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Mate

Grünes Gold der Indios

29.08.2016
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Von Monika Schulte-Löbbert / Die belebende Wirkung des Matetees schätzten bereits die Indios Lateinamerikas. Bei den Europäern konnte sich Matetee jedoch nicht gegen ­Kaffee und schwarzen Tee durchsetzen. Mittlerweile haben hierzulande einige Fitnessbewusste Mate entdeckt. Durch seine zentral anregende Wirkung hilft er bei körperlicher und geistiger Erschöpfung.

Der immergrüne Matestrauch oder -baum (Ilex paraguensis St. Hil.) aus der Familie der Aquifoliaceae (Stechpalmengewächse) bevorzugt Höhenlagen von 400 bis 800 Metern in dem feuchtwarmen ­Klima der Subtropen Südamerikas zwischen dem 20. und 30. südlichen Breitengrad. Sein Verbreitungsgebiet erstreckt sich über Paraguay, Süd-Brasi­lien und Nord-­Argentinien. In Wildbeständen wird ­die Pflanze bis zu 15 Meter hoch,­ in Kulturen höchstens fünf bis sechs Meter. Der hellgraue Stamm verzweigt sich nach oben zu einer oval zulaufenden Krone. Die derb bis lederartigen, etwa 15 Zentimeter langen, elliptischen Blätter stehen wechselständig, ihr Blattrand ist stachelig gesägt.

Zur Blütezeit sitzen in den Blatt­achseln Büschel aus weißen, getrennt geschlechtlichen Blüten mit je vier Kronblättern. Aus den weiblichen Blüten reifen rote Steinfrüchte mit vier bis sechs Samen heran. Die sehr harte Fruchtschale verhindert ein natürliches Keimen. Damit der Keimling die Schale durchbrechen kann, muss die Frucht erst den Verdauungstrakt eines Vogels passieren.

Erste Ernte nach vier Jahren

Für den Anbau in Kulturen werden die Früchte des Matestrauches mechanisch vorgeschädigt und in Wasser aufgeweicht. Danach dauert die Keimung noch etwa drei Monate. Da die kleinen Matepflanzen in den ersten beiden Jahren lichtempfindlich sind, müssen sie in den Plantagen beschattet werden. In ihrer natürlichen Umgebung bietet das Unterholz den Pflänzchen ausreichend Schutz.

Damit die neuen Sprosse kräftiger austreiben und fülliger nachwachsen, werden die zweijährigen Jungpflanzen in den Kul­turen kurz über dem Boden abgeschnitten. Nach vier Jahren erfolgt die erste Ernte, anschließend – je nach Anbaugebiet – in einem ein- oder zweijährigen Intervall. Erfahrungsgemäß liefern etwa zwei Jahre alte Pflanzen die beste Qualität.

Zur Erntezeit im südamerikanischen Winter, das heißt von Mai bis September, schlagen die Plantagenarbeiter ganze Äste von den Matesträuchern. In denselben Monaten durchstreifen auch Sammler die Wälder und schneiden mit großen Macheten die beblätterten Zweigspitzen der Matesträucher ab. Noch heute stammt etwa die Hälfte der auf dem Markt angebotenen Mateblätter von wild wachsenden Pflanzen.

Geröstete oder grüne Variante

Im Handel wird grüner Mate und gerösteter Mate angeboten. Der geröstete Mate entsteht, indem die Zweige mit den Blättern unverzüglich nach der Ernte in offenen Drahttrommeln über einem Feuer gedreht werden. Bei diesem ersten Trocknungsvorgang werden Enzyme zerstört und eine Fermentation gestoppt. Dadurch entsteht das charakteristische Aroma des Tees und die grüne Farbe der Blätter bleibt erhalten. Zum Schutz der Inhaltsstoffe, besonders des Coffeins, erfolgt die weitere Trocknung rasch bei 80 bis 100 °C. Für den grünen Mate wird das zerkleinerte Erntegut bei 50 bis 60 °C etwa einen Monat lang fermentiert und dann eine Minute lang auf 400 °C erhitzt. Beide Sorten werden anschließend getrocknet, bis die Restfeuchtigkeit 8 bis 9 Prozent beträgt. Matetee schmeckt rauchig bis erdig und etwas süß-säuerlich.

Je nach Zerkleinerungsgrad und Lagerungszeit werden die getrockneten Mateblätter zu unterschiedlichen Produkten weiterverarbeitet. Das Angebot reicht von gerösteten Mateblättern über Trockenextrakte, lösliche Instantprodukte bis hin zu Matepastillen. ­Ein als »Club-Mate« bekanntes coffein­haltiges, alkoholfreies Erfrischungsgetränk hat in den letzten Jahren vor ­allem in der »Hackerszene« geradezu Kultstatus erreicht.

Beschreibung durch Jesuitenpater

Die Guarani-Indianer Paraguays nutzten als erste die belebende Wirkung der Mateblätter. Überlieferungen zufolge konnten sie dank ihrer Hilfe tagelang ohne Nahrung auskommen, ohne Kraft zu verlieren. Als die Spanier im 16. Jahrhundert Südamerika eroberten, lernten sie bei den Indios das anregende Getränk und seine Zubereitung kennen. Der Name »Mate« geht auf das Guarani-Wort »mati« zurück. Damit bezeichnen die Indios eigentlich das kürbisartige Gefäß, die Kalebasse, aus der sie den Matetee trinken (siehe Kasten auf Seite 36). Der Behälter gab also dem Getränk und der Pflanze den Namen.

Als Jesuiten im 17. Jahrhundert das heutige Paraguay missionierten, begannen sie mit dem systematischen Plantagenanbau von Mate. Mit den hohen Gewinnen aus dem Matehandel finanzierten sie ihre Missionsstationen und schufen im Laufe der Zeit in ganz ­Lateinamerika eine Art Monopol auf Mateproduktion und -handel.

Der Jesuitenpater Pedro Montenegro (1663–1728) widmete sich besonders der medizinischen Anwendung von Mateblättern. Er schrieb der Pflanze vor allem adstringierende Eigenschaften zu und empfahl Matetee bei Durchfall. Zerstampfte Mateblätter benutzte er als Wundheilmittel sowie als Analgetikum bei Zahnschmerzen. Noch heute verwenden Südamerikaner Zubereitungen aus Mate in ähnlicher Weise, wie Montenegro es empfahl.

Ende des 18. Jahrhunderts gelangte die erste Exportware nach Europa, wo sich die Eigenschaften des Matetees schnell herumsprachen. Doch weder als Genuss- noch als Heilmittel erlangte er in Europa eine vergleichbare Wertschätzung wie in Südamerika.

Seinen botanischen Namen »Ilex paraguariensis St. Hil.« erhielt Mate von dem französischen Botaniker Auguste de St. Hilaire (1779–1853), der sich während seiner Forschungsreisen in Südamerika intensiv mit der Pflanze beschäftigte. In einem Bericht an die französische Akademie der Wissenschaften schlug er den Namen Ilex paraguariensis vor.

Zwei Monographien im DAC 2004

Matetee bieten heute nicht nur Apotheken, sondern auch Teeläden, Drogeriemärkte, Supermärkte und Händler im Internet an. Wegen möglicher Verfälschungen mit anderen Ilex-Arten sollten PTA oder Apotheker nur Tees mit Arzneibuchqualität empfehlen. Die Droge stammt überwiegend aus Brasilien, teilweise auch aus Argentinien und Paraguay. Der DAC 2004 enthält zwei Monographien: Grüne Mateblätter – Mate folium viride und Geröstete Mateblätter – Mate folium tostum. Die Stammpflanze beider Drogen ist Ilex paraguariensis St. Hil., sie unterscheiden sich jedoch leicht im Geschmack und im Coffeingehalt. Je nach Alter der Blätter schwankt der Coffeingehalt von 0,9 bis 2,2 Prozent. Der DAC fordert für Grüne Mateblätter mindestens 0,6 Prozent, für Geröstete Mateblätter 0,4 Pro­zent Coffein, bezogen auf die getrocknete Droge.

Außerdem enthält die Droge geringe Mengen an Theobromin und Spuren von Theophyllin. Neben Kaffeesäurederivaten, Flavonoiden und Saponinen wurden in der Droge auch phenolische Verbindungen mit Gerbstoffcharakter sowie Vitamine und Mineralstoffe nachgewiesen. Da das Mate-Coffein zum Teil an Caffeoylchinasäuren gebunden ist, wird es im Körper nach und nach freigesetzt. Die belebende Wirkung tritt deshalb langsamer ein als bei Kaffee, hält dafür aber länger an. Deshalb gilt: Matetee regt an und nicht auf!

Vielseitige Wirkungen des Coffeins

Die zahlreichen Wirkungen des Coffeins sind lange bekannt und größtenteils klinisch nachgewiesen. Auch das Coffein in den Mateblättern wirkt anregend auf das Zentralnervensystem und verbessert die psychomotorische Leistungsfähigkeit. Daher bewertete die Kommission E des ehemaligen Bundesgesundheitsamtes im Jahr 1988 Matetee positiv zur Anwendung bei geistiger und körperlicher Ermüdung. Die analeptischen, diuretischen, positiv inotropen und chronotropen wie auch die zentral stimulierenden Eigenschaften der Droge sprechen für diese Anwendung.

Zubereitung in Südamerika

Die Südamerikaner bereiten ihren Matetee einer langen Tradition folgend ganz anders als die Europäer zu: Zunächst übergießen sie die Blätter in einem ausgehöhlten Kürbis mit heißem Wasser. Dann trinken sie den Tee direkt aus dem Zubereitungs­gefäß mit Hilfe der sogenannten Bombilla. Das ist ein siebartig verschlossenes, meist silbernes Röhrchen, durch das sie den Tee wie durch einen Strohhalm saugen, aber ohne die Blattstückchen aufzunehmen. Je nach Qualität der Mateblätter wird der Ansatz bis zu zehnmal erneut mit heißem Wasser aufgegossen.

Da Coffein die Diurese verstärkt, werden Mateblätter harntreibenden Tees beigemischt. So ist Mate zum Beispiel Bestandteil des Blasen- und Nierentees NRF.

Neben der wissenschaftlich ge­sicherten Indikation gibt es in der Volksmedizin eine Vielzahl weiterer Einsatzgebiete. So soll er die Gewichtsreduktion erleichtern und Hungergefühle unterdrücken. Aber Matetee ist kein Schlank­macher! Plausibel erscheint, dass das zentral erregende Coffein den gesamten Organismus mobilisiert und Abnehmwillige kein Hungergefühl verspüren. Zur Unterstützung von Fastenkuren ist Matetee eine gute Empfehlung wie in Bad Heilbrunner Mate Tee Grün oder Sidroga® Wellness Entschlackungstee sowie der H&S Figurtee. Als isotonisches Getränk ersetzt er die mit dem Schweiß ausgeschiedenen Mineralien so gut wie kein anderer Tee.

Wer Matetee zubereiten möchte, hat die Wahl zwischen gerösteten und ungerösteten Blättern. Der Tee aus gerösteten Blättern schmeckt ähnlich wie Schwarzer Tee, aus ungerösteten ähnlich wie grüner Tee. Zur Teebereitung wird etwa 1 Teelöffel Blätter (circa 1,5 Gramm) mit heißem, nicht mehr sprudelnd kochendem Wasser übergossen und nach fünf bis zehn Minuten abgeseiht. Als Tagesdosis gelten 3 Gramm Droge. Wie beim Schwarzen Tee geht das Coffein schneller in Lösung als die Gerbstoffe. Deshalb wirkt der Tee bei kurzer Brühzeit belebender. Eine Tasse Tee (150 ml) enthält etwa 25 mg Coffein. Matetee ist gut verträglich und bei Einhaltung der empfohlenen Tagesdosis sind keine Nebenwirkungen zu erwarten.

Bestandteil des Alltagslebens

Früher bereiteten die Südamerikaner den Tee in einem Ritual für Familie und Gäste zu. Heute hat sich der Genuss von Matetee zum ganz normalen Bestandteil des Alltagslebens entwickelt: Er wird zur Begrüßung gereicht, bei Besprechungen mit Arbeitskollegen oder mit Freunden in aller Ruhe getrunken. Wie der Five-o’clock-tea zu England gehört, so liebt der Argentinier seinen Zu-jeder-Tages-und-Nachtzeit-Mate. /