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Antibiotikum bei Husten?

13.11.2013  12:33 Uhr

Von Verena Arzbach / Akuter Husten kann viele Ursachen haben. Daher fällt Ärzten die richtige Diagnose häufig nicht leicht; ebenso unsicher sind sie bei der Frage, ob in dem jeweiligen Fall ein Antibiotikum das richtige Medikament ist, wie eine Studie US-amerikanischer Mediziner zeigt.

Sind Erwachsene an akutem Husten erkrankt, raten Leitlinien und Praxisempfehlungen generell von der routine­mäßigen Gabe eines Antibiotikums ab. So einfach können es sich Mediziner jedoch meist nicht machen: Hinter dem Symptom Husten können sich verschiedene, teils schwerwiegende Erkrankungen verbergen.

Das US-amerikanische Forscherteam um Lauren E. Whaley vom Brigham and Women’s Hospital in Boston wollte deshalb klären, in welchen Fällen Ärzte bei akutem Husten Antibiotika verschreiben. Dafür analysierten die Forscher retrospektiv die Daten von insgesamt 962 Patienten im Alter zwischen 18 und 64 Jahren, die wegen eines maximal dreiwöchigen Hustens einen Allgemeinarzt aufgesucht hatten. Keiner der Patienten litt unter einer chronischen Atemwegserkrankung wie Asthma bronchiale, COPD oder chronischer Bronchitis.

Bei fast der Hälfte der Hustenpatienten diagnostizierten die Ärzte einen oberen Atemwegsinfekt. Weitere häufige Diagnosen waren Sinusitis, akute Bronchitis und Lungenentzündung. Ein Antibiotikum verschrieben die Ärzte in 22 Prozent der Fälle. Nach Ansicht des Forscherteams wäre die antibiotische Therapie bei 277 Patienten angemessen gewesen, beispielsweise bei manchen Patienten mit Sinusitis, Pneumonie, Streptokokkenpharyngitis, Mittel­ohr­entzündung, bakterieller Infektion oder Keuchhusten. Die Ärzte verschrieben jedoch nur in 180 Fällen (65 Prozent) ein Antibiotikum. Dagegen verordneten sie bei 4 Prozent der Patienten ein Antibiotikum, bei denen das Forscherteam aus den Unterlagen dafür eigentlich keine Indikation entnehmen konnte.

Bei 16 Prozent aller Patienten waren sich die Ärzte nicht sicher, ob sie die richtige Diagnose gestellt hatten, und das betraf genau die Patienten (43 Prozent), bei denen eine Indikation für ein Antibiotikum vorlag. Fast die Hälfte der Ärzte hatte mehrere Diagnosen gestellt, je mehr Diagnosen sie aufschrieben, desto unsicherer waren die Ärzte, ob sie damit richtig lagen und desto höher war auch die Wahrscheinlichkeit, dass sie ein Antibiotikum verordneten.

Die Studienautoren fordern daher, alle möglichen Ursachen des akuten Hustens stärker zu berücksichtigen. Die diagnostische Unsicherheit und Zweifelsfälle sollten sich in den Leitlinien und Praxisempfehlungen stärker wider­spiegeln. /

Quelle: BMC Family Practice