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Quallen-Kontakt

Attacke unter Wasser

15.08.2017
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Von Elke Wolf / Lästig sind Quallen allemal. Doch mitunter können sie bei einem Badetag am Strand gar zur gesundheitsbedrohenden Plage werden. Wenn ihre Tentakel mit menschlicher Haut in Berührung kommen, kann es schmerzhaft werden. Wie verhalten sich dann Betroffene und Helfer richtig und was sollten sie besser sein lassen?

In den vergangenen Jahren haben sich giftige Quallenarten nicht nur im Pazifik, sondern auch an Nord- und Ostsee, im Mittelmeer und an der europäischen Atlantikküste verbreitet. Ob eine allgemeine Erwärmung des Meerwassers und veränderte Strömungsverhältnisse dafür ursächlich sein könnten, ist nicht endgültig bewiesen. Insgesamt gesehen gibt es jedoch in europäischen Gewässern nur wenige Quallenarten, deren Stiche durch die menschliche Haut gehen. Auch schwerwiegende Folgen wie Herzrasen, Atemnot und Bewusstseinsverlust sind im europäischen Raum nach Quallenkontakt eher die Ausnahme.

Die Tentakel der Qualle sind mit Nesselzellen gespickt. Die darauf befindlichen Nesselkapseln können bei Berührung platzen und ein giftiges Sekret entladen. Das ruft die brennenden Schmerzen und Striemen auf der Haut hervor, die einer Verbrennung ähneln. Je nach Quallenart kann die Berührung von kaum spürbar bis sehr schmerzhaft enden.

Unwohlsein, Übelkeit, Atem- und Herz-Kreislauf-Probleme und schockähnliche Symptome aufgrund einer anaphylaktischen Reaktion können als Folgeerscheinungen von Quallenvergiftungen auftreten. Dies ist dann der Fall, wenn größere Hautareale mit den Tentakeln der Qualle in Kontakt gekommen und damit über das lymphatische System größere Giftmengen in den Kreislauf gelangt sind. Kinder sind besonders gefährdet, da die jeweilige Giftdosis aufgrund ihres geringeren Körpergewichts stärker wirkt. Auch bei kleinen Verletzungen durch eine Qualle sollten Eltern deshalb stets einen Arzt aufsuchen.

Folgen für Haut und Herz

Der Kontakt mit den fast durchsichtigen Ohrenquallen aus der Nord- und Ostsee ist für den Menschen beispielsweise durch die glitschige Konsistenz zwar unangenehm, aber nicht gefährlich. Schwere Hautreaktionen und Herzrhythmusstörungen können dagegen von der Gelben Haarqualle ausgelöst werden, die vor allem im Atlantik und der Nordsee heimisch ist. Weil die Folgen für Haut und Herz nach Kontakt so vehement sein können, wird sie umgangssprachlich auch als Feuerqualle bezeichnet. Auch die im Mittelmeer und in wärmeren Teilen des Atlantiks anzutreffenden Leuchtquallen verursachen schmerzhafte Hautreizungen. An dem durch die mechanische Reizung einsetzenden bläulichen Licht, in dem sie erstrahlen, dürfte man sich dann nicht mehr erfreuen, zu sehr nimmt einen der Schmerz gefangen. Nach Quallenkontakt heißt es sowieso erstmal raus aus dem Wasser.

Besonders gefährlich ist der Kontakt mit der Portugiesischen Galeere. Sie ist in engerem Sinne keine Qualle, sondern ein Zusammenschluss von Polypen, deren Fangfäden bis zu 50 Meter lang ins Wasser ragen. Dieser blau-pink gefärbte Meeresbewohner kommt an den Küsten der Kanaren, vor Portugal und Spanien vereinzelt vor und kann mit seinem Nesselgift lebensbedrohliche Reaktionen hervorrufen. Viel häufiger tummelt er sich rund um Australiens Küste. Dort gehen etwa 10 000 medizinische Behandlungen pro Jahr auf die Nesseltiere zurück.

Ersthelfer müssen bei Quallen-Geschädigten einige wichtige Regeln beachten. Zunächst gilt es, die an der Haut haftenden, noch nicht entladenen Nesselzellen zu inaktivieren. Und das möglichst schnell. Dazu über die verletzten Hautpartien 5-prozentige Essigsäure (gibt es in der Regel bei der Strandaufsicht) gießen. Das entspricht der Konzentration von normalem Speiseessig. Essigessenz ist dagegen nicht geeignet. Am besten mit Einmalhandschuhen arbeiten, so vorhanden, zur Not hilft auch eine Plastiktüte als improvisierter Handschuh.

Ist Essigsäure nicht greifbar, hilft auch erstmal das Abspülen mit Meerwasser. Helfer sollten darauf achten, dass dieses Spülwasser keine aktiven Nesselfäden mehr enthält, die andere Hautbereiche oder die Hände reizen könnten. Auf keinen Fall sollen die Quallenreste mit Süßwasser, Zitronensaft oder Alkohol (etwa Aftershave) entfernt werden. Diese Flüssigkeiten bringen die noch intakten Nesselzellen erst recht zum Platzen und inten­sivieren die Beschwerden. Gleiches gilt, wenn die Nesselfäden mit einem Handtuch von der Haut gewischt ­werden.

Schaum und Sand

Als weitere hilfreiche Alternative bietet sich das Einsprühen der Haut mit Rasierschaum an. Auch das Aufstreuen von Sand kann hilfreich sein. Beides sollte nach dem Trocknen mit einer Plastikkarte (Scheckkarte), Plastikschaufel oder einem Messerrücken von der Haut entfernt werden.

Auch eine Pinzette leistet gute Dienste. Würden noch verbliebene Nesselfäden mit den Händen abgestrichen, könnte das Gift auch hierbei durch den Druck aus den noch nicht geplatzten Nesselzellen entweichen. Kontraproduktiv wirkt in jedem Fall das Auflegen von Kälte­packungen auf die brennenden Hautpartien, denn dies verstärkt den Schmerz noch. Viel besser würden auf 45 °C temperierte Wärmepackungen helfen, wenn sie denn zur Hand wären. Dadurch wird das bereits injizierte Gift effektiv deaktiviert. Für den Notfall helfen auch von der Sonne erwärmte Steine.

Im Anschluss kann die betroffene Hautstelle gekühlt und mit Hydrocortison- oder Antihistaminika-haltigen Topika versehen werden. Bei großflächigen Vernesselungen ist der sofortige Gang zum Arzt unumgänglich. /