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Hand-Fuß-Mund-Krankheit

Hoch ansteckend, aber harmlos

25.08.2017
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Von Carina Steyer / Schmerzhafte Bläschen im Mund und Hautausschlag an Händen und Füßen sind typische Symptome der Hand-Fuß-Mund-Krankheit. Besonders häufig erkranken Kinder unter zehn Jahren, in den letzten Jahren aber auch immer mehr Erwachsene.

Die Hand-Fuß-Mund-Krankheit ist eine weltweit verbreitete Virusinfektion. In Mitteleuropa tritt sie vor allem während der Spätsommer- und Herbstmonate gehäuft auf. Ausgelöst wird sie durch verschiedene Enteroviren. In Deutschland galt das Coxsackievirus A16 lange Zeit als Haupterreger, jedoch beobachten Experten des Robert Koch-Instituts zunehmend auch das Auftreten der Coxsackievirus-Varianten A6 und A10. Anders als im westpazifischen Raum, wo andere Enteroviren (vor allem Enterovirus 71) regelmäßig große Ausbrüche mit teils schweren Krankheitsverläufen verursachen, verläuft die Infektion hierzulande in der Regel harmlos. 

Zunächst dringen die Enteroviren über den Rachenraum in den menschlichen Organismus ein, vermehren sich im Rachenepithel und wandern anschließend über die Lymphknoten ins Blut. Mit dem Blutstrom verteilen sie sich im ganzen Körper und werden mit dem Stuhl ausgeschieden. Die Erreger der Hand-Fuß-Mund-Krankheit gelten als hoch ansteckend. Da der Mensch als einziges Erregerreservoir gilt, breitet sich die Hand-Fuß-Mund-Krankheit ausschließlich von Mensch zu Mensch aus, und zwar durch direkten Kontakt mit Körperflüssigkeiten wie Speichel oder Sekret aus Bläschen, Nasen und Rachen. Solange sich die Viren im Rachenepithel vermehren, ist außerdem eine Übertragung durch die Luft möglich. Als weitere Infektionsquellen kommen auch mit dem Virus kontaminierte Oberflächen und Stuhl in Frage. Der Stuhl enthält die Viren noch Wochen bis Monate nach einer überstandenen Infektion.

Die Inkubationszeit liegt zwischen drei und zehn Tagen. In seltenen Fällen zeigen sich erste Symptome bereits nach einem Tag, manchmal nach 30 Tagen. Betroffen sind vor allem Kinder unter zehn Jahren, hauptsächlich im Kindergartenalter. Kleinkinder waschen sich oft weniger gründlich und seltener die Hände als Erwachsene. Somit ist die Wahrscheinlichkeit relativ groß, dass Infizierte das Virus auf ein Spielzeug übertragen. Spielzeug gilt daher als ideale Ansteckungsquelle für andere Kinder. Experten gehen davon aus, dass nur ein infiziertes Kind in einer Kindergartengruppe ausreicht, um fast alle anderen Kinder anzustecken.

Charakteristische Symptome

Typischerweise beginnt die Hand-Fuß-Mund-Krankheit mit unspezifischen Krankheits­symptomen. Dazu gehören Fieber, Appetitlosigkeit, Übelkeit, Halsschmerzen und allgemeines Unwohlsein. Erst ein bis zwei Tage später zeigen sich an Zunge, Zahnfleisch und Mund­schleim­haut die für die Krankheit charakteristischen kleinen roten Flecken, aus denen anschließend schmerzhafte Bläschen und Ulzera entstehen. Hinzu kommt ein nicht juckender Hautausschlag an Handflächen und Fußsohlen.

Bisher kann die Hand-Fuß-Mund-Krankheit ausschließlich symptomatisch behandelt werden. Gegen das Fieber helfen Säfte oder Zäpfchen mit Paracetamol oder Ibuprofen. Tinkturen oder Gele mit Kamille lindern die Schmerzen im Mund. Während der akuten Phase der Erkrankung sollten heiße, harte oder scharf gewürzte Speisen vom Speiseplan gestrichen werden. Flüssige oder pürierte Lebensmittel belasten die empfindliche Mundschleimhaut. Wichtig ist außerdem, viel zu trinken, am besten gut gekühlte Getränke, aber auch ein Speiseeis kann die Beschwerden im Mund lindern.

In der Regel verschwinden die Symptome nach sieben bis zehn Tagen von alleine und die Infektion gilt als überstanden. Doch Vorsicht – nach überstandener Krankheit besteht nur Immunität gegen den spezifischen Virustyp. Die Ansteckung mit einer anderen Variante ist somit auch in Zukunft möglich.

Der Arzt diagnostiziert die Erkrankung anhand des klinischen Bildes. Da die meisten Fälle asymptomatisch verlaufen, bemerken allerdings weder das Kind noch die Eltern die Hand-Fuß-Mund-Krankheit. Laut Robert Koch-Institut betrifft dies mehr als 80 Prozent der Infizierten.

Ungewöhnliches Auftreten

Nach dem Infektionsschutzgesetz ist die Hand-Fuß-Mund-Krankheit keine meldepflichtige Krankheit, sodass gesicherte epidemiologische Daten fehlen. Experten gingen bisher von einer hohen Durchseuchungrate bei Kindern und dementsprechend seltenen Infektionen bei Erwachsenen aus. In den letzten Jahren registriert das Nationale Referenzzentrum für Poliomyelitis und Enteroviren des Robert Koch-Instituts jedoch eine Häufung der Krankheitsfälle bei Erwachsenen. Zudem beobachten Ärzte immer öfter ungewöhnliche Symptome. Dazu gehören die Ausbreitung des Hautausschlags auf Knie, Ellenbogen, Rücken, Genitalien oder Gesäß sowie das vorübergehende Ablösen von Finger- und Fußnägeln. Ob hier ein Zusammenhang zu dem vermehrten Auftreten der neuen Coxsackieviren A6 und A10 besteht, ist derzeit noch ungeklärt.

Ungefährlich in der Schwangerschaft

Schwangere sind häufig beunruhigt, wenn in Kindergarten oder Schule Fälle der Hand-Fuß-Mund-Krankheit bekannt werden. Da Enteroviren jedoch fast überall verbreitet sind, können die Frauen davon ausgehen, dass sie insbesondere während der Sommer- und Herbstmonate regelmäßig mit den Viren in Kontakt zu kommen, auch ohne bekannte Infektionsfälle in ihrem direkten Umfeld. Infizieren sie sich während der Schwangerschaft, sind die Symptome meist mild oder die Infektion verläuft völlig asymptomatisch. Bisher gibt es keine eindeutigen Belege, dass sich die mütterliche Infektion negativ auf das Ungeborene auswirkt. Infiziert sich die Frau um den Geburtstermin herum, kann sie das Neugeborene zwar anstecken, doch bei den meisten Neugeborenen verläuft die Erkrankung mild. Selten greift die Infektion auf Leber oder Herz über und führt zum Tod. In den ersten beiden Lebenswochen ist die Wahrscheinlichkeit für einen schweren Verlauf beim Neugeborenen am größten. Gefährlich kann die Infektion auch für Menschen mit Immundefiziten werden. Hier verursachen die Viren schlimmstenfalls eine Hirnhautentzündung oder Schäden an Herz und Leber.

Einzelfälle der Hand-Fuß-Mund-Krankheit sind zwar nicht meldepflichtig. Erkranken bei einem Ausbruch jedoch zwei oder mehr Personen gleichzeitig, muss dies dem zuständigen Gesundheitsamt gemeldet werden. Damit das Robert Koch-Institut die beteiligten Virenstämme analysieren kann, werden in diesen Fällen Stuhlproben, Rachenabstriche oder Bläscheninhalt an das Institut geschickt.

Empfehlungen für ein standardisiertes Vorgehen bei Ausbrüchen der Hand-Fuß-Mund-Krankheit gibt es nicht. Ob eine Einrichtung geschlossen wird, obliegt dem zuständigen Gesundheitsamt und wird dort je nach Ausgangslage entschieden. In der Regel wird die Infektionskette durch diese Maßnahme nicht unterbrochen und auch der Ausbruch nicht zeitnah beendet. Das liegt zum einen an der langen Virusausscheidung und zum anderen an der hohen Zahl asymptomatisch Erkrankter. Auch der Ausschluss erkrankter Kinder aus Kindergarten oder Schule ist meist wenig erfolgversprechend. Dennoch empfehlen Experten, die Kinder bei akuten Symptomen bis zum Abheilen der Bläschen zu Hause zu behalten. In dieser Zeit ist das Übertragungsrisiko am größten. Zusätzlich hilft diese Maßnahme, die zirkulierende Virusmenge zu verringern.

Einziger Schutz

Schutz gegen die Hand-Fuß-Mund-Krankheit bieten derzeit nur intensive Hygienemaßnahmen, die den Übertragungsweg unterbrechen. Dazu gehört regelmäßiges und sorgfältiges Hände­waschen vor allem nach der Toilette oder dem Windelwechsel. In öffentlichen Einrichtungen wie Kinder­gärten und Schulen müssen Oberflächen sowie sämtliche Gegenstände nach vorgeschriebenen Hygieneplänen mit einem virenwirksamen Desinfektionsmittel gereinigt werden. Schnuller und Zahnbürsten sollten nach Infektionsende erneuert und keinesfalls von mehreren Kindern oder Familienmitgliedern verwendet werden. Im Kontakt mit symptomatisch Erkrankten gilt es während der Ansteckungszeit, vorsichtshalber auf Küsse oder das gemeinsame Benutzen von Besteck und Gläsern zu verzichten. /