PTA-Forum online
Übelkeit

Hilfe bei Magen­verstimmung & Co.

Hinter Übelkeit und Erbrechen können sich harmlose, aber auch ernste Erkrankungen verbergen. Beim Beratungsgespräch die Signale richtig zu deuten und die Weichen richtig zu stellen, ist eine Herausforderung.
Ulrike Viegener
14.08.2018  16:17 Uhr

Wenn jemand in der Apotheke ein ­Mittel gegen Übelkeit verlangt, ist ­Ursachenforschung unverzichtbar. Bei Frauen zum Beispiel kann Übelkeit Symptom eines Herzinfarkts sein. Dieser untypische »Eva-Infarkt« kommt oft ganz harmlos daher: ohne be­klemmende Brustenge, ohne Ver­nichtungsschmerz, ohne Todesangst. Übelkeit – oft mit, aber auch ohne ­Er­brechen – kann sogar das einzige Anzeichen eines weiblichen Herzinfarkts sein. Manchmal gesellen sich weitere un­spezifische Symptome wie Schwäche, Müdigkeit und Kopfschmerzen hinzu. Auch Kurzatmigkeit ist typisch für den weiblichen Myokardinfarkt.

Das unspektakuläre Szenario des Eva-Infarkts birgt das Risiko von Fehl­diagnosen, wobei speziell Übelkeit und Erbrechen oft falsch gedeutet werden – ein Irrtum, der tödlich ausgehen kann. Wichtig zu wissen: Die unspezifischen weiblichen Herzsymptome treten eventuell schon Wochen vor dem ­eigentlichen Herzinfarkt auf. Vor allem wenn Frauen mittleren und höheren Alters wegen Übelkeit und Erbrechen die Apotheke aufsuchen, sollten PTA und Apotheker diese Möglichkeit im Hinterkopf haben. Das gilt auch für ein breites Spektrum weiterer Erkran­kungen: Möglich sind in seltenen Fällen auch zerebrale Ursachen, von einer ­Gehirnerschütterung bis hin zu Hirn­tumoren. Bei heißem Wetter könnte zudem ein Sonnenstich hinter Übelkeit und Erbrechen stecken, Stresssituationen können ebenfalls Auslöser sein. Bei Frauen im gebärfähigen Alter ist schließlich auch an die Möglichkeit ­einer Schwangerschaft zu denken.

Ohne ärztlichen Rat kann eine Selbstmedikation in Erwägung ge­zogen werden, wenn die Beschwerden leicht bis moderat sind und der Be­troffene eine plausible Erklärung für seine Übelkeit präsentiert: zum Beispiel ein Kater nach einer durchfeierten Nacht, Stress vor einer wichtigen Prüfung oder Übelkeit nach einer langen Busfahrt. Ist unklar, was die Übelkeit auslöst, sind die Beschwerden schwerwiegend und/oder bestehen sie schon längere Zeit, sollte die PTA dem Patienten zum Arztbesuch raten.

Übelkeit, Brechreiz und Erbrechen sind Alarmsymptome, die über das im Hirnstamm lokalisierte Brechzentrum gesteuert werden. Neurotransmitter, die bei der Aktivierung des Brech­zentrums eine Rolle spielen, sind Serotonin, Dopamin und Histamin. Wird das Brechzentrum nur leicht aktiviert, tritt Übelkeit auf. Empfängt das Brech­zentrum starke Signale, wird als Schutzreflex Erbrechen ausgelöst.

Gut vernetzt

Das Brechzentrum ist nicht nur über den Nervus vagus mit dem Magen-Darm-Trakt vernetzt, sondern empfängt auch Signale von Großhirnrinde, Kleinhirn und Gleichgewichtsorgan. So erklärt sich, dass unterschiedliche ­Phänomene wie Gerüche, Angst und hoher Seegang Übelkeit auslösen k­önnen. Außerdem steht das Brech­zentrum mit der Area postrema – einem zirkumventrikulären Organ in der Hirnventrikelwand, in dessen Bereich die Blut-Hirn-Schranke unterbrochen ist – in Kontakt und wird von dort mit Informationen versorgt. Da das Brechzentrum ausgesprochen druckempfindlich ist, kann zudem ein intrakra­nieller Druckanstieg oder die Kompression durch einen Hirntumor ­Erbrechen auslösen. Liegt des Übels Wurzel im Gastrointestinaltrakt, ist ein verdor­bener Magen die harmloseste Variante. Es könnte aber auch eine ­Lebensmittelvergiftung hinter der Übelkeit stecken, vor allem dann, wenn sie mit Erbrechen verbunden ist. Auch eine akute Magenschleimhautentzündung (Gastritis), ein Magengeschwür (Ulcus ventriculi) oder eine Bauchfellentzündung (Peritonitis) können für die Beschwerden verantwortlich sein.