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Skabies

Krätze erkennen und behandeln

25.08.2017
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Von Michael van den Heuvel / Starker Juckreiz hat viele Ursachen. Klagen Kunden über länger anhaltende Beschwerden, sollten PTA oder Apotheker auch Krätze (Skabies) in Betracht ziehen. Die Erkrankung lässt sich mit topischen oder systemischen Pharmaka gut behandeln.

Seit Ende 2016 bricht Skabies in Deutschland regional gehäuft aus: In Köln erhöhte sich die Zahl der Patienten von 26 im Jahr 2013 auf 65 im Jahr 2016 und in Düsseldorf von 21 auf 93 Fälle. Im selben Zeitraum meldete die Städte­region Aachen einen Anstieg von 11 auf 316. Besteht Anlass zur Sorge?

»Die Skabies war bisher nach dem Infektionsschutzgesetz (IfSG) nur eingeschränkt meldepflichtig, das heißt, es liegen uns keine Verlaufszahlen aus dem Meldesystem vor«, erklärt Dr. Anton Aebischer gegenüber PTA-Forum. Er ist Leiter des Fachgebiets »Erreger von Pilz- und Parasiteninfektionen und Mykobakteriosen« am Robert-Koch-­Institut. »Für Deutschland gibt es ­deswegen dazu nur unvollständige In­formationen, und zwar aus der Gesundheitsberichterstattung des Bundes zu vollstationären Patienten.« Demnach veränderte sich die Zahl an Skabies-Diagnosen von 2.727 im Jahr 2000 auf 757 im Jahr 2010 und wieder auf 2773 in 2015. »Die Häufigkeit von Skabies unterliegt langjährigen Zyklen, deren Ursachen nicht erforscht sind«, so Aebischer zur Erklärung. »Wir hoffen­, dass über die Änderung der Meldepflicht bei Skabies im IfSG künftig Fragen­ für Deutschland genauer beantwortet werden können.« Momentan liegt die Dunkelziffer vermutlich hoch. Aufgrund der unspezifischen Symptome suchen Patienten nicht immer ihren Arzt auf, sondern wenden sich häufig an PTA oder Apotheker.

Leitsymptom Juckreiz

Klagen Kunden über starken, länger anhaltenden Juckreiz, gilt es, genauer nachzufragen. In den meisten Fällen lösen­ atopische Ekzeme, Dermatomykosen, Psoriasis oder Urtikaria zwar die Beschwerden aus, doch kommt auch Krätze in Betracht. Aebischer weist auf ein paar Besonderheiten hin: »Typisch für Skabies sind kommaartige, oft unregelmäßig gewundene, wenige Millimeter lange Milbengänge, an deren Ende sich manchmal ein kleines Bläschen ausbildet. Typisch ist vor allem auch ein starker, generalisierter Juckreiz, der in der Nacht zunimmt.« Dann sollten PTA oder Apotheker Patienten bitten, den Hautarzt aufzusuchen.

Auslöser der Beschwerden ist die Krätzemilbe (Sarcoptes scabiei var. hominis), ein Spinnentierchen. Die 0,3 bis 0,5 Millimeter großen Weibchen sind mit bloßem Auge gerade noch sichtbar. Sie bohren sich tief in die Oberhaut.

»Skabiesmilben bevorzugen Haut­areale mit verhältnismäßig hoher Temperatur und dünner Hornschicht«, weiß der Experte. Dazu zählen Bereiche zwisch­en den Fingern und Zehen, die inneren Fußränder, der Penisschaft, der Bereich um den Anus, die Brustwarzenvorhöfe und der Nabel. Bei Babys und Kleinkindern befallen die Milben manchmal zusätzlich das Gesicht, den Kopf sowie Hand- und Fußsohlen.

Unser Immunsystem reagiert nicht nur auf die Parasiten, sondern auch auf deren­ Ausscheidungen oder Eier. Für Milbenbefall charakteristisch sind neben dem starken Juckreiz mit Eiter oder Flüssigkeit gefüllte Bläschen, Hautausschläge oder Krusten. Später kommen Sekundärinfektionen durch Bakterien auf der geschädigten Haut hinzu.

Stationär nicht nötig

Nach der Verdachtsdiagnose sichern Ärzte ihre Vermutung durch eine mikroskopische Untersuchung ab. Stimmt die Diagnose, können die Patienten beziehungsweise deren Angehörige die Skabies normalerweise zu Hause selbst behandeln, stationäre Aufenthalte sind nicht erforderlich. Für die Therapie verordnet der Arzt meist ein topisches Präparat, selten ein systemisch anzuwendendes.

Verschreibt der Hautarzt ein Topikum, sollten PTA oder Apotheker bei der Abgabe auf einige Punkte hin­weisen. Bei Erwachsenen und Schulkindern muss der gesamte Körper ab dem Unterkiefer eingecremt werden. Als erste Wahl nennt die Leitlinie der Deutschen Dermatologischen Gesellschaft 5-prozentige Permethrin-Zubereitungen. Die Creme muss acht bis zwölf Stunden einwirken und wird dann abgewaschen. Benzylbenzoat-Emulsionen (25-prozentig für Erwachsene oder 10-prozentig für Kinder) kommen alternativ zum Einsatz. Sie werden an drei aufeinanderfolgenden Tagen appliziert und am vierten Tag abgewaschen. Eine weitere Therapiemöglichkeit ist Crotamiton in 10-prozentiger Konzentration als Lösung, Salbe­ oder Creme beziehungsweise 5-prozentig als Gel. Patienten sollten das jeweilige Präparat an drei bis fünf aufeinanderfolgenden Tagen auf­tragen und danach abwaschen. Im Anschluss­ an die topische Therapie empfehlen PTA oder Apotheker wirkstofffreie Basispflege-Produkte, um Irrita­tionen der Haut zu vermeiden. Postskabiöse Ekzeme heilen mit topischen Corticosteroiden gut ab.

Indirekte Übertragung wenig wahrscheinlich

»Grundsätzlich ist Permethrin topisch das Mittel der ersten Wahl«, heißt es im Epidemiologischen Bulletin des Robert-Koch-Instituts. Aebischer ergänzt: »Eine systemische Therapie mit dem oral verabreichten Wirkstoff Ivermectin wird für immunsupprimierte Patienten oder Menschen mit stark ekzema­töser oder erodierter Haut empfohlen und für Umstände, unter denen die fachgerechte Ganzkörperbehandlung mit einer Creme nicht gewähr­leistet werden kann.« Dann reicht die einmalige Gabe von 200 Mikrogramm pro Kilogramm Körpergewicht meist aus. Verändert sich das Krankheitsbild nicht, kann der Arzt innerhalb von 14 Tagen eine zusätzliche Gabe verordnen. PTA oder Apotheker sollten den Patienten darauf hin­weisen, dass er zwei Stunden vor und nach der Einnahme des Wirkstoffs nichts essen darf.

Neben der Pharmakotherapie spielt die Vermeidung erneuter Infektionen eine zentrale Rolle. Da sich Krätzemilben nur langsam bewegen, gelten bei normaler Skabies Kontaktzeiten von weniger als fünf Minuten, etwa beim Händeschütteln oder Umarmen, als zu kurz für eine Infektion. Indirekte Übertragungswege durch Kleidungsstücke oder Bettwäsche sind zwar möglich, aber wenig wahrscheinlich. Bei 34°C Umgebungstemperatur überleben Milben weniger als 24 Stunden, und bei ­­50°C in der Waschmaschine werden sie innerhalb von zehn Minuten abgetötet. Die Experten des Robert-Koch-Instituts schätzen die Inaktivierungszeit der kleinen Spinnentiere bei üblichen Umgebungstemperaturen und Feuchtigkeitswerten auch ohne sonstige Maßnahmen außerhalb der menschlichen Haut auf maximal 48 Stunden. Ausführliche Informationen über präventive Maßnahmen und Infektionsschutz finden Interessierte auf der Website des Robert-Koch-Instituts. /