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Glosse

Pokémon-Jagd in der Apotheke

29.08.2016
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Von Sven Siebenand / Irgendwann musste es so kommen. Nach zähen Verhandlungen mit dem DAV macht Nintendo endlich den Weg frei. Deutsche Apotheken können ab sofort offizieller Pokéstop sein.

Unter www.nintendo.pharm/monsterapotheke [Achtung, Glosse! Diese Webadresse existiert nicht.] können Sie sich registrieren und damit Ihre Kundenfrequenz ins Unendliche steigern. Pokémon-Jäger jeder Altersklasse werden Ihnen die Apotheke einrennen, die Regale leerkaufen und die Kassen mit Goldmünzen füllen. Schnell sein lohnt sich. Die ersten 1000 eingeschriebenen Apotheken profitieren laut Nintendo Pharmaceuticals von speziellen Einkaufskonditionen.

In Zeiten grassierenden Spielfiebers sollten Sie immer ausreichend Paracet­opok vorrätig halten. Denken Sie auch im Notdienst daran, sich damit einzudecken oder tauschen Sie unter Angabe der Sonder-PZN für »unverzügliche Abgabe erforderlich« gegen Pyralpok aus. Auch Pikachu­cillin-Trockensaft für den App-infizierten Nachwuchs, Pokemycin-Salbe für wundgespielte Finger und die streng ­limitierte Pokémonster- Augenklappe gegen Smartphone-Blindheit gehören ins Notfalldepot.

Nintendo Pharmaceuticals steckt mitten in den Planungen für eine riesige Werbekampagne. Bunte Pokébälle sollen die Schaufenster der Apotheken-Arenen schmücken und große Plakate können auf Himmihbeeren-Dickextrakt zu Sonderkonditionen hinweisen. Sie wissen schon: Wenn sich das Fangen eines Pokémons als zu schwierig herausstellt, greift ein Monsterjäger gerne mal zur Himmihbeere, eine auf iOS- und Android-haltigen Böden gut gedeihende Pokemona­cee – von der Kommission P positiv monographiert.

Umfragen zeigen, wie hoch das Vertrauen der Pokémon-Gemeinde in die Apotheke ist. Wo sonst kommt man an den wichtigen Heiltrank, um die Kraftpunkte eines Monsters wiederherzustellen? Beraten Sie! Adhärenz ist ­wichtig! Meist sind mehrere Drinks notwendig, um ein Pokémon vollständig genesen zu lassen. Reden Sie laienverständlich und bezeichnen Sie sich gegenüber einem Monster­jäger als wahrer Beleber. Zugegeben, das klingt ziemlich suspekt, wird Ihnen aber ohne jeden Zweifel großen Respekt einbringen.

Auch die Chancen für Zusatzverkäufe stehen bestens. In den Stunden bevor ein neues Pokémon aus seinem Ei schlüpft, brauchen die Monster­jäger etwas Gutes und Wirksames zur Beruhigung: Pokésed-Globuli gibt’s gleich im Kilopack – natürlich nur in Ihrer Apotheke.

Wie lange der Hype um die Pokémons noch anhält, weiß keiner. Urplötzlich könnte das Tamagotchi aus eigener Kraft wieder zum Leben erwachen. Dann kann es ratzfatz mit Rattfratz, Smogmog und all den anderen Monstern wieder ein Ende haben. Mit Pokévac steht auch schon ein therapeutischer Impfstoff gegen diese Pandemie kurz vor der Zulassung. Und für alle, denen beim Gedanken an einen Pokéstop in der eigenen Apotheke so richtig übel wird, gibt es heute bereits Vomepok-Tabletten. /