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Wundrose

Streptokokken als Trittbrettfahrer

10.08.2015
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Von Elke Wolf / Der Keim Streptococcus pyogenes ist geschickt: Weil er gegen eine gesunde Hautbarriere nichts ausrichten kann, nutzt er kleinste Verletzungen als Eintrittspforte. Winzige Einrisse in Mundwinkeln oder Zehenzwischenräumen können dann Ausgangs­punkt für eine schwere bakterielle Infektion sein. Fußpilz gehört zu den wichtigsten Risikofaktoren.

Das Erysipel, wie die Wundrose fachsprachlich genannt wird, ist eine akut flächige, manchmal mit hohem Fieber und Schüttelfrost einhergehende Haut­infek­tion, die überwiegend durch Streptokokken ausgelöst wird. Dabei dringen die Bakterien über kleine Hautverletzungen in die Lymph- und Blutbahnen ein und breiten sich dort weiter aus. Das ist auch der Grund, warum besonders Fußpilz und Mundwinkelrhagaden einer Wundrose Vorschub leisten. Generell haben Menschen mit Diabetes, Venenerkrankungen oder Durchblutungsstörungen der Arterien ein erhöhtes Risiko, das entzündliche Geschehen zu entwickeln. Meistens ist der Unterschenkel betroffen, aber auch das Gesicht kann Ort des Geschehens sein.

Rot und heiß

Klinisch zeigt sich die Wundrose als hochrote, von der Umgebung stufenförmig abgesetzte, flammenförmig vordringende, manchmal juckende, heiße Hautinfiltration. Dieses Beschwerdebild erklärt auch die Bezeichnung Rotlauf, wie die Wundrose manchmal genannt wird. Die betroffenen Hautpartien können auch geschwollen und druckempfindlich sein. Genauso wie Lymphknoten der Umgebung.

Unbehandelt ist die Erkrankung lebensgefährlich. Ist das entzündliche Geschehen schon vorangeschritten, muss sie meist intravenös mit Penicillin oder einem Makrolid-Antibiotikum behandelt werden. Im Anfangsstadium reicht eventuell eine orale Therapie aus. Zusätzlich lindern kühlende Umschläge die Schmerzen. Ganz wichtig ist, die Ursache der Hautverletzung, durch die ein Eindringen der Bakterien möglich war, zu finden und anzugehen. Das Erysipel ist die häufigste stationär behandelte akute bakterielle Infektion der Haut. Genaue Erkrankungszahlen sind allerdings nicht dokumentiert. Schätzungsweise erkranken jährlich 100 von 100 000 Menschen.

Risiko Fußpilz

Dass es neben Rhagaden oder Lymphproblemen vor allem der Fußpilz ist, der einem Erysipel den Weg bahnt, zeigte zum Beispiel eine multizen­trische, prospektive Fall-Kontroll-Studie mit insgesamt 243 Wundrose-Patienten und 467 Kontrollpersonen, die im Fachjournal Dermatology veröffentlicht wurde.

Mehr als die Hälfte (56,1 Prozent) der Studienteilnehmer, die wegen einer akuten Wundrose stationär behandelt wurden, litten nachweislich unter einer Dermatomykose, die meisten (39,8 Prozent) unter einer Infektion der Zehenzwischenräume (Tinea pedis interdigitalis). Auch die Mokassin-Mykose oder Tinea pedis plantaris, bei der sich die Pilzinfektion von der Fußsohle ausgehend über Fußkanten und -rücken ausbreitet (33 Prozent), und der Nagelpilz (32,2 Prozent) waren häufig vertreten. Von den Erysipel-freien Patienten der Kontrollgruppe, die wegen anderer akuter Symptome stationär aufgenommen worden waren, hatten nur 36,3 Prozent eine Dermatomykose. Bei rund einem Fünftel der Kontrollpersonen lautete die Diagnose Tinea pedis interdigitalis.

Umgerechnet bedeutet das: Das Risiko, sich ein Erysipel einzufangen, ist für Hautpilzpatienten 2,4-fach erhöht. Patienten mit Interdigitalmykose haben gar ein 2,8-fach höheres Risiko für die Entstehung einer Wundrose. Etwa jedes vierte Erysipel wäre vermeidbar gewesen, wenn die Patienten ihren Fußpilz adäquat behandelt hätten, errechneten die Studienautoren.

Komplikationen möglich

Eine Wundrose kann auch chronisch werden, und das gar nicht so selten. Schätzungsweise 10 Prozent der Patienten entwickeln innerhalb eines halben Jahres erneut Symptome. Das kann mehrere Gründe haben. So könnte neben einer Antibiotikaresistenz der Eintrittsort der Bakterien nicht einwandfrei geortet und damit therapiert worden sein. Aber auch das Ausmaß der abgelaufenen Infektion entscheidet mit über den Therapieerfolg.

Wenn die Wundrose immer wieder ausbricht, können Lymphbahnen verkleben. Ein Lymphödem in der betroffenen Region ist die Folge. Treten diese Schwellungen an Füßen oder Unterschenkeln auf, spricht man von einer Elephantiasis nostras, von Elefantenbeinen. /