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Praktische Tipps

Tabletten einfach schlucken

13.11.2013  12:33 Uhr

Von Verena Arzbach / Ein akuter Infekt mit Halsschmerzen kann starke Schluckstörungen verursachen. Vielen Patienten, insbesondere Senioren, die auch unter altersbedingten Schluckbeschwerden leiden, bereitet dann die Einnahme von Tabletten oder Kapseln Schwierigkeiten. PTA und Apotheker können diesen Patienten einige praktische Tipps geben, die das Schlucken von Tabletten oder Kapseln erleichtern.

Bereitet einem Patienten die Einnahme fester Arzneiformen Probleme, können PTA oder Apotheker bei Medikamenten aus der Selbstmedikation meist auf flüssige Arzneimittel, beispielsweise Tropfen oder Saft oder Brause- oder Schmelztabletten ausweichen. Insbesondere ältere Patienten nehmen jedoch häufig täglich mehrere Tabletten als Dauermedikation ein. Generell sollte das Apothekenteam dann empfehlen, die Arzneimittel immer in Ruhe und mit genügend Zeit einzunehmen. Manchen Patienten hilft der Hinweis, jede Tablette und Kapsel einzeln mit ausreichend Flüssigkeit herunterzuschlucken. Viele Patienten glauben, ein kleiner Schluck Wasser würde ausreichen, stattdessen sollte es jedes Mal ein großes Glas Wasser sein, also mindestens 200 Milliliter.

Bei trockener Mundschleimhaut kann der Patient am besten schon vor der Einnahme einen großen Schluck Wasser trinken. Große, nicht teilbare Tabletten sollte er einen kurzen Moment in Flüssigkeit eintauchen, dann »rutschen« sie besser. Zur Einnahme von Arzneimitteln eignet sich Leitungs­wasser am besten. Tee, Kaffee, kohlensäurehaltige Getränke und Grapefruitsaft können mit bestimmten Arzneimitteln Wechselwirkungen eingehen und deren Wirkung gefährden. Stört Patienten bei der Einnahme der schlechte Geruch oder Geschmack eines Arzneimittel, können PTA oder Apotheker ihnen raten, viel Wasser nachzutrinken oder hinterher eine Kleinigkeit zu essen, falls sie das Medikament nicht nüchtern einnehmen müssen.

Ein guter Tipp ist auch, die Tabletten zusammen mit einem breiigen Lebensmittel herunterzuschlucken, zum Beispiel mit einer kleinen Menge Apfelmus oder etwas zerdrückter Banane. Jedoch sollten immer die Angaben in der Packungsbeilage beachtet werden: Bei einigen Medikamenten verzögert die Nahrung die Aufnahme der Wirkstoffe und/oder ruft Wechselwirkungen hervor. Generell abraten sollten PTA oder Apotheker davon, Arzneimittel mit Milch, Quark oder Joghurt einzunehmen. Das gilt vor allem für einige Antibiotika aus der Gruppe der Gyrasehemmer wie Ciprofloxacin oder Norfloxacin sowie Tetracycline wie Doxycyclin oder Minocyclin. Denn in diesem Fall bilden polyvalente Kationen – in diesem Fall die Calciumionen aus der Milch – Komplexe mit den Wirkstoffmolekülen und setzen so die Wirkung des Arzneimittels herab. Aus dem gleichen Grund sollten die Patienten vor und nach der Antibiotikaeinnahme einen Abstand von mindestens zwei Stunden einhalten, bis sie Eisenpräparate oder Antacida wie Magnesium- oder Aluminiumhydroxid anwenden.

Tabletten oder Kapseln liegend im Bett einzunehmen, ist ebenfalls nicht ratsam. Einige Präparate – das bekannteste Beispiel sind die Bisphosphonate – müssen sogar unbedingt im Stehen eingenommen werden. Nach der Einnahme mit reichlich Leitungswasser darf sich der Patient nicht mehr hinlegen; er sollte eine Zeit lang aufrecht sitzen oder stehen, damit das Medikament nicht in der Speiseröhre hängen bleibt.

Nicht alle Tabletten sind teilbar

Achtung: Patienten dürfen Tabletten, die sie als zu groß zum Schlucken em­pfinden, niemals ohne Rücksprache mit Arzt oder Apotheker teilen. Denn nicht jede Tablette mit einer vermeintlichen Bruchrille ist auch wirklich teilbar. Ähnliches gilt für Kapseln: Nicht jede Kapsel darf geöffnet und ihr Inhalt in Wasser aufgelöst werden. Das Teilen oder Mörsern einer Retardtablette beziehungsweise das Öffnen einer Kapsel kann die Freisetzung des Wirkstoffes verändern. In manchen Fällen wird zu viel Wirkstoff auf einmal freigesetzt, es kommt zu einer Überdosierung oder stärkeren Nebenwirkungen. Ob eine Tablette teilbar ist, gemörsert werden darf oder eine Kapsel geöffnet werden kann, können PTA oder Apotheker beispielsweise in der gelben Liste oder auf www.pharmatrix.de erfahren.

Nicht zuletzt fällt es vielen Patienten leichter, ein Arzneimittel zu schlucken, wenn sie eine bestimmte Technik anwenden. Eine Kapsel kann der Patient am einfachsten schlucken, wenn er sie in den Mund nimmt, einen Schluck Wasser trinkt, den Kopf nach vorne neigt und sie dann vorsichtig herunterschluckt. Danach sollte er ein Glas Wasser nachtrinken. Bei der Einnahme einer Tablette ist es dagegen sinnvoller, den Kopf beim Schlucken nach hinten zu neigen. /

E-Mail-Adresse der Verfasserin
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