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Krankmeldung

Der gelbe Zettel und die Folgen

13.11.2013  12:33 Uhr

Von Yuki Schubert / In den USA ist Lohnfortzahlung ein prob­lematisches Thema. Oftmals erhält der Arbeitnehmer dort nur für eine Handvoll Krankheitstage pro Jahr sein Gehalt weiter. Im Vergleich dazu haben es deutsche Angestellte besser. Doch was darf oder muss der Erkrankte tun, wenn der Arzt ihm die gelbe Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung ausgestellt hat?

Wie jeder weiß: Krank sein bedeutet nicht automatisch, arbeitsunfähig zu sein. Erst wenn der Arbeitnehmer aufgrund einer Krankheit gehindert ist, seiner Arbeit nachzukommen, dann spricht der Jurist von Arbeitsunfähigkeit. Diese stellt in der Regel der behandelnde Arzt fest. Im sogenannten Entgeltfortzahlungsgesetz heißt es, dass der Arbeitnehmer seine Lage nicht selbst verschulden darf, sonst hat er keinen Anspruch auf eine Fortzahlung des Gehalts. Ausgenommen sind Verletzungen, die durch kleinere Unachtsamkeit entstanden sind, zum Beispiel beim Sport oder bei Verkehrsunfällen. Hat der Arbeitnehmer den Unfall jedoch durch Trunkenheit am Steuer oder ähnliche Verstöße verursacht, kann der Arbeitgeber die Lohnfortzahlung verweigern.

Bei einer nicht selbst verschuldeten Arbeitsunfähigkeit haben grundsätzlich alle Arbeitnehmer und Auszubildenden, die bereits mehr als vier Wochen in einem Betrieb arbeiten, das Recht auf eine Fortzahlung ihres Lohns für bis zu sechs Wochen. Es gehört dabei zu den Pflichten des Arbeitnehmers den Arbeitgeber sofort darüber zu informieren, dass er nicht arbeiten kann. Außerdem muss er angeben, wie lange er voraussichtlich nicht anwesend sein wird.

Fristen beachten

Der gelbe Schein vom Arzt müsse dem Arbeitgeber spätestens am vierten Fehltag vorliegen, sagt Jens Peter Hjort, Fachanwalt für Arbeitsrecht. Der Arbeitgeber kann die Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung allerdings schon am ersten Fehltag beim Arbeitnehmer einfordern. Auch bei einer Erkrankung im Ausland muss der Arbeitnehmer den Schein innerhalb der Frist vorlegen. »Halte ich mich im Ausland auf, dann muss ich zusätzlich meine dortige Anschrift auf dem schnellsten Weg, ob ich nun maile oder faxe, an Arbeitgeber und Krankenkasse weiterleiten«, so Hjort.

Für den Fall, dass die Krankheit länger dauert als der Arzt auf dem gelben Schein vermerkt hat, muss der Arbeitnehmer eine neue ärztliche Bescheinigung mit dem neuen voraussichtlichen Fristende der Arbeitsunfähigkeit vorlegen. Robert Nazarek vom Deutschen Gewerkschaftsbund (DGB) rät dringend, spätestens am letzten Tag der gedruckten Frist wieder zum Arzt zu gehen. »Wenn nach den sechs Wochen Entgeltfortzahlung die Krankenkasse mit der Leistung von Krankengeld eintritt, hat der Arbeitnehmer nur Anspruch darauf, wenn die Arbeitsunfähigkeit nahtlos bescheinigt ist. Eine Unterbrechung der Arbeitsunfähigkeit liegt nach derzeitiger Gesetzeslage und Rechtsprechung des Bundessozialgerichts bereits vor, wenn der Arzt erst am nachfolgenden Tag aufgesucht wird. Gleiches gilt für Feiertage oder das Wochenende.«

Krank – Was ist erlaubt?

Nachdem der Arzt den gelben Schein ausgestellt hat, stellen sich Arbeitnehmer häufig die Frage, was sie im Zeitraum der Krankschreibung tun dürfen. Schließlich verordnet der Arzt nicht immer absolute Bettruhe. Ist es erlaubt, das Haus zu verlassen oder sogar ein wenig Sport zu treiben? Sowohl Nazarek als auch Arbeitsrechtler Hjort sind sich einig, dass der Erkrankte grundsätzlich nichts unternehmen darf, was seine Genesung behindert oder seinen Zustand sogar noch verschlechtern könnte. So ist es laut Hjort kein Problem, einen Spaziergang zu machen oder Lebensmittel einkaufen zu gehen. »Wenn der Arbeitnehmer aber auf der heimischen Baustelle arbeitet, in der Kneipe unterwegs ist oder auf Facebook ein Partybild von sich hochlädt, dann ist der gelbe Schein als Beweismittel angreifbar«, sagt der Anwalt.

Will der Arbeitnehmer während der Arbeitsunfähigkeit verreisen, um die Genesung zu beschleunigen, zum Beispiel ans Meer, müsse der Arzt dem zuvor zustimmen, so Nazarek. Denn unter Umständen verzögern die Strapazen der Anreise seine Genesung. »Der Arbeitnehmer sollte es vermeiden, über solche Unternehmungen selbst zu entscheiden, um einem Konflikt mit dem Arbeitgeber oder der Krankenkasse vorzubeugen«, rät Nazarek.

Zweifelt der Arbeitgeber an der Arbeitsunfähigkeit seines Angestellten, kann er das der Krankenkasse mitteilen. Diese prüft dann durch ihren Medizinischen Dienst die Arbeitsunfähigkeit. Der Arbeitgeber könne ohne Weiteres aber auch einen Detektiv beauftragen, so Hjort. »Ich habe schon Prozesse geführt, bei denen lückenlose Protokolle und Fotos vorgelegt worden sind. Das ist mitunter sehr unangenehm für die Arbeitnehmer.«

Die Beschäftigten wiederum haben das Recht, die Art der Erkrankung für sich zu behalten. Hjort: »Warum man arbeitsunfähig ist, geht den Arbeitgeber grundsätzlich gar nichts an.« Es gebe nur wenige Ausnahmen, zum Beispiel Krankheiten, die eine Epidemie auslösen können. Aus den genannten Gründen sei auf dem gelben Schein auch nur ein Diagnoseschlüssel aufgedruckt, der es ausschließlich den Krankenkassen ermögliche, die Art der Krankheit nachzuvollziehen, erklärt Nazarek. /

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