken von PTA oder Apotheker. Da der Kunde die Ware bereits sieht, sollte der Mitarbeiter beim Umdrehen genau wissen, wohin er greifen muss, um das Produkt aus dem Regal zu nehmen. Das Suchen nach einem Produkt, das der Kunde bereits sieht, macht keinen kompetenten Eindruck.

Licht und Farbe

Die Wirkung von Beleuchtung und Farbgestaltung in der Apotheke darf nicht unterschätzt werden, denn beide haben eine wesentliche Wirkung auf den Kunden. Die Beleuchtung sollte weder zu hell noch zu dunkel sein. Zu helles Licht lässt die Apotheke kalt wirken und erzeugt kein Wohlgefühl beim Kunden. Ist es zu dunkel, kommt die Offizin nicht richtig zur Geltung. Der gesamte HV-Bereich sollte daher angenehm und ausreichend ausgeleuchtet sein. Es dürfen insbesondere keine dunklen Ecken entstehen. Für Produkte, die durch eine Aktion besonders beworben werden, können gezielt Spotbeleuchtungen verwendet werden.

Einen wesentlichen Anteil am positiven Gesamtbild der Apotheke hat auch die Wahl der Wand- und Deckenfarbe. Sie sollte zum Apothekentyp passen: Bei einer Apotheke im ländlichen Bereich mit einer klassischen Einrichtung wird man sicherlich eine andere Farbe als angenehm empfinden als in einer modern eingerichteten Innenstadtapotheke. Insgesamt sollte die Apotheke ein harmonisches Gesamtkonzept haben. Bei Bedarf kann hier auf professionelle Unterstützung durch spezialisierte Einrichtungsberater und Dekorateure zurückgegriffen werden.

Neben den oben genannten Maßnahmen bieten sich eine Vielzahl weiterer Möglichkeiten an, mit denen eine Apotheke kundenwirksam gestaltet werden kann. Flachbildschirme etwa sind gute Werbeträger. Wenn in der Apotheke ausreichend Platz für einen Bildschirm zur Verfügung steht, können hier Produkte, Aktionen, kostenlose Gesundheitstipps und vieles mehr gezeigt werden. Selbstverständlich muss sichergestellt sein, dass der Bildschirm während der Öffnungszeiten stets eingeschaltet ist und dass die Inhalte ständig aktualisiert werden.

Eine weitere Möglichkeit, den Aufenthalt in der Apotheke möglichst angenehm zu gestalten, ist die Einrichtung einer Sitzmöglichkeit. Auch kann zusätzlich ein Wasserspender in der Nähe platziert werden. Mindestens einmal täglich sollte dann geprüft werden, ob der Wasserspender funktionsfähig und mit frischem Wasser aufgefüllt ist und ob ausreichend Trinkbecher vorhanden sind. Ein Abfalleimer für die leeren Trinkbecher darf auch nicht fehlen.

Für die Kleinen

Wenn der Platz es zulässt, kann auch eine Kinderecke eingerichtet werden, zum Beispiel mit einem Schaukelpferd, einem kleinen Tisch, Papier und Buntstiften oder mit einem Spielecomputer. Jede Mutter freut sich, wenn ihr Kind gut beschäftigt ist, während sie sich in der Apotheke beraten lässt.

Es ist generell hilfreich, die Apotheke einmal – möglichst unvoreingenommen – aus den Augen des Kunden zu betrachten: Wie ist der Gesamteindruck der Schaufenster und der Offizin? In einer Teamsitzung können dazu Verbesserungsideen gesammelt und diskutiert werden. Eine Checkliste kann dazu wichtige Denkanstöße liefern. /