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Arzneimittelskandale

ABDA appelliert an Politik

14.08.2018  16:17 Uhr

Von Ev Tebroke / Gepanschte Zytostatika, illegaler Handel mit Krebsmedikamenten, verunreinigte Valsartan-Präparate und ständige Lieferengpässe bei wichtigen Wirkstoffen: Für ABDA-Präsident Friedemann Schmidt sind dies Folgen einer zunehmend grenzüberschreitenden Deregulierung im Arznei­mittelmarkt. Die Apotheker fordern ein Umdenken.

Angesichts sich häufender Vorfälle von Liefereng­pässen sowie gefälschten, gestohlenen oder verunreinigten Medikamenten hat Schmidt die Politik zum Handeln aufgefordert. Die Skandale führten zu einer Ver­unsicherung der Patien­ten. Die Situation sei mittlerweile nicht mehr tragbar, sagte er in einem Video-­Interview auf www.abda.de.

Die zahlreichen Probleme nähmen den Patienten das Vertrauen in ihre Arznei­mitteltherapie und gefährdeten somit Therapietreue und Behandlungserfolge. Als Ursache für die anhaltenden Probleme führt Schmidt die Preispolitik im Arznei­mittelmarkt an. »In den zurück­liegenden Jahren stand die Arzneimittelversorgung im Fokus der grenzüberschreitenden Deregulierung und Liberali­sierung.« Am unteren Ende des Preisspektrums, bei den Standard­substanzen, den Generika, gebe es die Qualitätsprobleme. Am oberen Ende, bei den hochpreisigen patentgeschützten Präparaten, entstünden durch die hohen Preise Anreize für kriminelles Handeln.

Schmidt fordert ein Umdenken. »Eine sichere Arzneimittelversorgung ist auf Dauer nicht zu Schnäppchenpreisen zu haben.« Das müsse allen klar sein. Auch der Politik und den Kassen. Entweder die Politik stelle das Gleichgewicht der Arzneimittelpreise wieder her und sorge so dafür, »dass diese Fehlanreize am oberen oder unteren Ende des Preisspektrums beseitigt oder zumindest abgemildert werden«, so Schmidt. Dazu brauche es struktur­politische Maßnahmen.

Oder die Politik setze die Deregulierung und Liberalisierung des Preiswettbewerbs fort, nehme die Folgen in Kauf und wirke entgegen, indem sie massiv die Kontrollen und die Aufsicht verstärkt – auf allen Ebenen, von der Produktion der Wirkstoffe über die fertige Arzneimittelproduktion bis in den Vertrieb hi­nein. Das würde eine erhebliche Verstärkung der dazugehörigen Ressourcen in den Aufsichtsbehörden nachsichziehen.

Momentan seien es die Apotheken vor Ort, die den Schaden beseitigen, die den »Ausputzer spielen«, so Schmidt. Sie versuchten jeden Tag all die Probleme, die von anderen verursacht werden, mit viel Engagement und großem Aufwand auszubügeln. »So kann das nicht bleiben­«, betonte der ABDA-Präsident. /

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