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Impfen

Den Nutzen betonen

25.08.2017
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Von Corinna Franz / Einige Viren können lebensbedrohliche Krankheiten hervorrufen. Das macht es so bedeutsam, Patienten immer wieder auf die Notwendigkeit von Impfungen hinzuweisen.

Die Impfempfehlungen der Ständi­gen Impfkommission (STIKO) am Robert Koch-Institut umfassen Impfungen gegen verschiedene Viren, aber auch gegen Bakterien sowie Bakterientoxine (Tetanus und Diphtherie). Für bestimmte Risikogruppen, wie zum Beispiel chronisch Kranke oder beruflich gefährdete Personen, geben die Experten der STIKO weitere Empfehlungen.

Impfungen schützen nicht nur jeden Einzelnen, sondern haben darüber hinaus auch Wirkungen auf die Menschen in dessen Umgebung oder sogar auf die ganze Welt. Das trifft zum Beispiel­ auf die Masern zu. Die hoch an­steckenden Masern sind weder eine harmlose Kinderkrankheit noch Privatsache. Sie stehen bei der Weltgesundheitsorganisa­tion (WHO) neben Kinder­lähmung, HIV und Tuberkulose ganz oben auf der Liste der in der Welt zu bekämpfenden Infektions­krankheiten.

Masern verursachen außer Fieber und Hautausschlag regelmäßig eine vorübergehende, über Wochen an­hal­tende Immunschwäche. In dieser Zeit sind die Betroffenen daher anfällig für weitere Infektionen. Besonders gefürchtet ist die Masern-Enzephalitis, eine Entzündung des Gehirns, die bei etwa einem von 1000 Erkrankten auftritt. 10 bis 20 Prozent der an Enzephalitis Erkrankten sterben, bei 20 bis 30 Prozent bleiben Dauerschäden am ZNS ­zurück. Eine weitere Komplikation ist die subakute sklerosierende Panenzephalitis (SSPE), die sich mehrere Jahre nach einer Masernerkrankung entwickelt und immer zum Tod führt. Das ­SSPE-Risiko ist bei Kindern, die sehr jung erkranken, besonders groß. Insgesamt liegt die Rate der SSPE-Fälle bei vier bis elf pro 100 000 Masernerkrankungen.

Wären 95 Prozent der Weltbevölkerung zweimal gegen Masern geimpft, könnte die Krankheit eliminiert werden. Die WHO hat hierfür als Ziel formuliert, dass höchstens ein Masernfall pro eine Million Einwohner eines Staates auftreten darf. Dies ist für manche Erdteile schon erreicht worden: Nord- und Südamerika sind frei von einheimischen Masern; dort treten Erkrankungsfälle nur noch durch eingeschleppte Masern auf.

In Deutschland lassen viele Eltern ihre Kinder oft zu spät oder nur einmal gegen Masern impfen. Dabei empfiehlt die STIKO für alle Säuglinge ab elf Monaten die zweima­lige Impfung gegen Masern (sowie gegen Mumps, Röteln und Windpocken/Varizellen). Zudem raten die Experten, fehlende Impfungen möglichst bald nachzuholen.

Erwachsenen, die nach 1970 geboren wurden und als Kind nicht oder nur einmal gegen Masern geimpft wurden oder deren Impfstatus unklar­ ist, wird eine einmalige Impf­ung mit einem MMR-Impfstoff empfohlen.

Polio fast verschwunden

Viele Staaten in Mittel- und Westeuropa erreichen dieses Ziel leider nicht, darunter auch Deutschland: 2015 erkrankten hier 2464 Menschen an Masern­, 2016 gab es 323 Fälle. In diesem Jahr haben sich bereits mehr als 800 Menschen damit infiziert. Beeindruckend nah ist die WHO ihrem Ziel, die Kinderlähmung weltweit zu bannen. Die WHO-Regionen Amerika, Westpazifik, Europa und Südostasien sind bereits poliofrei. Seit 2015 gilt das Poliowildvirus Typ 2 als ausgerottet. Vor Beginn der Kampagne im Jahr 1988 erkrankten weltweit jährlich schätzungsweise 350 000 Menschen. 2016 waren es nur noch 27 Erkrankungen durch das Poliowildvirus Typ 1. Diese Fälle traten in Krisengebieten auf, in denen nicht alle Kinder geimpft werden konnten: in Nordost-Nigeria, Pakistan und Afghanistan.

Bis die Kinderlähmung weltweit ausgerottet ist, muss daher weiter geimpft werden. Lässt in einem Land die Impfbereitschaft nach, kann Polio rasch durch eingeschleppte Viren ausbrechen. In Deutschland liegt die Impfrate so hoch, dass ein Ausbruch nicht zu befürchten ist. Beträcht­liche Impflücken bestehen in Europa jedoch noch in der Ukraine, Rumänien sowie in Bos­nien und Herzegowina.

Im Schutz der Herde

Eine ganze Reihe von Viren, wie Masern, Röteln oder Windpocken, können nur von Mensch zu Mensch verbrei­tet werden. Sind genügend Menschen geimpft, wird die Infek­tionskette unterbrochen. Dann besteht­ eine sogenannte Herden­immunität, sodass auch diejenigen geschützt sind, die (noch) nicht geimpft werden können. Diesen Schutz benötigen zum Beispiel Neugeborene und junge Säuglinge, Schwangere oder Menschen, deren Immunsystem geschwächt ist. Eine Animation und einen Simulator für Herdenimmunität stellt die Bundeszentrale für gesundheitliche Auf­klärung (BZgA) zur Verfügung unter: www.impfen-info.de/wissenswertes/herdenimmunitaet/

Im Jahr 2005 hat die WHO-Region Europa beschlossen, auch die Röteln durch konsequente Impfung zu eliminieren. Sowohl Röteln als auch Wind­pocken (Varizellen) können besonders in den ersten Schwangerschaftswochen Missbildungen am Fötus hervorrufen. Erkrankt die Schwangere um die Geburt herum an Windpocken, kann dies für das Neu­geborene lebensbedrohliche, häufig tödliche Folgen haben.

Die STIKO-Experten empfehlen Impfungen gegen Röteln und Wind­pocken für alle Kinder, auch damit sie andere, vor allem auch Schwangere, nicht anstecken. Frauen im gebärfähigen Alter sollten ihren Impfschutz überprüfen und gegebenenfalls vervollständigen. Schwangere dürfen nicht geimpft werden.

Schutz vor Gebärmutterhalskrebs

Die Infek­tion mit bestimmten Humanen Papillomaviren (HPV) kann bei Mädchen und Frauen Zellveränderungen auslösen, die später zu Gebärmutterhalskrebs führen können. Übertragen werden diese Viren bei Sexualkontakten. Für den bestmöglichen Schutz sollten Mädchen die Impfung daher vor dem ersten Geschlechtsverkehr erhalten.

Ebenfalls vor allem über Sexualkon­takte übertragen wird das Hepatitis-B-Virus. Es ist genau wie das Immunschwäche auslösende HI-Virus in Blut und Körperflüssigkeiten von Infizierten enthalten. Bei Hepatitis-B-Viren ist das Infektionsrisiko jedoch deutlich größer, da das Virus viel ansteckender und gegenüber Umwelteinflüssen deutlich resistenter ist. Außerdem können mit Hepatitis B infizierte Frauen das Neugeborene während der Geburt an­stecken. Bei den Jüngsten ist das Risiko für einen chronischen Verlauf der Infektion am größten, der Jahrzehnte später zu schweren Leberschäden und zum Tod führen kann.

Aber auch unhygienisches Arbeiten bei Piercings oder Tattoos birgt die Gefahr einer Hepatitis-B-Über­tragung. Neben allen Kindern im Säuglings­alter empfiehlt die STIKO die Hepatitis-B-Impfung auch Risiko­gruppen. Hierzu gehören zum Beispiel Menschen mit Lebererkrankungen, medizinisches Personal und homo­sexuelle Männer.

Gefahr für die Kleinsten

Durch Rotavirus ausgelöste Durchfälle können besonders bei sehr jungen Säuglingen schnell zur Dehydratation führen, sodass viele stationär im Krankenhaus behandelt werden müssen. Die Impfung gegen Rotavirus ist die früheste Impfung im Impfkalender.

Weitere Impfungen gegen Viren, etwa gegen FSME, Hepatitis A oder Tollwut, empfiehlt die STIKO Menschen mit einem erhöhten Risiko, sich anzustecken oder einen besonders schweren Krankheitsverlauf zu erleiden. Zu einigen Impfungen hat die STIKO neue Empfehlungen herausgegeben, die Sie hier nachlesen können Impfempfehlungen: Neues bei Hepatitis, Tetanus und Herpes. /

Impfempfehlung zu

In Deutschland lassen viele Eltern ihre Kinder oft zu spät oder nur einmal gegen Masern impfen. Dabei empfiehlt die STIKO für alle Säuglinge ab elf Monaten die zweimalige Impfung gegen Masern (sowie gegen Mumps, Röteln und Windpocken/Varizellen). Zudem raten die Experten, fehlende Impfungen möglichst bald nachzuholen.

Erwachsene, die nach 1970 geboren wurden und als Kind nicht oder nur einmal gegen Masern geimpft wurden oder deren Impfstatus unklar ist, wird eine einmalige Impfung mit MMR-Impfstoff empfohlen.