PTA-Forum online
Cannabidiol

Wirksam bei schwerer Epilepsie

14.08.2018
Datenschutz

Von Verena Arzbach / Der Cannabis-Wirkstoff Cannabidiol kann Kindern und Erwachsenen mit schweren Formen der Epilepsie helfen, vor allem, wenn deren Anfälle schwer zu kontrollieren sind. Mehrere Studien haben eine gute Wirksamkeit gezeigt, in den USA ist bereits ein entsprechendes Fertigarzneimittel zugelassen.

Das Lennox-Gastaut-Syndrom ist eine der am schwersten behandelbaren Epilepsien im Kindesalter. Es tritt bei 1 bis 4 Prozent aller an Epilepsie erkrankten Kinder auf, meist im Alter von zwei bis sechs Jahren. Die Patienten erleiden ­typischerweise oft mehrmals täglich schwere epileptische Anfälle, bei denen der Muskeltonus entweder stark ansteigt oder abfällt. Die Sturzgefahr während eines solchen Anfalls ist daher hoch. Außerdem zeigen Kinder mit Lennox-Gastaut-Syndrom häufig eine verzögerte oder eingeschränkte geistige und motorische Entwicklung. Sie können sich schlecht konzentrieren, das Erlernen neuer Dinge fällt ihnen schwer. Die Ärzte können lediglich bei 10 Prozent der Betroffenen mit herkömmlichen Antiepileptika, einer ketogenen Diät, Nervenstimulation und Hirnchirurgie Anfallsfreiheit erreichen.

Der Bedarf an weiteren und besseren Therapiemöglichkeiten ist also gegeben. Forscher untersuchen seit einiger Zeit die Effekte des nicht berauschend wirksamen Cannabinoids Cannabidiol (CBD) bei verschiedenen schweren ­Epilepsieformen. Tatsächlich weist CBD bezüglich seiner Wirksamkeit bei Epilepsien inzwischen eine gute Evidenz auf: Drei größere Studien haben 2018 die Wirksamkeit bei schweren Formen der Erkrankung gezeigt – zwei davon speziell beim Lennox-Gastaut-Syndrom.

An einer der Untersuchungen, die Anfang 2018 im medizinischen Fachjournal »The Lancet« veröffentlicht wurde, nahmen 171 Patienten im Alter von 2 bis 55 Jahren für 14 Wochen teil. In den sechs Monaten vor Studienbeginn hatten die Teilnehmer mehrmals unter­schiedliche Anfälle erlitten, darunter mindestens zwei mit Stürzen. Alle Probanden galten als hochgradig therapieresistent, das heißt, sie hatten zuvor auf mindestens sechs antikonvulsive Arzneistoffe nicht angesprochen.

Zusätzlich zu ihrer üblichen Behandlung bekamen die Patienten im ­Rahmen der Untersuchung einmal ­täglich 20 mg CBD pro Kilogramm ­Körpergewicht oder Placebo. Die Rate der Anfälle mit Sturzfolge reduzierte sich da­raufhin von zuvor 71,4 pro ­Monat auf 31,4 pro Monat, in der Placebo­gruppe sank die Rate ebenfalls, und zwar von 74,7 auf 56,3 Stürze pro Monat. Das entspricht einer relativen Risikoreduktion von 43,9 Prozent in der CBD-Gruppe. Auch andere Anfallsarten ohne Stürze traten unter CBD deutlich seltener auf.

62 Prozent der Patienten berichteten unter CBD allerdings über Nebenwirkungen im Vergleich zu 34 Prozent der Patienten, die ein Placebo bekamen. Vorwiegend traten Durchfall, ­Beommenheit, Fieber, verminderter Appetit und Erbrechen auf. 20 Patienten in der CBD-Gruppe erlitten eine schwere Nebenwirkung, wobei es sich meistens um eine Erhöhung der Leberenzymwerte handelte. Bei 61 Prozent der CBD-Probanden und 64 Prozent der Teilnehmer unter Placebo verschwanden die unerwünschten Wirkungen im Laufe der Studie; allerdings brachen 12 von 86 Patienten unter CBD und ein Patient unter Placebo die Studie frühzeitig aufgrund von Nebenwirkungen ab. Hinweise auf einen Missbrauch des Arzneimittels seien bei keinem Probanden festgestellt worden, schreiben die Studienautoren.

Zulassung in den USA

Epidiolex® heißt das Präparat, das in dieser Studie getestet wurde. Die CBD-haltige Lösung wurde Ende Juni 2018 in den USA zugelassen für Patienten ab zwei Jahre mit Lennox-Gastaut-­Syndrom oder mit Dravet-Syndrom, ­einer weiteren seltenen schweren Form von Epilepsie. Der britische Hersteller GW Research hat auch einen ­Antrag auf Zulassung für die EU bei der euro­päischen Arzneimittelbehörde EMA ­eingereicht, eine Zu­lassungs­empfehlung wird im ersten Quartal 2019 erwartet. Epidiolex ist in den USA das erste Fertigarzneimittel, das auf ­einem gereinigten Wirkstoff aus der Cannabispflanze basiert. /