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Periorale Dermatitis

Pause von der Pflege

15.08.2016  10:28 Uhr

Von Elke Wolf / Ungeeignete Präparate und zu viel Pflege können der Haut zusetzen. Das zeigt sich im Beschwerdebild der sogenannten perioralen Dermatitis, auch Mundrose genannt. Die Therapie ist einfach, aber schwer durchzuhalten. Sie besteht in ­einer konsequenten Nulltherapie, bei der sämtliche medi­zinischen und kosmetischen Präparate weggelassen werden.

Der medizinische Fachbegriff beschreibt eine nicht ansteckende Haut­erkrankung, bei der sich perioral, also um den Mund herum, kleine, rötliche Flecken und akneartige Knötchen ansiedeln. Manchmal sind sie mit Eiter gefüllt. Einige der entzündlichen Papeln stehen mitunter so dicht beieinander, dass sie wie ein großer geröteter Placken aussehen. Typisch für diese Erkrankung ist eine klar abgrenzbare, schmale erscheinungsfreie Zone um das Lippenrot herum. Manchmal breitet sich der Ausschlag auch auf die Naso­labialfalte, beide Wangen sowie die äußeren Augenwinkel und Unterlider aus.

Die Betroffenen sind überwiegend Frauen. Sie haben gemein, dass sie vor dem Auftreten der Effloreszenzen regelmäßig Kosmetika, vor allem Feuchtigkeitscremes, und großzügig Make-up aufgetragen haben. Vermutlich ist das Phänomen deshalb auch unter der Bezeichnung Stewardessen-Krankheit bekannt. Denn von Berufs wegen kamen früher vor allem Flugbegleiterinnen in Duty-Free-Shops mit zahlreichen Kosmetikartikeln und -pröbchen in Kontakt und konnten ständig Neues ausprobieren. So wurden mitunter Pflegepräparate verwendet, die nicht zum Hauttyp passen. Heutzutage sind die Hauterscheinungen aufgrund des riesigen Angebots natürlich berufsunabhängig.

Krank gepflegt

Die genauen Ursachen der Hautrötungen sind bislang nicht gänzlich geklärt. Doch gehen Dermatologen von einer Art Intoleranzreaktion der Gesichtshaut aus, der eine wiederkehrende Irritation zugrunde liegt. Hauptübeltäter scheint die Überpflegung der Haut zu sein. Frauen mit empfindlicher Haut verspüren häufig ein Spannungsgefühl und tragen daher wiederholt Feuchtigkeitscremes auf. Doch das schadet der Haut mehr als es nutzt, denn die oberste Hornschicht wird so regelrecht überfeuchtet.

Wasser gelangt nicht nur aus den Cremes zwischen die Hornzellschichten, sondern auch jedes Abschminken lässt sie weiter aufquellen. Die Rückstände von Reinigungsmilch oder Gesichtswasser verändern die Zusammensetzung des Hornzellkitts zusätzlich. Unterm Strich quillt die äußere Hautschicht auf, die natürliche epi­theliale Barriere bricht zusammen und der transepidermale Wasserverlust ist deut­lich erhöht. Kommen nun Irrita­tionen von außen hinzu – sei es in Form von trockener, klimatisierter Luft, von Kosmetika, Sonnenlicht oder Kälte –, schlägt die Haut Alarm.

Die Diagnose der perioralen Dermatitis ist nicht einfach, da sie vielen anderen Krankheitsbildern ähnelt, etwa einer Rosacea, Akne oder Kontaktallergie. Zudem haben die betroffenen Frauen meist eine eher empfindliche Haut und neigen zu Neurodermitis oder Allergien.

Konsequente Nulltherapie

Die einzig sinnvolle Maßnahme: alle Kosmetika, auch die dekorativen, absetzen, und der Haut eine Ruhephase ganz ohne Behandlung gönnen. Bei dieser sogenannten Nulltherapie über mindestens sechs Wochen hinweg wird das Gesicht einzig mit klarem Wasser gereinigt und gepflegt. Die Nulltherapie ist eine harte Prüfung für die Betroffenen, denn in den ersten Tagen ganz ohne Pflegemaßnahmen spannt die Haut oft stark. Überdies verschlechtert sich das Hautbild häufig. Die Versuchung ist dann groß, zur Pflegecreme zu greifen. Doch Inkonsequenz wird sofort bestraft; man fällt bezüglich der Hauteffloreszenzen wieder auf Tag eins der Nulltherapie zurück. PTA sollten ihre Kundinnen in der Apotheke dazu ermuntern, die Nulltherapie diszipliniert durchzustehen. Denn dann klingt die Mundrose in der Regel vollständig ab ohne Narben zu hinterlassen.

Umschläge beruhigen

Ein weiterer Beratungstipp: Über die akute Phase helfen Umschläge mit schwarzem Tee (10 Minuten ziehen lassen, abkühlen!) oder mit synthetischen Gerbstoffen (wie in Tannolact® Badezusatz, Tannosynt® flüssig oder Delagil® Pulver) hinweg. Die Gerbstoffe hemmen die Entzündung, lindern Juckreiz und unterstützen die Wundheilung. Dazu einen Waschlappen oder Baumwolltüchlein mit den Gerbstoff-haltigen Lösungen tränken und zweimal täglich für etwa zehn Minuten auf die betroffenen Hautstellen legen.

Hydrocortison-haltige Zubereitungen sind tabu, auch wenn sich viele Betroffene von diesen eine schnelle Lösung ihres Hautproblems versprechen. Glucocorticoide lassen die Hautläsionen tatsächlich verblassen, doch nach dem Absetzen flammen die Beschwerden mitunter stärker auf als zuvor.

Sind die Hauterscheinungen stark ausgeprägt oder hat sich eine bakterielle Infektion aufgesattelt, verordnen Dermatologen zusätzlich ein orales Antibiotikum, in der Regel ein Präparat mit einem Tetracyclin wie Minocyclin, alternativ auch Erythromycin, über vier bis sechs Wochen, manchmal einige Monate.

Nach einer gewissen Zeit der Pflege-Abstinenz und dem Abklingen der Symptome dürfen die Patientinnen auch wieder Pflegecremes anwenden. Allerdings nur solche, die für empfindliche Haut konzipiert sind und möglichst frei von Emulgatoren, Duft-, Farb- und Konservierungsstoffen sind. So können PTA und Apotheker etwa zu hautverträg­lichen Präparaten raten wie Physiogel A.I., Tannolact® Creme, Imlan® Creme Pur oder Refining Gel von Dermasence. Auch zur Reinigung sollten Betroffene milde Präparationen wählen, die möglichst mit Wasser entfernt werden­ können. Auf sonstige kosmetische An­wendungen, die die Haut reizen könnten, wie Peelings oder okkludierende Masken, ist zu verzichten. /