PTA-Forum online
Akne

Geduld und Ausdauer gefragt

25.08.2017
Datenschutz

Von Ulrike Viegener / Akne belastet die Betroffenen. Moderate und schwere Erscheinungsformen sollten vom Dermatologen begleitet werden. Zu leichteren Formen zu beraten, liegt in der Hand von PTA und Apothekern.

Propionibacterium acnes heißt das Stäbchenbakterium, das maßgeblich an Acne vulgaris beteiligt ist und deshalb vielen Teenagern das Leben schwer macht. Allerdings zeigt sich Akne auch über die Pubertät hinaus: Bei über zehn Prozent der Betrof­fenen treten die Hautläsionen im Erwachsenenalter wieder auf (Acne tarda).

Propionibacterium acnes lässt sich leider nicht einfach ausschal­ten, denn es ist Teil der normalen Hautflora, der sogenannten residenten Flora, die dafür sorgt, dass sich keine weitaus gefährlicheren pathogenen Keime auf der Haut festsetzen und ausbreiten.

Das Aknebakterium selbst zählt zu den fakultativ pathogenen Keimen. Normalerweise ist es also harmlos und verhält sich unauffällig. Unter bestimmten Bedingungen wird es jedoch zum pathogenen Faktor. Durch hormonelle Veränderungen in der Pubertät begünstigt, vermehren sich Propionibakterien dann stark und provozieren in den Zellen der Talg­drüsen die Freisetzung entzündungsfördernder (proinflammatorischer) Boten­stoffe. In der Folge entstehen eitrige Pickel. Dabei scheinen nur einige der rund 100 bekannten Stämme eine Rolle zu spielen. Welche Bedingungen welche Stämme »aggressiv« werden lassen, ist nicht abschließend geklärt. Es besteht im Übrigen der Verdacht, dass pathogene Stämme des Aknebakteriums, wenn sie ins Blut gelangen, auch am Herzen oder an den Gelenken Beschwerden verursachen können.

Große Hoffnung setzen Wissenschaftler in die Entwicklung einer Impfung gegen Akne. Publikumsmedien bringen dieses Thema immer wieder auf, obwohl der Impfstoff, an dem vor allem US-amerikanische Forscher an der University of California in San Diego­ seit vielen Jahren arbeiten, noch längst nicht marktreif ist. Eine klassische Impfung, bei der der Körper Antikörper gegen die jeweiligen Krankheitserreger bildet, kommt im Fall von Propionibacterium acnes nicht infrage­. Man möchte ja dieses wichtige Mitglied der physiologischen Hautflora nicht vernichten, sondern nur seine schädlichen Aktivitäten unterbinden. Vor diesem Hintergrund konzentrieren sich die Forscher in San Diego auf einzelne Biomoleküle, die für die Akne­pathogenese relevant sein könnten. So entstand ein Impfstoff gegen eine Neuraminidase, mit der sich das Bakterium an die Zielzellen anhaftet. In experi­mentellen Studien schwächten sich bei geimpften Tieren die Entzündungszeichen an der Haut tatsächlich ab, obwohl sie weiterhin von Aknebakterien besiedelt war.Bis ein Humanimpfstoff gegen Acne vulgaris zur Verfügung stehen wird, dürfte es aber noch einige Zeit dauern.

Was also raten Sie jungen Menschen, wenn sie in der Apotheke nach einem wirksamen Mittel gegen die lästigen Pickel fragen? Zunächst einmal geht es im Beratungsgespräch darum, schwere Formen der Acne vulgaris mit hohem Vernarbungsrisiko zu erkennen, denn sie gehören in ärztliche Behandlung. Mit Pickeln hat die Mehrheit aller Jugendlichen zu kämpfen, wobei diese aber »nur« in rund 40 Prozent Ausdruck einer schwereren Hauterkrankung sind. In diesen Fällen kommen rezeptpflichtige Topika wie Retinoide zum Einsatz, eventuell ist auch eine systemische Behandlung erforderlich.

In rund 60 Prozent der Fälle zeigen sich die Hautveränderungen milder ausgeprägt, sodass eine Selbstmedikation gerechtfertigt erscheint. Der Leidensdruck korreliert dabei nicht unbedingt mit der Schwere der Erkrankung und kann auch bei milderen Verläufen erheblich sein. Darauf sollten PTA und Apotheker im Be­ratungsgespräch eingehen und den Betroffenen erklären, dass bei konsequenter Anwendung der empfohlenen Präparate gute Chancen bestehen, die Hautprobleme in den Griff zu bekommen.

Bewährt: Benzoylperoxid

Gute Erfolge werden mit Benzoylperoxid-haltigen Topika erzielt, die in verschiedenen Darreichungsformen, als Gele, Emulsionen und Waschlotionen, angeboten werden. Benzoylperoxid, das bereits seit den 1950er-Jahren gegen Akne zum Einsatz kommt, gilt auch heute noch unter den rezeptfreien Wirkstoffen als Aknetopikum der Wahl. Es handelt sich dabei um ein lipophiles Peroxid, das reaktiven Sauerstoff freisetzt und damit eine stark antibak­terielle Wirkung entfaltet. Anti­entzündliche, komedolytische und kera­tolytische Effekte runden das Wirkprofil ab. Eine langfristige Anwendung Benzoylperoxid-haltiger Topika ist bedenkenlos möglich. Resistenzen sind nicht zu befürchten. Anwender sollten jedoch wissen, dass die Haut lokal gereizt reagieren und austrocknen kann. Dabei sind ein leichtes Brennen und ein leichter Schäleffekt zu Beginn der Therapie ganz normal.

Die Dosis von Benzoylperoxid sollten Patienten langsam steigern, damit die Haut nicht stark irritiert reagiert. Anfangs­ wendet der Patient niedrigkonzentrierte Präparate, 3 bis 5 Prozent, einmal täglich an. Bei Bedarf wird später eventuell auf ein höher konzentriertes Präparat umgestellt, wobei Hersteller meist eine maximal zweimal tägliche Anwendung vorsehen. Wegen des Bleich­­effekts darf Benzoylperoxid nicht auf farbige Kleidung und andere Textilien gelangen. Grundsätzlich, auch das ein wichtiger Aspekt der Beratung, reicht es nicht aus, Aknetopika nur auf einzelne Pickel oder kleine Hautarreale aufzutragen. Sie werden vielmehr großflächig auf den betroffenen Partien im Gesicht oder am Oberkörper angewendet.

Eine gute Kombination scheinen Benzoylperoxid und das synthetische Naphthalinsäure-Derivat Adapalen zu bilden. Gemeinsam sind diese Wirkstoffe offenbar besonders gut in der Lage, die vier zentralen Aspekte der Akneentstehung – Seborrhoe, Hyperkolonisation mit Propionibacterium acnes, Hyperkeratose und Inflammation – unter Kontrolle zu bringen. Klinische Studien belegen eine Überlegenheit ge­genüber den Monosubstanzen. Im Unterschied zu Benzoyl­peroxid-Monopräparaten ist die Wirkstoffkombination aller­dings rezeptpflichtig.

Eine Reihe von Topika, die bei Akne immer noch zum Einsatz kommen, gelten heute als obsolet: Dazu zählen Abrasiva, Zink, Schwefel und Hefeextrakte. Dasselbe gilt für Resorcin, das unter anderem wegen des Risikos von Kontaktallergien negativ bewertet wird. In den NRF-Rezepturhinweisen sind für den Fall einer ärztlichen Resorcin-Verordnung alternative Wirkstoffe sowie Hinweise zum Umgang mit einer solchen Verordnung zu finden.

Zur Hautreinigung gut beraten

  • Dermokosmetika mit der Zweck­bestimmung »bei zu Akne neigender Haut« oder »bei ­unreiner Haut« empfehlen
  • Zu seifenfreien Syndets mit pH 5,5 raten
  • Die Haut darf nicht zu stark entfettet werden, sonst bildet sie reaktiv vermehrt Talg.
  • Zur Pflege eignen sich hydrophile Systeme wie Hydrogele und leichte Ö/W-Formulierungen wie Gelcremes, Cremes oder Emulsionen.
  • Auf komedolytische Komponenten achten, wie Fruchtsäuren, Glykolsäure, Milch- sowie Salicylsäure
  • Komedogene Inhaltsstoffe meiden. Dazu zählen Paraffin, Vaseline, Cetylalkohol, Erdnussöl, Lanolin, Kakaobutter und Polyethylenglykol.
  • Auf Präparate mit ionischen Stabilisatoren/Emulgatoren verzichten

Ein gesundes Maß

Abgesehen von der medikamentösen Behandlung spielt auch die Hautpflege bei Akne eine Rolle im Beratungsgespräch. Oft wird suggeriert, Pickel und Mitesser hätten als »Hautunreinheiten« etwas mit mangelnder Hygiene zu tun. Diese definitiv falsche Vermutung stellt für die Betroffenen eine zusätzliche Belastung dar, der sie nicht selten mit übertriebener Hygiene begegnen. Doch gerade das reizt die Haut zusätzlich und trocknet sie aus. Gewöhnliche Seifen greifen den Schutzmantel der Haut an und können das Hautbild weiter verschlechtern. Um die Haut schonend zu reinigen, empfehlen sich seifenfreie, pH-neutrale Syndets. Zur Pflege eignen sich Kosmetika mit einem möglichst geringen Fettanteil, etwa leichte Öl-in-Wasser-Emulsionen oder feuchtigkeitsspeichernde Hydrogele. Medizinische Camouflage – hochdeckendes, auf die Akne abgestimmtes Make-up – kann Betroffenen zudem helfen, sich in ihrer Haut wohler zu fühlen.

Finger weg vom Pickel

Sonnenschutzmittel sollten ebenfalls nicht fettig sein. Dass UV-Strahlung Akne bessert, ist ein Irrglaube. Allen­falls fallen die Hautveränderungen auf gebräunter Haut etwas weniger auf. Ausgiebige Sonnenbäder und Solariumbesuche können das Akne­problem wegen des Einflusses der ­UV-A-­Strah­lung sogar anfachen.

Ein weiterer häufiger Fehler: Viele Betroffene versuchen, Mitesser und Pick­el durch Ausdrücken zum Verschwinden zu bringen. Unsachgemäßes Drücken kann aber die entzündlichen Prozesse noch verstärken und begünstigt Narben. Kamillen-Dampfbäder dage­gen reinigen die Poren sanft, beruhigen die Haut und hemmen Entzündungen. Schon in frühen Aknestadien lohnt eine profes­sionelle Hautbehandlung in einem medizinischen Kosmetikstudio oder einer Hautarztpraxis. Bei entsprechender Indikation für eine ausgeprägte Akne tragen die Kassen die Kosten.

Am Ball bleiben

Ein großes Problem bei der Aknetherapie stellt mangelnde Adhärenz dar, auch wenn man dies angesichts des oft hohen Leidensdrucks vielleicht nicht vermuten würde. Damit die therapeu­tischen Strategien zum ­Erfolg führen und sich keine Narben bilden, müssen die Wirkstoffe sehr konsequent über einen langen Zeitraum angewendet werden. Das gilt für topische ebenso wie für systemische Therapeutika. Viele Betroffene haben jedoch nicht die erforderliche Geduld und brechen die Behandlung vorzeitig ab, zum Beispiel, wenn sich das Hautbild gebessert hat. Setzen sie die Medikamente ab, kehren die Pickel jedoch meist schnell wieder zurück. Deshalb gehört auch diese Botschaft zu jedem guten Beratungsgespräch: Akne ist hartnäckig, und nur eine ebensolche Behandlung kann wirklich helfen. /