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Warum Codein für Kinder gefährlich werden kann

10.08.2015  10:52 Uhr

Von Elke Wolf / Codein-haltige Hustenpräparate dürfen nicht mehr bei Kindern unter zwölf Jahren eingesetzt werden. Auch für Jugendliche bis 18 Jahre, die Atem­beschwerden haben, sind Codein-Präparate kontraindiziert, das hat das Bundes­institut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) bereits im April bekannt gegeben. In der Deutschen Medizinischen Wochenschrift klären Mitarbeiter der Behörde nun über die genauen Gründe auf.

Hintergrund der Einschränkung war eine Neubewertung des Nutzen-Risiko-Verhältnisses des Arzneistoffs auf euro­päischer Ebene. Anlass waren mehrere tödliche oder lebensbedrohliche Fälle einer Atemdepression bei Kindern unter Einnahme von Codein; davon einer in Deutschland. Bereits 2013 hatten die Behörden daher die Anwendung des Opioids zur Schmerztherapie bei Kindern deutlich eingeschränkt. Zwar trete die gefürchtete Atemdepression in allen Altersgruppen auf, bei Kindern unter zwölf Jahren sei sie jedoch besonders schwer vorhersehbar, so BfArM-Vizepräsidentin Professor Dr. Julia Stingl.

Die gefährliche Nebenwirkung hängt mit dem Wirkmechanismus von Codein zusammen. Codein wird über das körpereigene Enzym CYP2D6 in der Leber zu Morphin verstoffwechselt hat. Morphin ist zwar ein starkes Schmerzmittel, lindert aber auch den Hustenreiz. Wie aktiv CYP2D6 ist, ist von Mensch zu Mensch unterschiedlich, erklärt Stingl. Bei etwa 7 Prozent der Deutschen fehle das Enzym komplett: Bei ihnen werde kein Morphin gebildet und es trete keine schmerzstillende Wirkung ein. Im Gegensatz dazu verstoffwechseln etwa 3 Prozent der Bevölkerung sehr schnell über das Enzym. Diese Menschen haben mehrere Kopien des CYP2D6-Gens. Bei den sogenannten Ultraschnell-Metabolisierern steigt die Morphin-Konzentration rasch an, und bereits nach einmaliger Einnahme von Codein kann es zu einer Überdosierung kommen. Morphin stoppt den Atemantrieb im Gehirn und die Patienten ersticken. Bei Kindern kommt hinzu, dass die Ausscheidung von Morphin über die Nieren verlangsamt ist. Die Atemdepression bei kleinen Kindern, vor allem wenn sie nachts auftritt, ist schwer zu erkennen und daher lebensgefährlich.

Das BfArM hat die Zulassungsinhaber Codein-haltiger Präparate aufgefordert, die Fach- und Gebrauchsinformationen entsprechend zu ändern. Unterlagen mussten bis Juli beim BfArM eingereicht werden. Demnächst werden also neue Beipackzettel in den Packungen Codein-haltiger Arzneimittel liegen. /

Quelle: Stingl, J. C. Rotthauwe, J., DMW