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Markteinführungen

Zwei neue Wirkstoffe im Handel

24.08.2015  11:04 Uhr

Von Sven Siebenand / Seit Mitte August ist ein neuer Wirkstoff zur Prävention von Chemotherapie-bedingter Übelkeit und Erbrechen im Handel. Zudem steht Ärzten ein neuer Antikörper für die Hautkrebs-Behandlung zur Verfügung.

Einige Chemotherapien lösen schwere Übelkeit und starkes Erbrechen aus. Mit Akynzeo® 300 mg/0,5 mg Hartkapseln von Riemser ist ein neues Kombinationspräparat zur Vorbeugung von Übelkeit und Erbrechen bei erwachsenen Patienten, die eine Chemotherapie erhalten, auf dem Markt verfügbar. Nach der Chemotherapie sollen Ärzte das neue Präparat nicht mehr gegen Übelkeit und Erbrechen einsetzen.

Akynzeo enthält den bereits seit Längerem bekannten Wirkstoff Palono-setron (0,5 mg) und den neuen Arzneistoff Netupitant (300 mg). Laut Fachinformation sollen die Patienten eine Stunde vor Beginn jedes Chemotherapie-Zyklus eine Kapsel einnehmen, zu einer Mahlzeit oder unabhängig davon. Erhalten die Patienten bereits Dexamethason gegen Übelkeit und Erbrechen, so wird dazu geraten, die Dosis des Corticoids auf die Hälfte zu reduzieren.

Beide Arzneistoffe des Kombina­tionspräparats ergänzen sich in ihrer Wirkung: Palonosetron blockiert im Darm bestimmte Serotonin-Rezeptoren, die für die frühe Phase von Übelkeit und Erbrechen verantwortlich sind. Netupitant hemmt dagegen Neuro­kinin-1-Rezeptoren im Nervensystem, die für die verzögerte Phase verantwortlich sind. Die Kombination aus einem Setron und einem Neurokinin-1-Antagonisten wie in Akynzeo ermöglicht also die Kontrolle sowohl der frühen als auch der verzögerten Phase der Übelkeit und des Erbrechens aufgrund einer Chemotherapie.

Schwangere und Stillende dürfen das neue Arzneimittel nicht einnehmen. Der Hersteller empfiehlt, das Stillen während der Behandlung mit Akynzeo und für einen Monat nach der letzten Dosis zu unterbrechen. Frauen im gebärfähigen Alter müssen während und bis zu einem Monat nach Behandlung mit Akynzeo zuverlässig verhüten und vor Behandlungsbeginn muss eine Schwangerschaft sicher ausgeschlossen sein.

Auch hämodialysepflichtige Patienten mit terminaler Niereninsuffizienz sollten das neue Präparat nicht erhalten. Vorsicht geboten ist zum Beispiel bei Patienten mit eingeschränkter Leberfunktion, bei Über-75-Jährigen und bei der Kombination mit Arzneimitteln, die das QT-Intervall verlängern. Wie bei anderen serotonergen Arzneimitteln muss der Arzt auch bei Akynzeo die Möglichkeit eines Serotonin-Syndroms in Betracht ziehen.

Netupitant ist ein mäßiger CYP3A4-Inhibitor. Daher müssen Ärzte laut Fachinformation von Akynzeo einige Wechselwirkungen beachten: So sollten sie das neue Präparat nur mit Vorsicht bei Patienten anwenden, die gleichzeitig Substanzen mit geringer therapeutischer Breite einnehmen, die durch CYP3A4 metabolisiert werden, etwa Ciclosporin, Tacrolimus, Sirolimus, Everolimus, Alfentanil, Diergot-amin, Ergotamin, Fentanyl und Chinidin. Sind die verordneten Chemotherapeutika CYP3A4-Substrate, sollten die Patienten daraufhin überwacht werden, ob unter der Chemotherapie vermehrt toxische Wirkungen auftreten. Zudem kann Netupitant die Wirksamkeit der Chemotherapeutika beeinträchtigen, deren aktive Form erst nach Metabolisierung durch CYP3A4 entsteht. Zu Vorsicht wird geraten, wenn Netupitant mit Digoxin oder anderen P-gp-Substraten wie Dabigatran oder Colchicin oder mit einem oralen Substrat des Enzyms UGT2B7, etwa Zidovudin, Morphin oder Valproinsäure, kombiniert wird.

Da Netupitant selbst in erster Linie durch CYP3A4 metabolisiert wird, ist bei gleichzeitiger Anwendung starker CYP3A4-Inhibitoren ebenfalls Vorsicht geboten und die Kombination mit starken CYP3A4-Induktoren zu vermeiden.

Als häufige unerwünschte Wirkungen führte Akynzeo in Studien zu Kopfschmerzen, Verstopfung und Ermüdung.

Neues Hautkrebsmittel

Mit Pembrolizumab (Keytruda® 50 mg Pulver für ein Konzentrat zur Herstellung einer Infusionslösung, MSD) ist seit Mitte August ein monoklonaler Antikörper zur Immuntherapie bei Hautkrebspatienten verfügbar. Ärzte dürfen das Präparat als Monotherapie Erwachsenen mit fortgeschrittenem metastasiertem oder operativ nicht entfernbarem malignem Melanom verordnen.

Pembrolizumab binden an den sogenannten Programmed-Death-(PD)-1-Rezeptor auf T-Zellen. Dadurch blockiert der Antikörper die Interaktion zwischen dem Rezeptor und seinen Liganden, also einen Signalweg, der das Immunsystem sonst ausbremst. Damit versetzt der neue Wirkstoff das körpereigene Immunsystem in die Lage, wieder verstärkt selbst gegen den Krebs zu kämpfen. Die Patienten erhalten die empfohlene Dosierung von 2 mg/kg Körpergewicht alle drei Wochen als intravenöse Infusion, die 30 Minuten dauert.

Sehr häufig führte Pembrolizumab in Studien zu Durchfall, Übelkeit, Juckreiz, Hautausschlag, Gelenkschmerzen sowie Müdigkeit und Erschöpfung. Die schwersten Nebenwirkungen waren immunvermittelt sowie infusionsbedingt. Bei durch die Infusion ausgelösten Reaktionen sollte der Arzt die intravenöse Gabe sofort stoppen und Pembrolizumab dauerhaft absetzen. Reagieren die Patienten hingegen nur leicht oder moderat auf die Infusion, können sie den Antikörper unter engmaschiger Überwachung weiter erhalten. Zudem kann der Arzt erwägen, ihnen vorab ein Antipyretikum und Antihistaminikum zu geben.

Auf immunvermittelte Nebenwirkungen, zum Beispiel Colitis, Pneumonitis oder Hepatitis, geht der Hersteller in der Fachinformation detaillierter ein. Besteht der Verdacht auf immunvermittelte Nebenwirkungen sollte der Arzt den Zusammenhang angemessen abklären und andere Ursachen sicher ausschließen. Abhängig vom Schweregrad der Nebenwirkung sollte er die Gabe von Pembrolizumab unterbrechen und dem Patienten Corticosteroide geben. In der Fachinformation macht MSD genaue Vorgaben, wann die Behandlung mit dem Antikörper unterbrochen oder ganz beendet werden sollte.

Schwangere sollten kein Pembrolizumab erhalten, es sei denn, der klinische Zustand der Frau erfordert dies. Frauen im gebärfähigen Alter müssen während der Behandlung mit Pembrolizumab und mindestens vier Monate nach der letzten Dosis zuverlässig verhüten. Bei Stillenden ist zu entscheiden, ob sie das Stillen oder die Behandlung mit dem Antikörper unterbrechen oder keine Infusionen mit Pembrolizumab mehr erhalten. Bei dieser Entscheidung muss der Arzt sowohl den Nutzen des Stillens für das Kind als auch den Nutzen der Therapie mit Pembrolizumab für die Mutter berücksichtigen. /

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