PTA-Forum online
Unzufriedene Kollegen

So behalten Sie Ihre gute Laune

15.08.2017
Datenschutz

Von Andreas Nagel / Es gibt an nahezu jedem Arbeitsplatz Mitarbeiter, die ständig unzufrieden sind, durch ihre negative Denkweise die Stimmung im Team beeinträchtigen oder mit ihren Nörgeleien Kollegen bei der Arbeit stören. Wie Sie in solchen Fällen Ihre gute Laune bewahren und die Sichtweise der negativen Kollegen positiv beeinflussen.

Jeder Beruf hat positive und negative Seiten. Gelegentliche Unzufriedenheit ist kaum vermeidbar. Es ist daher völlig normal, wenn eine Kollegin einmal deutlich ausspricht, was sie stört. Dies hat meist sogar einen psychologischen Nutzen: Viele Menschen fühlen sich bereits besser, wenn sie ihre Probleme einfach nur einmal ausgedrückt, mitgeteilt und »von der Seele geredet« haben – selbst wenn sich dadurch an der unbefriedigenden Situation nichts geändert hat. Jammern wirkt in diesen Fällen wie ein Ventil, das die Seele entlastet und befreit.

Im Interesse der Kollegen sollte solches Jammern allerdings die Ausnahme bleiben und keinesfalls zur Gewohnheit werden. Leider gibt es Menschen, die ständig unzufrieden sind: Schuld daran ist etwa der unverschämte Kunde, die unfreundliche Kollegin, der ungerechte Chef, die hohe Arbeitsbelastung, das schlechte Wetter, der lange Stau, Bagatellerkrankungen oder private Probleme mit Kindern, Lebenspartnern, Eltern, et cetera. Die »Jammer-Monologe« dieser Menschen lassen Kollegen oft genervt zurück – obwohl sie nur zuhören und meist nicht persönlich betroffen sind.

Permanentes Schwarzsehen

Bei permanent unzufriedenen Menschen ist das Jammern meist über einen längeren Zeitraum zur festen Gewohnheit und zu einem Teil ihrer Persönlichkeit geworden. Das menschliche Gehirn neigt bekanntlich dazu, wiederholte Denk- und Verhaltensmuster als Gewohnheiten zu verankern, die danach automatisch ablaufen. Der betroffenen Person ist selbst oft gar nicht bewusst, dass sie in allen Lebensbereichen zum gewohnheitsmäßigen Pessimisten, Schwarzseher und Nörgler geworden ist. Doch das Verhalten führt auf Dauer dazu, dass sich andere Menschen abwenden. Kollegen zeigen für eine begrenzte Zeit Mitgefühl und Verständnis, reagieren aber irgendwann genervt auf ständig unzufriedene Mitarbeiter, weil sich die schlechte Laune auf das ganze Team überträgt.

Stimmung verbessern

Wenn Sie selbst eine positive Grundeinstellung haben und mit Ihrem Berufs- und Privatleben relativ zufrieden sind, ist es manchmal nicht ganz einfach, täglich mit einer jammernden Kollegin zu arbeiten, ohne selbst darunter zu leiden. Trotzdem müssen Sie dieser Kollegin ja nicht unbedingt direkt sagen, dass Sie ihr ständiges Gejammer nicht mehr hören können. Wählen Sie aus den folgenden Vorschlägen diejenigen Maßnahmen aus, die in ihrer Situation sinnvoll und passend sind. Das Ziel sollte sein, die Stimmung im Team zu erhalten oder zu verbessern, die jammernde Kollegin dabei aber möglichst nicht vor den Kopf zu stoßen.

Versuchen Sie zunächst, der unzufriedenen Kollegin zu helfen. Dazu müssen Sie zwei Fragen beantworten: Was muss sich ändern? Wie kann das erreicht werden? Versuchen Sie, diese Fragen gemeinsam mit der Kollegin zu beantworten. Vielleicht können Sie so dazu beitragen, dass sie in Zukunft keinen Grund mehr hat, sich zu beklagen. Bei Menschen, die von Grund auf negativ eingestellt sind, werden Sie mit diesem Vorgehen womöglich nicht den gewünschten Erfolg erzielen. Pessimisten fällt oft zu jedem konstruktiven Lösungsvorschlag sofort ein negatives Gegenargument ein, gemäß der Redewendung: »Manche Menschen sind nur zufrieden, wenn sie unzufrieden sind.«

Positives hervorheben

Sie können es auch so versuchen: Antworten Sie auf jede negative Aussage mit etwas Positivem. Betonen Sie ausdrücklich die positiven Aspekte des aktuellen »Jammerthemas«. Wenn sich eine Kollegin etwa über die unbefriedigende Mitarbeiterbesprechung beklagt, so verweisen Sie auf die positiven Aspekte. »Ich finde, dass die Diskussion über die Verbesserung der Zusammenarbeit sehr interessant war. Ich freue mich schon darauf, die Ideen aus der Besprechung umzusetzen.« Beenden Sie Ihre Ausführungen mit der Frage: »Da stimmst du mir doch zu, oder?« Wenn Sie jedes Mal so positiv reagieren, wird sich der Nörgler wahrscheinlich bald einen anderen Zuhörer suchen.

Sie können den negativen Kollegen auch unterbrechen und das Gespräch auf ein anderes Thema lenken, indem Sie eine konkrete Frage stellen. Zum Beispiel: »Ich verstehe dein Problem und es tut mir leid, dass es dich so stark belastet. Aber wir müssen heute unbedingt noch die Produktplatzierung besprechen. Welche Produkte sollten wir deiner Meinung nach hervorheben?« Die direkte Frage lenkt die Aufmerksamkeit automatisch auf ein anderes Thema und macht es unmöglich, den »Jammermonolog« fortzusetzen.  

Monologe ignorieren

Nörgler erwarten, dass Sie sich deren Probleme intensiv anhören, sich damit auseinandersetzen und mitleiden. Wenn Sie das nicht möchten: Gehen Sie jammernden Kollegen möglichst aus dem Weg und vermeiden Sie, mit ihnen allein zu sein.

Wenn Sie dennoch gemeinsame Aufgaben erledigen müssen, gehen Sie nicht auf das Jammern ein. Wenden Sie den Blick bewusst ab und beschäftigen Sie sich konzentriert mit Ihrer Arbeit. Antworten Sie entweder gar nicht oder nur mit einem kurzem »Hm« – ohne einen weiteren Kommentar abzugeben. Vielleicht beendet die Kollegin das Jammern von selbst, weil sie nicht die erhoffte Aufmerksamkeit bekommt. Auf die Frage: »Warum sagst du denn nichts dazu?« antworten Sie nur: »Was soll ich schon dazu sagen? Es geht dir eben wie immer sehr schlecht.« Sie können auch lapidar feststellen, »dass eben jeder Mensch seine Probleme hat« und der Kollegin damit klarmachen, dass sie nicht der einzige Mensch mit Sorgen ist.

In manchen Fällen eignet sich auch die Frage: »Was wirst du denn gegen dieses Problem tun?« Jetzt sollte im Idealfall eine konstruktive Antwort der Kollegin folgen. Wenn die Antwort hingegen lautet, »Ich weiß es nicht!«, dann beenden Sie das Gespräch mit der Aussage: »Ich verstehe die Situation und würde dir wirklich gerne helfen. Aber ich weiß leider auch keine Lösung für das Problem. Ich muss mich jetzt ganz dringend um etwas anderes kümmern.«

Gelegentlich wird auch vorgeschlagen, auf das Jammern wiederum mit Jammern zu reagieren. Sobald die Kollegin anfängt, sich zu beklagen, erzählen Sie im Detail, wie schlecht es Ihnen selbst geht und wie schlimm alles ist: wie lang der Stau im Berufsverkehr war, dass Ihre Fähigkeiten nicht richtig gewürdigt werden, dass alle Sie nur ausnutzen – erzählen Sie alles, was Ihnen einfällt. Lassen Sie die Kollegin dabei nicht mehr zu Wort kommen. In diesem Fall wird sie feststellen, dass sie in Ihnen keinen geeigneten Zuhörer für ihre Themen mehr findet. Diese Vorgehensweise ist allerdings mit größter Vorsicht anzuwenden. Bei der Kollegin entsteht eventuell der Eindruck, dass Sie ihre Probleme nicht ernst nehmen oder sich über sie lustig machen, indem sie ihr Verhalten nachahmen.

Der Ton macht die Musik

Beim Umgang mit jammernden Kollegen kommt es immer darauf an, die richtigen Worte zu finden, um sie nicht vor den Kopf zu stoßen. Die Pro­bleme mögen Ihnen vielleicht banal erscheinen – für die Kollegin sind sie dagegen von großer Bedeutung. Überlegen Sie sich zu den vorgeschlagenen Verhaltensweisen bei Bedarf eigene Formulierungen, mit denen Sie unangenehme Gespräche auf nette Art und Weise beenden oder begrenzen können. /