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Tampons

Hygiene ist das A und O

Immer wieder kursieren Meldungen über vaginale Infektionen durch Tampons. Dies verunsichert viele Mädchen und Frauen. Wie kann ein Tampon Infektionen auslösen und was ist bei der Menstruationshygiene zu beachten? Informationen und Tipps gibt die Frauenärztin Dr. Kathrin Steffen.
Brigitte M. Gensthaler
14.08.2018
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Für eine vaginale Infektion spielen vor allem zwei Faktoren eine wichtige Rolle­: eine geschwächte körpereigene Abwehr, zum Beispiel bei einer Störung der normalen Lactobazillen-Flora in der Scheide, und das Vorhandensein von potenziell pathogenen Keimen. »Oft sind es Keime aus der Darmflora wie Escherichia coli oder Enterokokken, die bei gestörter Vaginalflora überhand nehmen und eine Infektion auslösen. Beim physiologischen, stark sauren Milieu­ der Scheide haben die Bakterien keine Chance«, erklärt Dr. Kathrin Steffen­ von der Schwerpunktpraxis »Hormone Hamburg« im Gespräch mit PTA-Forum.

Normalerweise liegt der Scheiden-pH-Wert bei etwa 4, doch das Menstrualblut kann ihn auf 6 oder 7 ansteigen lassen. Das schwächt die Milchsäurebakterien und begünstigt das Wachstum anderer Keime.

Der Tampon als Fremdkörper im Vaginal­gewölbe könne den Prozess fördern­, erklärt Steffen. »Die wenigsten Infektionen werden durch Tampons ausgelöst, aber sie können eine Infektion begünstigen, wenn Bakterien daran haften und einen Biofilm bilden.« Dabei kommt es auf die Liegedauer des Tampons an: je länger, umso höher das Risiko.

Bei vielen Frauen könne man intravaginal Bakterien nachweisen, in­formiert die Gynäkologin. Doch ohne Symptome ist keine Therapie nötig.

Hände waschen

Eine sorgfältige Menstruationshygiene ist grundsätzlich wichtig, um Infek­tionen im Intimbereich zu vermeiden. Zu den Grundregeln gehört es, vor und nach dem Einführen eines Tampons die Hände gründlich zu waschen. Wie oft sollte man wechseln? Meist reicht es alle drei bis sechs Stunden, an Tagen mit stärkerer Blutung eventuell häufiger. Bei leichter Blutung kann ein kleinerer­ Tampon auch sechs bis acht Stunden vor Ort verbleiben. Die Hersteller empfehlen in der Regel, spätestens alle acht Stunden zu wechseln.

Ein zu häufiger Wechsel ist auch nicht ratsam. Ist der Tampon fast trocken­, verursacht jede Manipulation Schmerzen und kann die Vaginalschleimhaut verletzen. Daher eignet sich dieses Hilfsmittel nicht, um außerhalb der Blutung Sekrete, zum Beispiel Ausfluss, aufzufangen.

Was ist TSS?

Eine sehr schwere Erkrankung, die mit der Tampon-Verwendung zusammenhängen kann, ist das toxische Schocksyndrom (TSS), das durch Staphylococcus aureus oder Streptococcus pyogenes ausgelöst wird. Die Bakterien können Exotoxine ausschütten, auf die das menschliche Immunsystem mit der Bildung von Antikörpern reagiert. Typische Symptome sind plötzliche Kopfschmerzen, Schwindel, Blutdruckabfall, hohes Fieber oder ein sonnenbrandähnlicher Hautausschlag. Bei solchen Symptomen sollte jeder rasch ärztliche Hilfe suchen.

Die Bakterien können über Wunden, Verbrennungen oder Insektenstiche, aber auch im Wochenbett oder nach infektiösem Abort in den Körper gelangen.Eine Infektion sei auch bei der Verwendung von Tampons oder Menstruationstassen möglich, teilt der Berufsverband der Frauenärzte mit. Das Risiko für ein TSS durch Tampons ist jedoch äußerst gering. Das Robert-Koch-Institut gibt für 2015 etwa drei bis sechs Fälle von TSS pro 100 000 sexuell aktiven Frauen/Jahr an. Davon stehen allerdings 92 Prozent im Zusammenhang mit der Menstruation.

Steffen weist auf ein weiteres In­fektionsrisiko hin: die Intimrasur. Seitdem­ diese in Mode kam, sei die Infektions­rate mit Filzläusen deutlich gesunken, aber Gonorrhoe sowie Infektionen mit Chlamydien oder humanen Papillomviren angestiegen. »Vermutlich liegt das daran, dass bei der Rasur Mikroläsionen der Haut entstehen. Diese dienen als Eintrittspforte für Keime­ während des Geschlechts­verkehrs.« Ihr Tipp: immer in Haarwuchsrichtung rasieren, Rasierschaum und Handrasierer mit drei bis vier scharfen Rasierklingen benutzen, damit das Haar schnell abgeschnitten wird. Nach der Rasur die Haut desinfizieren. Bei jeglicher Haarentfernung im Intimbereich ist die Gefahr von einwachsenden Haaren größer als zum Beispiel an Armen oder Beinen, da Intim­haare gekräuselt sind. Das Einwachsen kann lokale Entzündungen auslösen.

Tampons ab der Menarche?

Aus rein medizinischen Gründen dürfen­ Mädchen ab der ersten Monats­blutung, der Menarche, Tampons verwenden. »Die meisten machen das aber nicht, weil ihnen der Umgang mit dem eigenen Körper und dem Blut noch fremd ist«, berichtet Steffen. Sie empfiehlt den Mädchen, beim »ersten Mal« die kleinste Tampongröße zu nehmen­ und damit am stärksten Blutungs­tag, oft dem zweiten Tag, zu üben. »Dann ist es am einfachsten und tut am wenigsten weh.«

Ohnehin ist es angebracht, immer mit dem kleinsten Tampon zu beginnen und die Größe je nach aktueller Blutungsstärke individuell auszu­wählen. Eigentlich selbstverständlich: nur Produkte aus unbeschädigten Originalpackungen verwenden.

 

Intimhygiene

Für die Vaginalgesundheit ist die Hygie­ne nach dem Toilettengang, zum Beispiel­ die Abwischrichtung von vorn nach hinten, am wichtigsten. Die Ärztin empfiehlt »eine normale Hygiene mit Wasser« sowie Baumwollwäsche.

Intimsprays oder -waschlotionen können bei unangenehmem Geruch im Intimbereich gute Dienste tun. Die Produkte­ sind ausschließlich für den äußerlichen Gebrauch gedacht. »Nie innerlich in der Scheide anwenden und nicht mehrfach täglich«, betont Steffen­. »Ein übermäßiger Gebrauch begünstigt eher Infektionen, als dass er sie verhindert.«

Wenig sinnvoll ist es, Tampons mit probiotischem Joghurt zu tränken und einzuführen, da die Lactobakterien des Joghurts normalerweise nicht in der Scheide vorkommen. Die humane physio­logische Flora vermehre sich ­dadurch nicht, erklärt Steffen. Sie verweist auf Präparate mit Lactobazillen zur lokalen Anwendung oder zum ­Einnehmen aus der Apotheke oder die Impfung beim Frauenarzt. Diese komme zum Beispiel bei häufigen Infek­tionen oder nach septischem Abort zum Einsatz.

Wann besser nicht

Mögen Frauen Tampons nicht, bieten die herkömmlichen Binden eine gute Option. Die Frau sollte die Vorlage, meist zum Einkleben in den Slip und mit und ohne Flügel erhältlich, häufig wechseln und die Schamlippen dabei mit klarem Wasser abwaschen, damit kein unangenehmer Geruch auftritt.

Nach der Entbindung und im ­Wochenbett sowie nach einer Gebär­mutter-Operation rät die Ärztin klar von Tampons ab. »Der Wochenfluss ist mit Keimen belastet und der Muttermund noch geöffnet. Mit dem Tampon könnten Keime aus dem Wochenfluss nach oben geschoben werden und eine Endometritis provozieren.« Der Wo­chen­fluss hält etwa sechs bis acht ­Wochen an – solange sind Tampons tabu. Ähnliches gilt nach einer Operation: Hier ist es der Wundfluss, der unge­hindert abfließen muss.

Was tun, wenn vaginale Pilzinfek­tion und Menstruation zusammen­treffen? Da antimykotische Cremes und Zäpfchen während der Blutung weniger wirksam sind, wird oft em­pfohlen, die Anwendung in dieser Zeit zu unterbrechen. Bei starken äußer­lichen Beschwerden könne die Frau jedoch einen­ Tampon für die Monatshygiene und eine antimykotische Creme für die Schamlippen benutzen, rät Steffen. Bei starkem Juckreiz zu Blutungsbeginn könne der Arzt – unter Beachtung von Kontraindikationen – auch ein orales Antimykotikum verschreiben.

Vom Tampon zur Tasse

Im Trend sind seit einiger Zeit Men­struationstassen. Die kleinen Becher aus Latex, Kunststoff oder Silikon werden in die Scheide eingeführt und vor den Muttermund platziert. Die Tasse fängt das Menstruationsblut auf und kann angeblich mehrere Jahre lang verwendet werden.

Sehr wichtig ist es, die Cups vor jedem Gebrauch gründlich zu säubern und mit frisch gewaschenen Händen einzuführen. Für die meisten Frauen ist es gewöhnungsbedürftig, die blutige Tasse herauszunehmen, das Blut in die Toilette zu kippen und die Reste mit sauberem Wasser auszuspülen. Nach dem Ende der Menstruation werden Cup und Aufbewahrungsbehältnis ausgekocht und sauber verwahrt. Ein unangenehmer Geruch zeigt bakterielle Rückstände an. Dann muss die Tasse ersetzt werden. /