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Leberwerte

Alarm im Entgiftungsorgan

25.11.2013
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Von Peter Findeisen / Labortests sind bei der Diagnostik von Leber­erkrankungen unverzichtbar. Ist der Galleabfluss gestört, steigen in der Regel die Werte für Bilirubin sowie die der Enzyme GGT und AP deutlich an. Sind die Leberzellen geschädigt, erhöhen sich hingegen eher die Werte der Transaminasen.

Als bedeutendstes Stoffwechselorgan ist die Leber wesentlich am Auf- und Umbau von Proteinen, Kohlenhydraten und Fetten beteiligt. Zudem ist sie der Hauptsyntheseort für Proteine wie Albumin und Gerinnungsfaktoren und dient als Speicherorgan, beispielsweise für Glucose in Form von Glucagon, sowie für einige Vitamine wie Vitamin B12 und Spurenelemente wie Mangan. Weiterhin erfüllt die Leber eine wesentliche Funktion als Entgiftungs­organ. So wandelt sie den beim Proteinstoffwechsel anfallenden giftigen Ammoniak zu Harnstoff um, der dann über die Nieren ausgeschieden wird. Damit fettlösliche Substanzen wie Bilirubin in den Darm transportiert und über den Stuhlgang ausgeschieden werden können, produziert die Leber Gallenflüssigkeit. Die enthaltenen Gallensäuren dienen als Lösungsvermittler. Zusammen mit dem Sekret der Bauchspeicheldrüse sorgen sie auch dafür, dass Nahrungsbestandteile aus dem Darm resorbiert werden können. Alle Nährstoffe, aber auch Arzneistoffe, gelangen nach der Resorption über die Pfortader zuerst in die Leber und werden dort weiter verarbeitet. Leber-eigene Enzyme wie Cytochrome und Transferasen übernehmen die Biotransformation vieler Arzneistoffe.

Parameter bei Gallestau

Wenn das Gallesekret nicht abfließen kann, sprechen Mediziner von Cholestase. Ursache können beispielsweise Gallensteine sein oder Tumoren der Bauchspeicheldrüse. Steigt der Druck immer weiter, gehen Bestandteile der Gallenflüssigkeit wie Bilirubin in das Blut über. Da die Gallensäuren als Lösungsvermittler wirken, können sich sogar membranständige Enzyme wie die Gamma-Glutamyl-Transferase (GGT) und die alkalische Phosphatase (AP) aus den Gallenkanälchen herauslösen und dann ebenfalls in das Blut übertreten.

Der Gallenfarbstoff Bilirubin entsteht hauptsächlich durch den Abbau des Blutfarbstoffs Hämoglobin. Dabei wird das rote Hämoglobin über das grüne Biliverdin zum gelben Bilirubin abgebaut. Diese Farbfolge lässt sich nach stumpfen Verletzungen auch an den »blauen Flecken« der Haut beobachten, die sich erst grünlich, dann gelblich verfärben und schließlich verblassen. Bilirubin ist schlecht wasserlöslich und kann erst nach Bindung an Albumin zur Leber gelangen. Dort fügt ein Enzym dem Bilirubin einen Zuckerrest an, um die Wasserlöslichkeit zu verbessern und damit die Ausscheidung über die Galle zu ermöglichen. Bilirubin wird dabei gegen ein Konzen­tra­tions­gefälle in die Gallenkanälchen gepumpt. Von dort gelangt es weiter in den Darm und färbt den Stuhl charakteristisch.

Symptom Gelbsucht

Steigt die Konzentration des Bilirubins im Blut, verfärbt sich die Haut gelblich. Der Patient erkrankt an Gelbsucht, Ärzte sprechen von Ikterus. Die Gelbsucht ist allerdings nur ein Symptom, das neben dem Verschluss der Gallenwege auch noch andere Ursachen haben kann. Gallensteine verursachen in der Regel kolikartige Bauchschmerzen, insbesondere nach fettreichen Mahlzeiten. Ein schmerzloser Ikterus ohne Koliken deutet daher auf andere Ursachen hin. So entsteht beispielsweise ein Ikterus auch dann, wenn Leberzellen geschädigt sind oder wenn rote Blutzellen vermehrt absterben (Hämolyse). In diesen Fällen flutet das Bilirubin vermehrt an, sodass die Ausscheidungskapazität der Leber überschritten wird.

GGT ist ein membrangebundenes Enzym und befindet sich in der Leber vor allem auf den Zellen, welche die kleinen Gallengänge auskleiden. Auch die AP ist ein membrangebundenes Enzym in den Gallenkanälchen der Leber. Allerdings geben noch andere Organe AP-Isoformen in die Blutbahn ab. Dazu zählen insbesondere die Knochen, die Plazenta und der Dünndarm. In der Regel erfassen Labormediziner nur die Gesamt­aktivität der AP, die sich aus der Summe der einzelnen AP-Isoformen zusammensetzt. Bei vielen klinischen Fragestellungen reicht die Gesamtaktivität aus, wenn Labormediziner sie gemeinsam mit weiteren Laborparametern interpretieren. So kann durch Alkohol, aber auch verschiedene Medikamente wie Phenytoin, Barbiturate und Thyreostatika die GGT im Blut isoliert ansteigen. Bei Kindern und Jugendlichen sind die Referenzwerte wegen der verstärkten Aktivität der Knochen-AP aufgrund des Wachstums erhöht. Im letzten Trimenon einer Schwangerschaft steigt der AP-Wert ebenfalls an; bei diesen Frauen ist der Anteil der Plazenta-AP erhöht. Außerdem liegt der AP-Wert nach ausgiebigen Mahlzeiten vorübergehend durch erhöhte Aktivität der Dünndarm-AP über dem Normwert.

Diagnose von Zellschäden

Manche Erkrankungen wie eine virale Hepatitis aber auch hepatotoxische Substanzen wie Zytostatika schädigen langfristig die Leberzellen. In der Folge gelangen Enzyme aus den Leberzellen in das Blut. Von Bedeutung sind hier vor allem zwei Transaminasen: die Alanin-Aminotransferase (ALAT) und die Aspartat-Aminotransferase (ASAT). Beide spielen eine zentrale Rolle im Aminosäure-Stoffwechsel. Früher bezeichneten Labor­ärzte diese beiden Enzyme als Glutamat-Pyru­vat-Trans­aminase (GPT) beziehungsweise Glutamat-Oxalat-Transferase (GOT). Man findet die Begriffe noch in älteren Büchern.

Parallel dazu steigt die Bilirubin-Konzentration im Blut, da die geschädigte Leber diese Substanz nur eingeschränkt in die Galle pumpen kann. Zwei Parameter ermöglichen dem Arzt Rückschlüsse auf den Schweregrad sowie den Verlauf der Organ­schädigung: das Ausmaß der Konzentrationserhöhung der verschiedenen Werte sowie deren Dauer. Die Aspartat-Aminotransferase kommt in hoher Konzentration in der Leber vor, findet sich aber auch in Herz- und Skelettmuskeln, im Gehirn, in den Nieren und der Lunge. Deswegen kann eine erhöhte Konzentration von ASAT im Blut neben einer Lebererkrankung andere Ursachen haben.

Primär in der Leber

Im Gegensatz dazu findet sich die Alanin-Amino­trans­ferase hauptsächlich in der Leber. Biochemiker sprechen von einer »größeren Leberspezifität«. Indem sie die Transaminase-Werte gemeinsam mit weiteren Laborparametern beurteilen, können Labormediziner meist eine Aussage darüber treffen, welches Or­gan in welchem Ausmaß geschädigt ist.

Eine chronische Schädigung der Leber­zellen, beispielsweise durch exzessiven Alkoholkonsum oder eine nicht ausheilende virale Hepatitis, kann zu einer Vernarbung der Leber führen. Die Leberfunktion nimmt dabei kontinuierlich ab. Die verringerte Synthese von Proteinen, etwa von Albumin, führt dazu, dass Wasser aus dem Gefäß­system in das Gewebe austritt. Dadurch sammelt sich Wasser als Ödeme in den Beinen und der Bauchhöhle (Aszites) an. Eine verminderte Bildung von Gerinnungsfaktoren erhöht das Blutungsrisiko.

Die Elimination von Giften ist reduziert, und in der Folge nehmen viele Organe Schaden, so auch das Zentralnervensystem. Außerdem ist die Verstoffwechselung und Ausscheidung von einigen Medikamenten verändert, was zu unerwünschten Arzneimittelwirkungen führen kann. Das Endstadium dieser Leberschädigung bezeichnen Mediziner als Leberzirrhose. Sie ist irreversibel, das totale Organversagen führt ohne Lebertransplantation letztlich zum Tod.

Sind ausschließlich die Bilirubinwerte über längere Zeit erhöht, färbt sich die Haut nicht nur gelblich, sondern juckt in der Regel stark. Bei manchen Patienten mit einer viralen Hepatitis entfärbt sich auch der Stuhl. In diesem Fall kann Bilirubin, das den Stuhl anfärbt, nicht mehr über die Galle ausgeschieden werden.

Bei Babys häufig

Bei vielen Neugeborenen sind die Bilirubin-Werte deutlich erhöht, da in den ersten Lebenstagen vermehrt Erythrozyten abgebaut werden (Ikterus hämolyticus neonatorum). Allerdings besteht bei sehr hohen Bilirubinwerten die Gefahr einer Gehirn-Schädigung. In solchen Fällen erhalten die Kinder eine Phototherapie, da das lichtempfindliche Bilirubin durch UV-Strahlen in der Haut gespalten wird. Eine erblich bedingte Störung des Bilirubinstoffwechsels (Morbus Meulengracht) verursacht eine milde Gelbsucht mit nur geringem Krankheitswert. /

Laborparameter Material Referenzwert
Bilirubin (gesamt) Serum, Plasma < 1,2 mg/dl
GGT Serum, Plasma Frauen: < 40 U/l Männer: < 60 U/l
AP Serum, Plasma Frauen: 35–105 U/l Männer: 40–130 U/l
ASAT Serum, Plasma Frauen: < 35 U/l* Männer: < 50 U/l*
ALAT Serum, Plasma Frauen: < 35 U/l* Männer: < 50 U/l*
* stark methodenabhängig

E-Mail-Adresse des Verfassers

Peter.Findeisen(at)umm.de