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Ebola-Fieber

Deutschland ist gut vorbereitet

11.11.2014
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Von Verena Arzbach / Die Angst vor Ebola steigt in der deutschen Bevölkerung. Dass Reisende Ebola-Fieber aus betroffenen Staaten in Afrika mit nach Deutschland bringen, ist jedoch relativ unwahrscheinlich. Damit PTA und Apotheker auf besorgte Nachfragen in der Apotheke fachlich kompetent Auskunft geben können, sollten sie wichtige Informationen zur Ebola-Epidemie kennen.

Experten halten das Risiko für sehr gering, dass Infizierte das Virus nach Deutschland einschleppen. Nach Informationen des Robert-Koch-Instituts (RKI) hat von 100 Flugreisenden aus Westafrika nur etwa eine Person Deutschland als Ziel. Außerdem finden in den betroffenen Ländern – allen voran Guinea, Liberia und Sierra Leone – Ausreisekontrollen statt. Ausschließen können die Experten aber nicht, dass ein infizierter Reisender das Virus nach Deutschland mitbringt, denn er könnte zum Beispiel während der Inkubationszeit einreisen. Er hätte sich also bereits angesteckt, würde jedoch noch keine typischen Krankheitszeichen zeigen. In solchen Fällen kann die Infektion bei der Ausreisekontrolle am afrikanischen Abflughafen gar nicht erkannt werden.

Bemerkt diese Person innerhalb von drei Wochen nach Rückkehr für Ebola typische Krankheitssymptome wie Schwäche, Kopf- und Muskelschmerzen, rät das RKI, der Betroffene sollte sich umgehend telefonisch bei einem Arzt melden.

Das Institut hat genaue Empfehlungen veröffentlicht, wann ein begründeter Verdacht auf eine Ebola-Erkrankung vorliegt: Die Person muss in den vergangenen 21 Tagen aus einem der Risikogebiete eingereist sein, mindestens Fieber haben und vor Ort mit Ebola-­Erkrankten oder -Verstorbenen, mit deren Körperflüssigkeiten oder kranken Tieren Kontakt gehabt haben.

Ist eine Infektion nach diesen Kriterien wahrscheinlich, muss verhindert werden, dass der Erkrankte weitere Personen infiziert. Daher wird der Patient isoliert und alle seine Kontaktpersonen werden beobachtet. Entwickeln zum Beispiel Freunde oder Familienangehörige für Ebola charakteristische Symptome, müssen die Ärzte dafür sorgen, dass auch diese keine weiteren Personen anstecken können.

Gut gerüstet

Dass sich das Ebola-Fieber in Deutschland ähnlich ausbreiten kann wie in Westafrika, halten Experten für relativ unwahrscheinlich. Zum einen herrschen in den Industrieländern andere hygienische Zustände, und hier gibt es – anders als in Westafrika – mit dem öffentlichen Gesundheitsdienst Strukturen, sodass zum Beispiel die Isola­tion von Patienten schnell organisiert und weitere erforderliche Maßnahmen koordiniert werden können. Laut RKI ist Deutschland auf die Versorgung von Ebola-Infizierten gut vorbereitet. Bei einem begründeten Verdacht muss der Arzt den Fall sofort dem zuständigen Gesundheitsamt melden, das sich mit einem spezia­lisierten Zentrum in Verbindung setzt. Dort existieren Sonderisolierstationen für die Behandlung von Patienten mit hoch ansteckenden Erkrankungen. Zudem sind die Mitarbeiter dieser Zentren für solche Fälle speziell ausgebildet und trainieren regelmäßig die Versorgung von Patienten.

Auch die Flughäfen in Hamburg, Düsseldorf, Frankfurt am Main und München sind für den Umgang mit hoch ansteckenden Patienten gerüstet. Meldet ein Pilot einen Ebola-Verdachtsfall im Flugzeug, wird die Maschine an einen dieser Flughäfen umgeleitet. Mithilfe von Notfallplänen werden die Patienten dort in speziellen Räumen schnell von den anderen Passagieren isoliert, untersucht und in ein geeignetes Krankenhaus verlegt.

Ärzte, Krankenschwestern und andere Helfer, die aus Westafrika nach Deutschland zurückkehren, sollten nach Empfehlung der internationalen Hilfsorganisation Ärzte ohne Grenzen 21 Tage lang nicht arbeiten und möglichst wenig Kontakt zu anderen Menschen haben. Sie sollten außerdem zweimal täglich ihre Körpertemperatur messen und bei Verdacht auf Fieber direkt in ein Krankenhaus gehen. Das RKI und die Gesundheitsministerien der einzelnen Bundesländer arbeiten momentan noch an einer konkreten Handlungsempfehlung für die zurück­gekehrten Helfer.

Übertragung durch direkten Kontakt

Ausgelöst wird die hoch ansteckende Erkrankung durch Ebola-Viren. Je nach Virus-Typ verläuft die Infektions­krankheit in bis zu 90 Prozent der Fälle tödlich. Eine An­steckungsgefahr geht nur von Menschen aus, die bereits Krankheitssymptome zeigen. Die Viren werden durch direkten Kontakt mit Erkrankten und deren Körperflüssigkeiten übertragen. Am stärksten infektiös sind Blut, Stuhl oder Erbrochenes, aber auch im Schweiß, Sperma, Speichel oder Urin sind Viren nachweisbar. Eine Infektion über die Luft schließen Experten momentan aus. Für möglich halten sie aber eine Übertragung über kontaminierte Gegenstände oder Flächen. Außerhalb des Körpers bleiben die Viren einige Tage lang infektiös, heißt es beim RKI.

Zudem ist eine Viren-Übertragung von Tieren auf den Menschen möglich. In Westafrika war der Ausgangspunkt der Ebola-Epidemie vermutlich eine Übertragung des Virus von infizierten Wildtieren auf Menschen. Eine Ansteckung ist etwa durch das Zubereiten oder den Verzehr von rohem Fleisch wilder Tiere denkbar; als »Buschfleisch« werden in Afrika beispielsweise Fledermäuse oder Flughunde gegessen, die das Ebola-Virus in sich tragen können.

Bis die ersten Krankheitszeichen nach einer Ansteckung mit Ebola-Viren auftreten, vergehen mindestens 2 und höchstens 21 Tage, in der Regel dauert es 8 bis 10 Tage. Sobald sie erste Beschwerden entwickeln und so lange sie Fieber haben, können die Erkrankten andere anstecken. Im Sperma lassen sich die Viren aber noch bis zu drei Monate nach der Genesung nachweisen.

Die Ebola-Erkrankung macht sich plötzlich durch eher unspezifische Symptome wie Fieber, Schwächegefühl, Kopf- und Muskelschmerzen, Hals- und Bindehautentzündung sowie Übelkeit bemerkbar, in einigen Fällen auch durch Hautausschläge. Im weiteren Krankheitsverlauf kommen Erbrechen und Durchfall, Funktionsstörungen der Leber und der Nieren, innere und äußere Blutungen (Hämorrhagien) hinzu. Bei schweren Verläufen versagen schließlich Organe, und die Krankheit endet tödlich.

Es gibt derzeit keine zugelassene spezifische Therapie. Die Behandlung erfolgt daher ausschließlich symptomatisch. Forscher arbeiten derzeit unter Hochdruck an der Entwicklung von Arzneistoffen gegen Ebola-Viren. Auch Impfstoffe gegen das Ebola-Virus sollen so schnell wie möglich getestet werden. /

Aktuelle Informationen zum Ebola-Fieber

Internetseite der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung:

www.infektionsschutz.de

www.bundesgesundheitsministerium.de

www.rki.de

Hinweise für Reisende auf www.auswaertiges-amt.de