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Kutane Grundlagen

Hydrophile und lipophile Cremes

24.08.2015
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Von Ingrid Ewering / Über den Erfolg einer topischen Therapie entscheidet unter anderem die richtige Wahl der Grundlage. Denn die Grundlage ist nicht nur Träger des Arzneistoffs, sondern entwickelt auf der Haut auch eine Eigenwirkung: Leichte O/W-Emulsionen wirken kühlend und sind zudem angenehm aufzutragen. W/O-Grundlagen dagegen erweichen die Haut durch den Okklusionseffekt.

Als Faustregel gilt: Je feuchter der Hautzustand, desto hydrophiler sollte das Vehikel sein, und je trockener die Haut, umso reich%shy;haltiger die Grundlage. Leichte, relativ wasserhaltige O/W-Cremes hinterlassen keine Rückstände auf der Haut, weil sie besser spreiten. Daher ziehen viele Patienten diese Zu­berei­tungen den zäheren, einen Fettfilm hinterlassenden W/O-Cremes vor. Aber gerade fettarme Haut benötigt solche lipophilen Zubereitungen. In Grafik 1 stehen Feststoff, wässrige und fettige Phase an den jeweiligen Ecken des Dreiecks.

 

Eine Lotion zum Schütteln

Die Hydrophile Basisemulsion DAC (NRF S.25) ist sehr gut geeignet für die Anwendung bei akut bis subakut erkrankter Haut. Sie ist eine nichtionische abwaschbare Emulsion mit einem hydro­philen Anteil von 93 Prozent bestehend aus Wasser und dem natür­lichen Feucht­haltefaktor Glycerol. Welche Arzneistoffe sich in die nicht­ionische Grundlage einarbeiten lassen, hängt von dem als Emulgator enthaltenen Macrogol ab. Dieses kann Wechsel­wirkungen mit phenolischen Wirk­stoffen eingehen, so zum Beispiel mit Triclosan, Salicylsäure und Tannin.

Durch das saure Konservierungsmittel Sorbinsäure entspricht der pH-Wert der Basisemulsion annähernd dem der Haut, ist also sehr gut verträglich. Da das basische Erythromycin mit der Sorbinsäure eine Säure-Base-Reaktion eingeht, verbietet sich die Einarbeitung dieses Antibiotikums. Hingegen sind Zubereitungen mit Clotrimazol problemlos möglich, die Haltbarkeit beträgt dann vier Wochen. Der Ammoniakbildner Harnstoff ist kompatibel, wenn das Konservierungsmittel wie in der NRF-Vorschrift 11.72. mit Lactatpuffer geschützt wird.

 

Die Hydrophile Basisemulsion DAC ist eine ideale Grundlage für Glucocorticoide, beispielsweise Betamethasonvalerat (NRF 11.47.) und Triamcinolon­acetonid (NRF 11.90.), die in anderen Flüssigkeiten sedimentieren würden. Die Emulsion zeigt thixotropes Fließverhalten, vergleichbar mit Ketchup, der auch erst nach dem Schütteln gießfähig wird. In Ruhe verfestigt sich das System und die feinen Feststoffpartikel liegen als Schwebstoffe homogen verteilt vor.

 

Moderne Basiscremes DAC

Mit ihren hydrophilen beziehungsweise hydrophoben Eigenschaften bilden die beiden Basiscremes DAC eine Brücke zwischen den unterschiedlichen Cremegrundlagen (siehe auch Grafik 2). Die hydrophile Basiscreme DAC ist mit lediglich 40 Prozent Wasser die fettreichste der hydrophilen Zubereitungen. Die hydrophobe Basiscreme DAC ist dagegen die wasserreichste aus der Reihe der lipophilen Cremes. Ist nur Basiscreme DAC verordnet, so ist für die Rezeptur die hydrophile Creme zu verwenden.

Die bekannte Basiscreme DAC ist zwar hydrophil, beim Auftragen fühlt sie sich im Vergleich zu anderen hydrophilen Grundlagen sehr fettig an. Ihre Eigenschaften sind mit ihrem ambiphilen Charakter erklärbar. Sie gehört also weder zu den reinen O/W- noch zu den W/O-Emulsionen, sondern ist ein Mehrphasensystem, das heißt, die Wasserphase ist nochmals aufgeteilt in eine W/O/W-­Emul­sion. Diese Struktur erlaubt sowohl den Zusatz von flüssigen Ölen im Verhältnis 3+1 als auch die Verdünnung mit Wasser bis zur flüssigen Emulsion. Die Basiscreme hat einen pH-Wert von 5 bis 6, kann aber je nach Rezeptur problemlos pH-Werte von 2 bis 12 annehmen.

 

Basiscreme DAC ist frei von klassischen Konservierungsmitteln. Der Propylenglycol-Anteil wirkt feuchtigkeitsspendend und konservierend zugleich. Die Konzentration muss dabei immer mindestens 20 Prozent bezogen auf die Wasserphase (20 Teile + 80 Teile) betragen. Sind zusätzlich 20 g Wasser rezeptiert, so errechnet sich per Dreisatz eine Einwaage von 4 g Propylenglykol und 16 g Wasser.

 

Verordnet der Arzt den Zusatz von Lauromacrogol 400 (Thesit®) als grenzflächenaktiver Substanz, kommt es zu einer Konsistenzerniedrigung, die aber akzeptabel ist. Laut Herstellungsvorschrift NRF 11.118. wird in diesem Fall klares, flüssiges Lauromacrogol 400 in die gesamte vorgelegte Grundlage eingearbeitet. Auch bei anderen tensidartigen Flüssigkeiten wie dem Schieferölprodukt Ichthyol® (Ammoniumbituminosulfonat) erfolgt die Herstellung analog der NRF-Vorschrift.

 

Aufgrund des enthaltenen Macrogols als Emulgator kann theoretisch bei Basiscreme DAC – wie bei Hydrophiler Basisemulsion DAC (siehe oben) – eine Wasserstoffbrückenbindung mit den OH-Gruppen von Phenolen erfolgen und diese Reaktion zum Brechen der Creme führen. Dies wird jedoch erst relevant, wenn die Basiscreme mit Wasser verdünnt ist. In unverdünnte Basiscreme DAC können phenolische Wirkstoffe wie Triclosan, Salicylsäure, Tannin oder Clioquinol problemlos eingearbeitet werden. Dann beträgt die Anwendungsfrist vier Wochen.

 

Im Unterschied zur Basiscreme DAC handelt es sich bei der Hydrophoben Basiscreme DAC um eine klassische W/O-Creme mit extrem großer innerer Wasserphase von circa 65 Prozent. Anders als andere lipophile Systeme ist die Hydrophobe Basiscreme DAC deshalb recht weich und leicht streich­fähig. Diese moderne und auch kosmetisch ansprechende Grundlage ist eine allergenarme Alternative zu wasserhaltigen Wollwachsalkoholsalben. Sie eignet sich für die Einarbeitung von Harnstoff und anderen Wirkstoffen, die sich in der Wasserphase lösen oder mit dieser mischen. Mit grenzflächenaktiven Stoffen wie Lauromacrogol 400 (Thesit®) ist die Hydrophobe Basiscreme DAC allerdings inkompatibel. Eine Alternative ist dann die Basiscreme DAC.

 

Hydrophobe Basiscreme DAC ist eine nichtionische Grundlage, die kein Macrogol enthält. Deshalb entstehen mit phenolischen Wirkstoffen keine Probleme. Durch Verwendung eines sauren Konservierungsmittels ist sie zudem annähernd pH-hautneutral, dadurch aber inkompatibel mit Basen wie Erythromycin.

 

Wasserhaltige hydrophile Salben

Unter der Bezeichnung »Unguentum emulsificans aquosum« finden sich in den Bestelllisten der Großhändler bis zu fünf Grundlagen. Der Unterschied liegt im Detail: So wird leicht das große N für »nichtionogene Grundlage« überlesen. Eine weitere Verwechslungs­gefahr besteht aufgrund unter­schied­licher Rezepturen in den alten und neuen Bundesländern. Die ehemals in der Rezepturensammlung der DDR aufgeführten SR-Cremes sind aktualisiert im DAC aufgeführt. Die in den westlichen Bundesländern eingesetzten hydrophilen Cremes finden sich im deutschen Arzneibuch und haben daher den Zusatz DAB. Um Verwechslungen vorzubeugen, sollte also immer »DAC« oder »DAB« angegeben werden (siehe Tabelle). Idealerweise erfolgt die Verordnung mit deutscher Bezeichnung.

Lateinische Bezeichnung Deutscher Name
Unguentum emulsificans aquosum wasserhaltige hydrophile Salbe DAB
Unguentum emulsificans aquosum SR/DAC anionische hydrophile Creme SR/DAC
Unguentum emulsificans aquosum cum propylenglycolum wasserhaltige hydrophile Salbe vor­konserviert mit Propylenglycol
Unguentum emulsificans nonionicum aquosum DAB nichtionische hydrophile Creme DAB
Unguentum emulsificans nonionicum aquosum SR/DAC nichtionische hydrophile Creme SR/DAC
Unter der Bezeichnung Unguentum emulsificans finden sich fünf verschie­dene Grundlagen.

Die Zusammensetzung der hydrophilen Grundlagen ist sehr unterschiedlich (siehe auch Grafik 3). Das DAB erlaubt die Verwendung von Vaseline, ein Produkt aus der Erdölindustrie. Die SR/DAC-Cremes dagegen sind vaselinfrei und werden deshalb von manchen Dermatologen gerade in Rezep­turen für Kinder bevorzugt eingesetzt. Nachteilig kann bei Daueranwendung deren auslaugender Effekt sein. Die SR/DAC-Cremes enthalten viel mehr wachsartige Emulgatoren als zur Phasenbildung notwendig. Diese Emulgatoren gewährleisten die Streichbarkeit der Cremes; entfettet aber bei Dauergebrauch die Haut.

 

In der Regel sind die hydrophilen Cremes konserviert. So steht beispielsweise auf dem Standgefäß: »Konserviert mit 0,1 % Sorbinsäure«. Der daraus resultierende leicht saure pH-Wert entspricht ungefähr dem der Haut. Dies trifft auch auf Cremes zu, die mit Kaliumsorbat und wasserfreier Citronensäure vor mikrobiellem Befall geschützt sind. Dagegen weist die mit Propylenglykol vor mikrobiellem Verderb geschützte Creme keinen sauren pH-Wert auf, sodass sich basische Wirkstoffe wie Clotrimazol sehr gut einarbeiten lassen.

 

Negativ geladene Cremes brechen bei Zugabe von kationischen Wirkstoffen. Deswegen ist es empfehlenswert ein [–] auf dem Standgefäß der Grund­lage anzubringen und ein [+] auf den Gefäßen von kationischen Arzneistoffen wie Chlorhexidindigluconat oder Gentamicinsulfat. Eignet sich die Grund­lage nicht für den angegebenen Wirkstoff, ist als Alternative eine nicht­iono­gene Grundlage mit einem ungeladenen Emulgator zu wählen. Nicht­iono­gene Grundlagen können wiederum mit bestimmten Phenolen reagieren, da sie Macrogole als Emulgator enthalten. Diese Zusammenhänge müssen bei der Plausibilitätsprüfung berücksichtigt werden. Einen Überblick bezüglich des galenischen Verhaltens der Hydrophilen Cremes verschafft Grafik 3.

Lipophile Cremes

Im Apothekenalltag nicht selten: Wasser­haltige Wollwachsalkoholsalbe bricht bei Zugabe bestimmter Wirkstoffe. Dieses Phänomen hängt davon ab, welche Wollwachsalkoholsalbe verwendet wurde. Es gibt drei Varianten: das Markenprodukt Eucerin® cum aqua, Wollwachsalkoholsalbe DAB und auch eine SR/DAC-Variante.