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Grippeimpfung

Alle Jahre wieder

11.11.2014
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Von Manuela Kupfer / Ihre Stärke ist zwar nicht vorhersagbar, eines ist jedoch gewiss: Die Grippewelle kommt – auch in diesem Winter. Als wichtigste Präventionsmaßnahme gegen eine Erkrankung gilt nach wie vor die Impfung.

Saisonale Influenzawellen gibt es – unterschiedlich stark – jedes Jahr. Meist beginnen sie nach dem Jahreswechsel. Nach Schätzungen der Arbeitsgemeinschaft Influenza verursachen Grippewellen in Deutschland jedes Jahr zwischen 1 und 7 Millionen zusätzliche Arztbesuche. Es infizieren sich circa 5 bis 20 Prozent der Bevölkerung.

Grippeviren werden auf mehreren Wegen übertragen: durch Tröpfchen­infektion beim Husten, Niesen oder mit der Atemluft von Mensch zu Mensch, durch direkten Kontakt mit einem Erkrankten und durch Berührung von Oberflächen, zum Beispiel Türgriffe, Telefone oder Geldscheine, auf denen kontaminierte Sekrete haften.

Aufgrund der leichten Übertragung kann jeder an Grippe erkranken. Die Infek­tions­gefahr ist dort am größten, wo viele Menschen zusammenkommen. Ein höheres Risiko für schwere Krankheitsverläufe haben Ältere, Schwangere und Menschen mit Grunderkrankungen. Deshalb empfiehlt die Ständige Impfkommission (STIKO) am Robert-Koch-Institut folgenden Personen die jährliche Impfung

  • allen Personen ab 60 Jahren,
  • allen Schwangeren (ab dem zweiten Trimenon),
  • Personen jeden Alters mit erhöhter gesundheitlicher Gefährdung infolge einer chronischen Erkrankung, angeborener oder erworbener Immun­defizienz oder HIV-Infektion,
  • Bewohnern von Alters- oder Pflegeheimen,
  • Personen mit erhöhter Gefährdung wie medizinisches Personal,
  • Personen in Einrichtungen mit umfang­reichem Publikumsverkehr,
  • Personen, die als mögliche Infek­tionsquelle für von ihnen betreute Risikopersonen fungieren können.

Bis das Immunsystem nach einer Impfung einen wirksamen Schutz aufgebaut hat, dauert es etwa zwei Wochen. Aus diesem Grund sollte die Impfung möglichst vor dem Jahreswechsel und damit vor dem voraussichtlichen Beginn einer verstärkten Influenzaviren-Aktivität erfolgen, also in der Regel im Oktober und November.

Die Erreger der Influenza sind Ortho­myxoviren, die in die Typen A, B und C unterteilt werden. Für Grippe­erkrankungen des Menschen sind besonders Influenza-A- und Influenza-B-Viren relevant. Deren Oberflächen sind mit spikeartigen Strukturen besetzt, die von den Glykoproteinen Hämagglutinin (HA) und Neuraminidase (NA) gebildet werden. HA ist vor allem für die Bindung des Virus an die Wirtszelle zuständig, die NA ermöglicht die Freisetzung neu gebildeter Viren aus der Wirtszelle.

Bei den Glykoproteinen gibt es mehrere Subtypen, Mediziner unterscheiden 16 HA- und neun NA-Formen. Influenza-A-Viren werden nach Typ und Subtyp benannt, zum Beispiel A(H3N2). Bei der Influenza B gibt es keine Sub­typen, seit einigen Jahren zirkulieren weltweit zwei genetisch unterschied­liche Stammlinien, die Yamagata- und die Victoria-Linie. Insbesondere das HA regt als Antigen die körpereigene Immunantwort an. Nach einer Infektion beziehungsweise Erkrankung wird eine meist lang anhaltende Basisimmunität gegen die jeweilige Virusvariante aufgebaut. Influenzaviren weisen jedoch eine hohe genetische Variabilität auf, weshalb immer wieder eine erneute Infek­tion möglich ist.

Veränderungen der zirkulierenden Influenzaviren können zum einen durch Antigendrift erfolgen, also durch Punktmutationen, die zu Änderungen der Oberflächenstruktur führen. Bei einer Antigenshift können komplette Genomsegmente verschiedener Virusstämme ausgetauscht werden (sogenanntes Reassortment).

Wenn dabei menschliche Viren mit denen anderer Säugetiere oder von Vögeln gemischt werden, entstehen völlig neue Subtypen. Gegen ein solches Virus besteht keine oder nur eine sehr geringe Immunität.

Jährliche Anpassung

Um sich gegen die sich dauernd verändernden Influenzaviren zu wappnen, muss die Zusammensetzung der Impfstoffe stetig überprüft und angepasst werden. Die Weltgesundheitsorganisation WHO führt jährlich ein globales Monitoring der zirkulierenden Influenzaviren durch und legt für die Nordhalbkugel im Februar die Impfstoff­zusammensetzung für die folgende Saison fest. Lange Zeit handelte es sich bei den verfügbaren Impfstoffen ausschließlich um trivalente Vakzine mit zwei Subtypen des Influenza-A-Virus und einem B-Virus. Seit der Saison 2013/14 gibt es in Deutschland auch quadrivalente Impfstoffe mit einer zusätzlichen B-Virus-Variante.

Da die zirkulierenden Subtypen sehr schnell mutieren, sollte die Influenzaimpfung vor allem bei älteren Menschen jährlich erneuert werden. Die Impfung des Vorjahres bietet oft nur noch einen Teilschutz gegen den aktuellen Virusstamm. Ferner beträgt die Dauer der Immunität nach der Impfung im Allgemeinen nur 6 bis 12 Monate.

Impfstoffarten

Ursprünglich waren in Deutschland ausschließlich inaktivierte Impfstoffe (Totimpfstoffe) zugelassen, seit 2012 ist ein gentechnologisch hergestellter Lebendimpfstoff mit abgeschwächten (attenuierten) Viren für Kinder im Alter von 2 bis 18 Jahren verfügbar, der durch Einsprühen in die Nase appliziert wird. Die Experten der STIKO empfehlen diesen für Kinder bis 6 Jahre. Inaktivierte Impfstoffe werden intramuskulär injiziert. Mikroinjektionssysteme ermöglichen eine intradermale Impfung, die als wirksamer betrachtet wird. Eine entsprechende Vakzine ist seit dem Jahr 2009 für Personen ab 18 Jahren zugelassen.

Weltweit wird ein Großteil der Vakzine durch Anzucht der Viren in Hühnereiern mit anschließender Aufreinigung produziert. Wenige Impfstoffe werden durch Anreicherung der Viren in Zellkulturen hergestellt und kommen ohne den Einsatz von Antibiotika, Aldehyden und Stabilisatoren aus. Meist haben Influenzaimpfstoffe keinen Wirkverstärker. Es gibt jedoch adjuvantierte Vakzine, die mittels Emulsionen (MF59, AS03) oder Virosomen eine stärkere Immun­antwort hervorrufen sollen. Davon sollen vor allem ältere Menschen mit einem eingeschränktem Immunsystem profitieren. Ob diese Impfstoffe auch zuverlässiger vor einer Erkrankung schützen, ist noch nicht geklärt.

Nebenwirkungen

Totimpfstoffe können lokale Schmerzen, Rötungen und Schwellungen an der Injektionsstelle auslösen. Bei adjuvantierten Impfstoffen kann dies stärker ausfallen. Vereinzelt können Allgemeinsymptome wie bei einer Erkältung auftreten, zum Beispiel Fieber, Frösteln, Müdigkeit sowie Kopf-, Muskel- und Gliederschmerzen.

Diese Beschwerden klingen aber gewöhnlich innerhalb weniger Tage ab. Beim Lebendimpfstoff ist die am häufigsten beobachtete Nebenwirkung eine verstopfte oder laufende Nase. Ferner können vorübergehendes Unwohlsein, verminderter Appetit oder Kopfschmerzen auftreten.

Kontraindikationen

Patienten mit einer schweren Allergie gegen Hühnereiweiß sollten keine Impfstoffe erhalten, die aus bebrüteten Hühnereiern gewonnen wurden, da diese herstellungsbedingt Spuren von Hühnereiweiß enthalten. Zudem dürfen auch Personen, bei denen eine Überempfindlichkeitsreaktion gegen einen anderen Bestandteil der Vakzine vorliegt, nicht mit dieser geimpft werden.

Kinder und Jugendliche, die an einer Immunschwäche oder an schwerem Asthma leiden oder eine Salicylat-Therapie erhalten, dürfen nicht mit dem Lebendimpfstoff geimpft werden. Wer unter einer akuten fieberhaften Erkrankung leidet, sollte sich nicht impfen lassen.

Weitere Schutzmaßnahmen

Kein Impfstoff schützt zu 100 Prozent vor einer Erkrankung. Das gilt vor allem für Menschen, deren Immunsystem generell angeschlagen ist. Daher sollten gefährdete Personen weitere Maßnahmen ergreifen, um das Ansteckungs­risiko zu verringern. Diese betreffen insbesondere die Hustenetikette und die Händehygiene (siehe Kasten). /

Vorbeugen durch Hygiene

  • Vermeidung enger Kontakte (mindestens 2 Meter Abstand), insbesondere zu Personen, die anfällig für schwere Verläufe von Infektionen sind.
  • Während der akuten Erkrankungsphase zuhause bleiben.
  • Der Partner sollte in einem anderen Zimmer schlafen.
  • Konsequente Einhaltung der persönlichen Hygiene, speziell häufiges Händewaschen.
  • Augen, Nase und Mund nicht mit den Händen berühren, bei der Begrüßung nicht die Hände schütteln.
  • In den Ellenbogen husten oder niesen, nicht in die Hand.
  • Verwenden von Einwegtaschen­tüchern und deren sorgfältige Entsorgung (Mülleimer).
  • Regelmäßiges Lüften – frische Luft ist wichtig für das Immunsystem und verringert die potenziell infek­tiöse Tröpfchenzahl in der Raumluft.