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Hund und Katze

4-Punkte-Programm gegen Flöhe

11.11.2014
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Von Maria Pues, Offenbach / Haben sich Hund oder Katze Flöhe eingefangen, ist schnelles Handeln gefragt. Denn die Parasiten können sich nicht nur rasant vermehren, sondern auch weitere Erkrankungen übertragen.

Flöhe haben für viele Menschen einen ähnlich hohen Ekelfaktor wie Läuse. Von solchen Parasiten befallen zu sein, weisen sie daher gerne weit von sich. Das nützt jedoch den unerwünschten Gästen, denn sie können sich in dieser Zeit – erheblich – vermehren. Während Läuse ohne ihren Wirt nicht lange überleben können und Betroffene die Biester mit einer Behandlung gut wieder loswerden, gestaltet sich dies bei einem Flohbefall viel schwieriger. Wa­rum dies so ist und was man unternehmen sollte beziehungsweise muss, um der Plage möglichst schnell Herr zu werden, erläuterte Apotheker Alexander Jaksche, Darmstadt, in einem Seminar des Hessischen Apothekerverbandes. Er hat sich mit seiner Apotheke auf Tierarzneimittel und die Beratung von Heimtierbesitzern spezialisiert. Jaksche, der selbst einen Hund besitzt: »Man muss einschreiten, bevor der Floh Eier legen kann.«

Der Floh

Floharten gibt es viele: etwa 2500. Oft sind sie nach den Tierarten benannt, auf denen sie üblicherweise heimisch sind. Nicht alle verhalten sich allerdings wirtsspezifisch. Während sich der Hundefloh tatsächlich vorwiegend auf Hunden aufhält, kommen Katzenflöhe auf Katzen und auf Hunden vor. Igel-, Kaninchen- und Vogelfloh kommen ebenfalls auf Hund und Katze vor, allerdings meist nur vorübergehend. Beruhigen muss dies nicht. Denn Vogel- und Igelnester stellen Infektionsquellen für Katze und Hund dar, die die Flöhe dann weiter verbreiten.

Warum es so wichtig ist, möglichst bei einem Befall sofort zu handeln, erklärt sich durch den Vermehrungszyklus eines Flohs (siehe Grafik). Der ausgewachsene Floh liebt es warm und feucht. Optimale Bedingungen sind für ihn knapp 27 Grad °C und eine relative Luftfeuchte von etwa 80 Prozent. Daher ist der Sommer seine liebste Jahreszeit. In der warmen Wohnung entwickeln sich jedoch auch im Herbst und im Winter zuvor gelegte oder eingeschleppte Wurmeier oder -larven ganz prächtig, sodass Hund und Katze auch im Winter an Flöhen leiden können.

Ein Flohweibchen legt rund 25 bis 40 Eier am Tag. Insgesamt kann es bis zu 4000 Eier legen. Diese sind weiß, oval und – anders als die Nissen der Läuse – glatt. Durch ihre glatte Schale fallen sie leicht aus dem Fell des Tieres, wo das Flohweibchen sie abgelegt hat. Daher findet man die höchsten Eizahlen an Liege- und Fressplätzen, erläuterte Jaksche. Diese müssten daher stets mitbehandelt werden, um zu verhindern, dass aus den Eiern Larven schlüpfen.

Aus einem Flohei schlüpft nach rund einer Woche eine Larve. Die Larven sind lichtscheu und folgen der Erdanziehung. Schnell verkriechen sie sich in dunklen Ritzen, wo sie nur schwer aufzufinden sind. Das können Teppichfasern sein, aber auch schmale Lücken im Laminat oder im Parkett. Dort ernähren sie sich von Flohkot, der unverdautes Blut aus den Blutmahlzeiten enthält, und anderen organischen Materialien, bis sie sich verpuppen.

Haben die Larven das Puppenstadium erreicht, wird man sie nur sehr schwer wieder los. In der Puppe entwickelt sich der Jungfloh, der bei entsprechenden Umgebungsbedingungen bereits nach einer Woche schlüpft. Er hält es in der Puppe aber auch bis zu einem halben Jahr aus. Schlupfreize sind ein Lichtwechsel, Wärme oder Erschütterungen, die die Nähe eines Wirts anzeigen. Fast einen halben Meter kann ein Floh mit seinen kräftigen Sprungbeinen überwinden. Das klingt zunächst nach nicht sehr viel. Im Vergleich zur Größe des Parasiten ist es aber erheblich, und der Floh erreicht damit leicht seinen nächsten Wirt.

Der ausgewachsene Floh, der den Sprung auf seinen Wirt geschafft hat, zapft diesen mehrmals am Tag an, um Blut zu saugen. Oft sticht er mehrmals hintereinander zu, bis er richtig satt ist. So entstehen manchmal ganze Reihen von Stichen, sogenannten »Flohstraßen«. Auch um die Fortpflanzung kümmern sich die Flöhe bereits am ersten Lebenstag: Innerhalb von 24 Stunden erfolgt die Paarung, und bald darauf kann das Weibchen die ersten Eier ablegen. Diese fallen aus dem Fell in das Hunde- oder Katzenkörbchen – und der Kreislauf beginnt von vorn. Da ein Floh etwa 100 Tage lebt, die nächste Generation je nach Umgebungsbedingungen aber schon nach rund zwei Wochen schlüpfen kann und nach einem Tag geschlechtsreif ist, erklärt sich die Gefahr einer explosionsartigen Vermehrung. Das heißt: Leidet ein Hund oder eine Katze in »unschöner Regelmäßigkeit« an Flöhen, muss nicht das Flohmittel versagt haben. Möglicherweise wurde die Umgebungsbehandlung nicht konsequent durchgeführt.

Katze und Hund als Wirt

Herrchen und Frauchen bemerken einen Flohbefall ihres Tieres vor allem daran, dass dieses sich ungewohnt häufig kratzt. Die Tiere reagieren damit auf einen anhaltenden Juckreiz, der sich durch die Stiche des Flohs entwickelt. Durch den Stich gelangt stets auch ein wenig Speichel in die Haut des Tieres. In diesem können Viren und Bakterien enthalten sein. Auf diese Weise wird auch der Erreger des Katzenschnupfens, Felines Calicivirus, übertragen.

Daneben können Flöhe auch Bandwurminfektionen übertragen, da sie dem häufigsten Bandwurm bei Hund und Katze, dem Gurkenkernbandwurm, als Zwischenwirt dienen. Vor allem für Kinder, die ja meist viel mit der Familien­katze oder dem Familienhund schmusen und spielen, besteht die Gefahr, sich auf diese Weise zu infizieren.

Außerdem kann es zu ebenfalls juckenden allergischen Reaktionen des Tieres auf den Flohspeichel kommen. Man spricht dann von einer FAD, einer Flohspeichel-Allergie-Dermatitis. Durch Kratzen und Benagen der juckenden Stellen kommt es zu Fell- und Hautschäden, die wiederum ein Einfallstor für eine bakterielle Besiedelung darstellen. Auch Menschen sind nicht gefeit: Juckreiz, Rötungen, Hautentzündungen und -infektionen können auch bei ihnen auftreten, wenn Flöhe bei ihnen Station machen.

Doch nicht immer zeigen Hund und Katze Symptome. Dies kann der Fall sein, wenn ein Flohbefall erst kurze Zeit zurückliegt. Regelmäßige Kontrollen schützen vor unliebsamen Überraschungen. Besonders pingelig suchen sollte man, wenn befreundete Tierbesitzer, zu deren Hund oder Katze das eigene Tier Kontakt hatte, von einem Flohbefall berichten. Dazu gibt es einen einfachen Test, erläuterte Jaksche. Mit dem sogenannten Taschentuchtest können Herrchen und Frauchen bei ihren Tieren kontrollieren, ob sich Flöhe im Fell ihrer Tiere häuslich eingerichtet haben. Dazu kämmt man das Fell des Tieres mit einem Flohkamm aus. Finden sich dabei Rückstände, die das Aussehen von Salz und/oder Pfeffer haben, kann ein Flohbefall die Ursache sein. So können sich helle Krümel (»Salz«) als Floheier entpuppen. Bei dunklen Krümeln (»Pfeffer«) kann es sich um Flohkot handeln. »Wenn man die dunklen Krümel in einem feuchten Papiertaschentuch zerreibt, und es färbt sich braun-rot, handelt es sich mit großer Wahrscheinlichkeit um Flohkot«, erklärte der Referent. Die braun-rote Verfärbung entsteht durch das im Flohkot enthaltende unverdaute Blut, das den Larven als Nahrung dient. Ein lebender Floh auf dem Tier ist natürlich der sicherste Beweis. In diesem Fall sollte man seine Scheu überwinden und die Besitzer der Tiere informieren, mit denen das eigene Tier Kontakt hatte.

Der Vier-Punkte-Plan

Ist der Hund oder die Katze befallen, sollte man zügig einen Vier-Stufen-Plan abarbeiten, riet Jaksche. An erster Stelle muss das Tier mit einem Flohmittel behandelt werden. Um einem erneuten Befall vorzubeugen, müssen außerdem Prophylaxemaßnahmen ergriffen werden. Schritt drei besteht in der Behandlung der Umgebung wie Körbchen und/oder die Wohnung, in der sich das Tier aufhält. Den letzten Schritt bildet eine Entwurmung.

Sowohl zur Vorbeugung als auch zur Behandlung eignet sich der Wirkstoff Imidacloprid (zum Beispiel in Advantage®). Imidacloprid gehört in die Gruppe der Insektizide. Es wirkt gegen den Katzenfloh, aber auch gegen Hunde-, Igel- und Vogelflöhe. Flöhe nehmen den Wirkstoff über das behandelte Tier auf. Dieser gelangt dann in das Nervensystem des Parasiten, wo er innerhalb der Synapsen die Weiterleitung von Nervenimpulsen unterbindet. Innerhalb von 24 Stunden sterben die Flöhe auf Hund und Katze ab. Die Wirkung hält weitere vier Wochen an. Die Substanz tötet außer­dem Flohlarven in der Umgebung.

Imidacloprid gibt es unter anderem als Spot-On-Präparat. Dieses wird dem Tier auf eine Hautstelle aufgebracht, die es mit der Schnauze nicht erreichen kann. Am besten zerteilt man das Fell im Nacken und tropft das Präparat auf. Von dort verteilt sich der Wirkstoff schnell über die Fettschichten auf der Haut des Tieres. Werden diese abgestoßen, enthalten die Schuppen den Wirkstoff ebenfalls, wodurch auch eine gewisse Behandlung der Umgebung gewährleistet wird. Die Dosierung erfolgt nach dem Gewicht des Haustieres.

Das Nervensystem von Hund und Katze wird von dem Wirkstoff nicht beeinflusst, auch wenn die Tiere davon versehentlich etwas aufnehmen sollten. Allerdings besitzt das Arzneimittel einen stark bitteren Geschmack, der verhindern soll, dass die Tiere es ablecken. Dieser führt bereits in geringen Mengen zu einem starken Speichelfluss, der zuweilen zu dem – falschen – Schluss verleitet, der Hund erleide einen Krampfanfall. Dies sei aber nicht der Fall, betont Jaksche. Der Speichelfluss sei ungefährlich und lasse von selbst wieder nach. Saugwelpen unter acht Wochen sollten damit nicht behandelt werden.

Der Wirkstoff ist außerdem zusammen mit einen weiteren Wirkstoff gegen Zecken in Halsbändern wie Seresto® enthalten. Das Halsband wirkt sieben bis acht Monate lang. Zu den verschreibungspflichtigen Arzneimitteln mit Imidacloprid gehören Advantix®, das außerdem Permethrin, und Advocate®, das zusätzlich Moxidectin enthält.

Erst kurze Zeit auf dem Markt und daher verschreibungspflichtig sind Tabletten mit dem Wirkstoff Fluralaner (in Bravecto®), der gegen adulte Flöhe und Zecken wirkt. Nach der Gabe beginnt die Wirkung gegen Flöhe nach etwa acht und gegen Zecken nach zwölf Stunden und hält je nach Parasit acht bis zwölf Wochen an. Allerdings müssen die Parasiten den Wirkstoff bei einer Blutmahlzeit aufnehmen. Das heißt: Sie müssen ihren Wirt stechen. Dabei könne nicht ausgeschlossen werden, dass Krankheitserreger übertragen werden, so Jaksche. Ein Vorteil des neuen Arzneimittels besteht hingegen da­rin, dass es auch Hunden mit einem defekten Multi-Drug-Resistance-Protein-1 verabreicht werden kann. Dieser Defekt ist erblich und kommt vor allem bei Collies und Collie-ähnlichen Hunderassen wie Shelties und Bobtails vor. Das intakte Protein schleust unter anderem Arzneistoffe aus Körperzellen aus. Fehlt es, kann es bei entsprechenden Wirkstoffen zu Überdosierungen und damit zu Nebenwirkungen kommen.

Wichtig ist aus nun gut nachvollziehbaren Gründen auch die Behandlung der Umgebung. Dazu kann ein Umgebungsspray wie Bolfo® verwendet werden. Es enthält Cyfluthrin und Pyriproxifen, die zu den Pyrethroiden gehören. Cyfluthrin bekämpft adulte Flöhe und Larven. Pyriproxifen verhindert, dass aus den Puppen neue Flöhe schlüpfen. Es setzt also an drei der vier Entwicklungsstadien der Flöhe an. Der Schutz hält rund sechs Monate an. Wichtig: Das Spray darf niemals direkt auf das Haustier gesprüht werden.

Eine weitere Methode stellen die sogenannten Fogger dar. Diese verbreiten in der Wohnung einen Nebel, der sich großflächig absetzt. Dazu muss man die Wohnung zunächst vorbereiten: alle Lebensmittel wegräumen, ein eventuell vorhandenes Aquarium abdecken und mehr. Dann kann der Fogger in Betrieb genommen werden. Er muss frei stehen, damit sich der Sprühnebel verbreiten kann. Meist reicht einer für 60 bis 70 Quadratmeter. Manche Anwender stellten sie unter den Tisch, berichtete Jaksche aus der Praxis. Auf diese Weise könnten sie aber naturgemäß nicht wie vorgesehen wirken.

Zum Schluss entwurmen

Stufe vier des Anti-Floh-Programms besteht in einer Entwurmung, da Flöhe den Gurkenkernbandwurm übertragen können. Dies geschieht, wenn Hund oder Katze mit Wurmbefall Wurmeier mit dem Kot ausscheiden. Diese dienen den Flohlarven als Nahrung, in denen sie sich weiterentwickeln. Anschließend reifen sie im Floh aus. Gelangt der Floh durch Ablecken oder Verschlucken wieder in Hund oder Katze, können sich – meist nach etwa drei Wochen – neue Würmer entwickeln, die wiederum Eier legen, die über den After ausgeschieden werden. Diesen Kreislauf gilt es durch eine Wurmbehandlung, etwa mit Praziquantel (wie in Droncit®), zu unterbrechen. /